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Zur Rekonstruktion eines produktionsästhetischen Konflikts im frühen 18. Jahrhundert

  • Holger Rudloff

Zusammenfassung

Die Frage nach den Voraussetzungen literarischen Schaffens beschäftigt in der Neuzeit die Renaissance, die Barockpoetik und die Aufklärung. Am Ende des 17. Jahrhunderts soll in Frankreich die “Querelle des anciens et des modernes” darüber befinden, ob die moderne Zeitgenossenschaft die philosophischen und dichterischen Errungenschaften der Antike in den Schatten stellen könne. Mit den Fixpunkten Erlernbarkeit und Begabung, ingenium und Studium, werden die Bedingungen des schöpferischen Menschen thematisiert. Aber ebenso wie bei J. C. Scaliger, dem Kunstschriftsteller des italienischen Cinquecento, oder beim englischen Barockpoeten Sir Philip Sidney werden diese Bedingungen — ein Jahrhundert später — an eine Instanz gebunden, die schon im Vorfeld das Privileg literarischen Produzierens für sich beansprucht: an das Genie.

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Literatur

  1. 1.
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  3. 3.
    Ebd., S. 68.Google Scholar
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    Vgl. dazu ausführlich: A. Baeumler, Das Irrationalitätsproblem in der Asthetik und Logik des 18. Jahrhunderts bis zur Kritik der Urteilskraft. Reprograf. Nachdr. d. 2., durchges. u. um e. Nachw. env. Aufl. 1967. Darmstadt 1981, bes. S. 146 ff.Google Scholar
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  10. 10.
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  19. 19.
    Vgl. z.B. K. A. Korff, Geist der Goethezeit, 1. Teil. Leipzig 1930, S. 102 ff.Google Scholar
  20. 20.
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  26. 26.
    Das läßt sich besonders anhand der Konzeptionen von Kant und Schiller aufzeigen. Vgl. dazu dezidiert die beiden nächsten Kapitel.Google Scholar
  27. 27.
  28. 28.
    Schiller, Humboldt, Goethe, Moritz und Kant werden den Begriff des in sich ruhenden Ganzen in den Mittelpunkt ihrer Positionsbestimmungen des Kunstwerks rücken. Der harmonischen Darstellung des in sich geschlossenen Organismus kommen dabei rezeptive als auch produktive Funktionen zu. Vgl. dazu Kap. 4.Google Scholar
  29. 29.
    G. Sauder, Geniekult im Sturm und Drang. In: R. Grimminger (Hg..), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur, Bd. 3. A. a. O., S. 327–340; Zitat: S. 332.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. in diesem Zusammenhang die materialreiche Untersuchung von O. Walzel, Das Prometheussymbol von Shaftesbury zu Goethe. Leipzig und Berlin 1910. - Auch wenn man die Interpretation von Prometheus aus Vorkämpfer einer metaphysischen Freiheit nicht teilt, liefert die genannte Studie hinreichend Belege für den Einfluß Shaftesburys auf das 18. Jhd. in Deutschland.Google Scholar
  31. 31.
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  32. 32.
    Vgl. L. Winkler, Kulturwarenproduktion. Aufsätze zur Literatur-und Sprachsoziologie. Frankfurt/M. 1973, S. 46.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. P. Bürger, Zur Kritik der idealistischen Ästhetik. Frankfurt/M. 1983, S. 104 f.Google Scholar
  34. 34.
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  35. 35.
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  36. 36.
  37. 37.
    Vgl. dazu die deutsche Übersetzung in der “Standard Edition”. A. a. O., S. 373.Google Scholar
  38. 38.
    Ebd., S. 318.Google Scholar
  39. 39.
    Weiterführend läßt sich diese These besonders bei Kant und Schiller diskutieren. (Vgl. dazu die beiden nächsten Kapitel).Google Scholar
  40. 40.
    A. Hauser, Sozialgeschichte der Kunst und Literatur. 14.-18. Tausend München 1969, S. 634.Google Scholar
  41. 41.
    Ebd., S. 635.Google Scholar
  42. 42.
    Ebd., S. 637.Google Scholar
  43. 43.
    Ebd. - Im Gegensatz dazu verweist Sauder (Geniekult im Sturm und Drang A. a. O., S. 337 f.) auf die Solidarität der Autorenelite. Daß das nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein braucht, soll anhand der grundsätzlichen Problematik der Konstitution schriftstellerischen Selbstbewußtseins gezeigt werden. (Vgl. dazu Kap. 4).Google Scholar
  44. 44.
    H. J. Haferkorn, Zur Entstehung der bürgerlich-literarischen Intelligenz und des Schriftstellers in Deutschland zwischen 1750–1800. In: B. Lutz (Hg.), Deutsches Bürgertum und literarische Intelligenz…, a. a. O., S. 113–275; Zitat: S. 140.Google Scholar
  45. 45.
    Die Konsequenzen dieses Anerkennens für das Verhältnis von Autor und Leser sollen unter produktionsästhetischem Aspekt am Beispiel der theoretischen Schriften Schillers aufgezeigt werden. (Vgl. dazu Kap. 4).Google Scholar
  46. 46.
    Literarische Produktion und Christentum können so in ein enges Verhältnis zueinander treten. Für Johann Kaspar Lavater beispielsweise hat das Genie an der “Offenbarung” teil; es findet seine höchste Verkörperung in Christus selbst. Hinsichtlich der Entwicklung der produktionsästhetischen Reflexion ist hiermit eine Sonderstellung erreicht, der keine exemplarische Geltung zukommt. Die Position macht jedoch deutlich, zu welch weitgespannten Interpretationen man greift, um literarische Produktion ins Licht des Unnennbaren zu stellen.Google Scholar
  47. 47.
    G. Sauder, Geniekult im Sturm und Drang. A. a. O., S. 334.Google Scholar
  48. 48.
    J. W. Goethe, Zum Shakespeares-Tag. In: Goethe Werke, Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, Bd. 12. Hamburg 1963, S. 224–227; Zitat: S. 227.Google Scholar
  49. 49.
    Ebd., S. 225.Google Scholar
  50. 50.
    Ebd., S. 226.Google Scholar
  51. 51.
    Ebd., S. 227.Google Scholar
  52. 52.
    Ebd., S. 225.Google Scholar
  53. 53.
    J. W. Goethe, Von deutscher Baukunst. In: Goethes Werke, Hamburger Ausgabe. Bd. 12. A. a. O., S. 7.Google Scholar
  54. 54.
  55. 55.
    J. W. Goethe, Zum Shakespeares-Tag. A. a. O., S. 225.Google Scholar
  56. 56.
  57. 57.
    Ebd., S. 226.Google Scholar
  58. 58.
    Goethes Briefe, Hamburger Ausgabe in 4 Bänden, Bd. 1. Hamburg 1962, S. 166.Google Scholar
  59. 59.
    Artikel: Genie. In: J. Ritter (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. A. a. O., S. 295.Google Scholar
  60. 60.
    Vgl. exemplarisch: W. Mahrholz, Die Wesenszüge des schriftstellerischen Schaffensprozesses. In: L. Sinzheimer (Hgg), Die geistigen Arbeiter. 1. Teil. Freies Schriftstellertum und Literaturverlag. München/Leipzig 1922, S. 58–73.Google Scholar
  61. 61.
    J. Schmidt, Die Geschichte des Genie-Gedanken…, a. a. O., S. 41 f.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Holger Rudloff

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