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Generationenbeziehungen und Heiratsregimes — theoretische Überlegungen zur Struktur von Heiratsmärkten und Partnerwahlprozessen am Beispiel der Türkei und Deutschland

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Zusammenfassung

Die Thematisierung von Heiratsbeziehungen und von der Wahl des Ehepartners bei Angehörigen der türkischen Nationalität geschieht in der deutschsprachigen Literatur zumeist unter zwei Gesichtspunkten:

(1) Einerseits wird betont, dass bei den Eheschließungen von Angehörigen der türkischen Nationalität vieles „anders“ sei als etwa bei Angehörigen der deutschen Nationalität. Dies wird als Hinweis auf die große „kulturelle Distanz“ gewertet, auf Unterschiede in den „Werten und Normen“, die sich dann — bei der türkischen Migrantenminorität in Deutschland — in „ethnischer Segregation“ manifestiere. Tatsächlich lassen sich im Heiratsverhalten von Angehörigen der türkischen Nationalität einige Phänomene beobachten, die für das kulturelle Selbstverständnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht nur „fremd“ sind, sondern darüber hinaus große Missbilligung erfahren und regelmäßig Gegenstand der Sensationsberichterstattung sind: (a) insbesondere türkische Frauen heiraten nach wie vor relativ früh in ihrem Leben (Durchschnittsalter 18 Jahre), (b) nicht selten handelt es sich um arrangierte Ehen, die maßgeblich durch die Entscheidung der Herkunftsfamilienväter) zustande kommen, (c) Heiraten sind mit großen finanziellen Transfers zwischen den beteiligten Herkunftsfamilien verbunden, von denen der „Brautpreis“ der bekannteste ist, (d) Heiraten zwischen engen Verwandten sind keineswegs ungewöhnlich.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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