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Ausländerfeindliche Bewegungen und Parteien im Vier-Länder-Vergleich

Ressourcenmobilisierung, Kosten/Nutzen-Relationen, Organisationen und soziale Netzwerke
  • Bert Klandermans

Zusammenfassung

Die Theorie der Resource Mobilisation (RM) war eine Reaktion auf die breakdown-Theorien. Sie wurde von Bewegungsforschern entwickelt, die häufig selbst an der Bürgerrechts- oder der Studentenbewegung der 60er Jahre in den USA teilgenommen hatten und diese Bewegungen nicht mehr im Sinne der breakdown-Theorien wahrnahmen, wie Le Bons Theorie des Massenverhaltens, Kornhausers Theorie der Massengesellschaft, Smelsers Theorie des kollektiven Verhaltens oder Gurrs Theorie der relativen Deprivation. Diese Theorien haben gemeinsam, daß sie davon ausgehen, Unzufriedenheit bewirke Protest, und daß Protestierende spezifische psychologische oder gar psychopathologische Merkmale aufwiesen. Solche Untersuchungen verstanden Protest nicht als ein politisches Phänomen, sondern als eine Begleiterscheinung sozialen Wandels. In der Tat wurden soziale Bewegungen eher als Formen kollektiven Verhaltens gesehen denn als eine ‚Politik mit anderen Mitteln‘.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Daß die Rechnung nicht immer aufgeht, zeigt übrigens das Fortdauern der Diktatur Saddam Husseins im Irak nach dem Golfkrieg. Zwar gab es nach der irakischen Niederlage Aufstände kurdischer und schiitischer Minderheiten, diese konnten aber wegen der fehlenden Einheit der Opposition und der mangelnden externen Unterstützung niedergeschlagen werden.Google Scholar
  2. 2.
    Bei einigen Autoren findet man übrigens umfassendere Operationalisierungen der politischen Gelegenheitsstrukturen, die beide Dimensionen umfassen, siehe Rucht 1994, Kriesi/Koopmans/Duyvendak/Giugni 1995.Google Scholar
  3. 3.
    Für eine Erklärung der Unterschiede bezüglich rechtsextremer Mobilisierung zwischen verschiedenen westeuropäischen Ländern aus der Sicht des politischen Prozeß-Ansatzes, siehe Koopmans 1995, Koopmans/Kriesi 1997.Google Scholar
  4. 4.
    In dieser Darstellung des Modells beschränke ich mich auf den Idealtypus instrumenteller Bewegungen. Instrumentelle Bewegungen sind dadurch gekennzeichnet, daß kollektive Aktion für sie vordergründig ein Mittel zum Zweck eines kollektiven Ziels ist, das außerhalb der kollektiven Aktion liegt. Anderswo (Koopmans 1995: 17ff.) habe ich mich mit der Bedeutung der konkreten Gelegenheiten für identitätsgerichtete Bewegungen auseinandergesetzt. Für solche Bewegungen erfüllt die kollektive Aktion auch expressive Zwecke, z.B. die Darstellung einer bestimmten Sub-oder Gegenkultur. In der Folge sind solche Bewegungen weniger als instrumentelle Bewegungen empfindlich für sich ändernde Erfolgschancen oder Situationen von Reform oder Bedrohung. Die Schwulenbewegung erübrigt sich z.B. nicht mit einer formellen Gleichstellung von Homosexuellen, da einer ihrer primären Zwecke aus der Sicht der Teilnehmer in dem durch kollektive Aktion gemeinsamen Gestalten, Leben und öfffentlichen Darstellen einer schwulen Subkultur besteht.Google Scholar
  5. 5.
    Die hier dargestellten Daten beruhen auf der Auswertung jeder zweiten Ausgabe (Montag, Mittwoch, Freitag) der Frankfurter Rundschau zwischen 1990 und 1995. Zusätzlich wurden für kürzere Zeiträume die Bild-Zeitung sowie drei ostdeutsche Lokalzeitungen ausgewertet. Die aus letzteren Quellen gewonnenen Daten korrelieren sehr stark (.90 oder höher) mit den Daten der Frankfurter Rundschau. Da letztere Quelle im Vergleich zu den anderen Zeitungen über deutlich mehr Ereignisse berichtet und zu diesen Ereignissen im allgemeinen komplettere Informationen verschafft, nutzen wir die Frankfurter Rundschau als Hauptquelle. Hinzu kommt, daß die Daten aus dieser Zeitung sehr stark mit den Verfassungsschutzdaten korrelieren (so ergibt sich für die monatliche Entwicklung der Zahl rechtsextremer Gewalttaten eine Korrelation von.91, vergleiche auch die Schaubilder 1 und 2). Für eine generelle Diskussion der Nutzung von Mediendaten als Quelle für die Analyse von Protest und sozialen Bewegungen, siehe Rucht/Koopmans/ Neidhardt 1998.Google Scholar
  6. 6.
    Quelle: Politbarometer, Zentralarchiv für empirische Sozialforschung an der Universität Köln.Google Scholar
  7. 7.
    Die Quelle ist der bei der Diskussion von Schaubild 2 und in Fußnote 5 diskutierte Datensatz. Die Asylbewerberzahlen beruhen auf Angaben des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge.Google Scholar
  8. 8.
    Auf Grund vorhergehender Analysen von Kreuzkorrelationen wurden die Asylbewerberzahlen außerdem differenziert, d.h. es wurden die Effekte der Zunahme bzw. Abnahme der Zahlen anstatt des absoluten Niveaus analysiert.Google Scholar
  9. 9.
    Beide Variablen wurden dabei zuerst standardisiert, um zu bewirken, daß sie beide in gleichem Maße zum Produkt beitragen.Google Scholar
  10. 10.
    Ansätze für eine solche Erklärung lassen sich in Theorien zu Protestzyklen finden, siehe Tarrow 1989, 1994 und Koopmans 1993.Google Scholar
  11. 1.
    Es handelt sich um die Research Committees ‘Social Classes and Social Movements’ und ‘Social Movements, Collective Action and Social Change’.Google Scholar
  12. 2.
    In der ausgeweiteten Fassung des Modells, die von Opp vorgestellt wird, tauchen Deprivationserfahrungen in der Form von `Zufriedenheit mit der Umweltqualität’ wieder auf. Hiermit wird allerdings eine der zenralen Thesen des Paradigmas - nämlich, daß Unzufriedenheit zu allgegenwärtig ist, um eine Erklärung für das relativ seltene Auftreten von Protestbewegungen bieten zu können - fallen gelassen. Daß dies im Rahmen des Ressourcenmobilisierungsmodells zu internen Widersprüche führen muß, zeigt sich, wenn Opp zu erklären versucht, warum die Anhängerschaft von Umweltorganisationen trotz der gestiegenen Umweltzufriedenheit zugenommen hat. Während die gestiegene Umweltzufriedenheit als eine der Gründe für den Rückgang der Umweltproteste genannt wird, gelten sie in bezug auf Umweltorganisationen plötzlich als `keineswegs gelöst’ und deshalb immer noch mobilisierungsfähig.Google Scholar
  13. 3.
    Allerdings haben Teile der neuesten Welle des Rechtsextremismus in dieser Hinsicht Organisations-und Mobilisierungsstrategien der NSB übernommen. So lehnen sich die losen, dezentralen Organisationsformen der Skinheadszene stark an die in den 70er und 80er Jahren von linksradikalen Gruppen entwickelten Mobilisierungsstrukturen an. Auch die Strategie zur Erlangung kultureller Hegemonie, die von der Neuen Rechten verfolgt wird, beruft sich explizit auf linke Vorbilder.Google Scholar
  14. 4.
    Allerdings muß hierzu angemerkt werden, daß diese negative Bewertung des Identitätsan satz in bezug auf die NSB anders ausfallen könnte, wenn man ihn auf einzelne NSB wie die Friedensbewegung oder die Okologiebewegung anwenden würde. Roths Analyse zeigt vor allem, daß die - vor allem von Sozialwissenschaftlern hervorgebrachte - Idee einer gemeinsamen kollektiven Identität der Gesamtheit der NSB problematisch ist.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Bert Klandermans

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