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Perspektiven der Unternehmen: Nutzungsmuster und Erwartungen

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Part of the Schriften des Otto-Stammer-Zentrums im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin book series (SOSZ, volume 88)

Zusammenfassung

Die Problemlagen und Interessen der Mitgliedsunternehmen, genauer: der hieraus resultierende Bedarf an Unterstützungsleistungen sowie Gestaltungs- und Einflussaktivitäten, stellen sowohl eine wesentliche Bezugsgröße der Ausdifferenzierung obiger Leistungsspektren durch die IHKn als auch der Bewertung ihrer Angemessenheit dar. Wie in Kapitel 1.5. dargelegt, bildeten daher die Interessen und Problemlagen ausgewählter Unternehmen sowie ihr Nutzungsverhalten und ihre Erwartungen in Bezug auf die von der Kammer erbrachten bzw. zu erbringenden Leistungen einen wichtigen Teilkomplex unserer Untersuchung. Zwar sind ihre Resultate in die bisherige Darstellung bereits punktuell eingeflossen, darüber hinaus wird in diesem Kapitel jedoch eine komprimierte, übergreifende Analyse der Sichtweisen der untersuchten Mitgliedsunternehmen vorgenommen. Zusammenfassend resp. als generelle Tendenz ist festzuhalten, dass vor allem in der „Gründungsphase“, aber auch noch in der „Konsolidierungsphase“ (vgl. Kapitel 2.2.) unter dem hohen Problem- und Zeitdruck, der aus den Bedingungen einer weitgehend zusammengebrochenen Wirtschaftsstruktur — mit zerstörten Produktionsketten und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Unternehmen und verlorenen Absatzmärkten — sowie einer zunächst lediglich rudimentär vorhandenen und vielfach vom Westen gelenkten Interessen-Verbändestruktur und einer sich in der Neustrukturierung befindlichen Verwaltung resultierte, sich außerordentlich hohe Erwartungen sowohl an die Unterstützungsfunktion der IHKn für Einzelunternehmen als auch an ihre Interessenvertretungsmöglichkeiten entwickelten und großteils weiterhin existieren. In dieser Handlungssituation mit hoher Ungewissheit und außerordentlich ungünstigen Handlungsbedingungen erhofften sich viele Unternehmen von der Industrie- und Handelskammer einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung ihrer Problemlage wie der Wirtschaftsstruktur des Kammerbezirks. Zugleich waren und sind auf Seiten der Mitgliedsunternehmen gleichermaßen die Kenntnisse über das Leistungsspektrum der IHKn, das Nutzungsverhalten und die Bewertung der realen Kammeraktivitäten sowie der artikulierte Bedarf bzw. die Erwartungen gegenüber den Kammern augenscheinlich noch immer äußerst disparat.

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Literatur

  1. 346.
    Das Untersuchungskonzept brachte es mit sich, dass als Gesprächspartner nur Unternehmen aus dem aktuellen Kreis der Mitglieder der IHK ausgewählt werden konnten, die sich damit zwangsläufig noch “am Markt” befanden, während die vielen An-und Abmeldungen bei der IHK große Bewegung signalisieren. Allerdings war die wirtschaftliche Lage der Unternehmen sehr different, nicht bei allen schien der weitere Bestand gesichert.Google Scholar
  2. 347.
    In die Auswahl wurden nur (im Kern) erhaltene große ostdeutsche Unternehmen einbezogen, die zwar westdeutsche o.8. Eigner hatten, aber ein vorwiegend ostdeutsches Management; die durch Großinvestitionen quasi neu entstandenen Großunternehmen blieben außen vor.Google Scholar
  3. 348.
    Allerdings hatten die Manager (und Mitarbeiter) zumindest in der Startphase einen durchaus vergleichbaren Unterstützungsbedarf bezüglich “marktwirtschaftlicher” Themen wie die anderen Unternehmer. Letztere hatten dagegen zusätzlichen Informationsbedarf bei betriebsorganisatorischen und Leitungsfragen.Google Scholar
  4. 349.
    Als Urteilsbasis dienen hier sowohl Informationen aus kleinen Unternehmen, die als Zulieferer o.a. mit dem großen Unternehmen verbunden sind, als auch Informationen aus den IHK-Ausschusssitzungen.Google Scholar
  5. 350.
    Also keine vom Unternehmen übernommenen Produkte.Google Scholar
  6. 351.
    Dieser Standort liegt - ebenso wie der des ersten Unternehmens - auf dem früheren Kombinatsgelände.Google Scholar
  7. 352.
    Zwar scheint von daher generell eine differenziertere Informationspolitik durch die Industrie-und Handelskammern vonnöten, die die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Unternehmensgruppierungen berücksichtigt und die über die monatliche Kammerzeitschrift hinausgeht. Ein “Königsweg” zur zielgenaueren Informierung ist allerdings nicht erkennbar. Ansätze gibt es in einigen Kammern im Außenwirtschaftsbereich. Voraussetzung einer gezielteren Ansprache wäre allerdings eine genaue Kenntnis des Unternehmensspektrums.Google Scholar
  8. 353.
    Neben dem Produkt ist in den neuen Bundesländern die Verfahrens-Innovation ein wichtiger Aspekt.Google Scholar
  9. 354.
    Dies sowie die ungenügende Informierung über Leistungen, die die IHK gerade im Bereich der Interessenvertretung erbringt, führt letztendlich zu der besonders von kleinen Unternehmen vehement vorgetragenen Klage, lediglich Beiträge zahlen zu müssen, ohne eine entsprechende Gegenleistung zu erhalten.Google Scholar
  10. 355.
    Einerseits sind die Reprivatisierer “gestandene” Unternehmer, andererseits fallen ihre Unternehmen eher in den Bereich herkömmlicher mittelständischer Unternehmen, da sie nach der Enteignung häufig nur oberflächlich in das Kombinat oder den VEB eingebunden wurden, bei weitgehender Beibehaltung der betrieblichen Produktionsstrukturen. Damit entsprechen sie weder den privatisierten Kernunternehmen noch haben sie die typischen Strukturierungsprobleme abgespaltener Kombinats-teile.Google Scholar
  11. 357.
    Diese Bedenken resultieren nicht lediglich aus einem Beharren auf endlich errungener Unabhängigkeit, sondern auch aus dem Fehlen eines durch langjährige Beziehungsnetzwerke unterfütterten Vertrauens. Überdies bedeutet unter der Bedingung einer dünnen Kapitaldecke jeder Fehlgriff bei einer Kooperation das Verschwinden vom Markt.Google Scholar
  12. 358.
    Unter den befragten Unternehmen befinden sich sowohl Neugründungen als auch “Alt”-Unternehmen, unterschiedliche Branchen und Standorte sowie in Netzwerke eingebundene Unternehmen, aber auch “Einzelkämpfer”. Aufgrund des Untersuchungsansatzes, die Leistungen der IHKn für die Neustrukturierung der ostdeutschen Wirtschaft zu untersuchen, wurden von Westkonzernen geführte Filialisten nicht einbezogen.Google Scholar
  13. 359.
    Beispielsweise erleichtert eine vorhandene Immobilie den Zugang zu Krediten, während die Existenzgründer durchweg - wie auch bei den Neugründungen im Industriebereich - das äußerst restriktive Verhalten der Banken bei der Kreditvergabe beklagen.Google Scholar
  14. 360.
    Ein Alt-Unternehmer nahm stattdessen Beratungsleistungen seines Wirtschaftsprüfers und Unternehmensberaters in Anspruch.Google Scholar
  15. 361.
    Die schon in der Wiedereinrichtungsgeschichte angesprochenen, die DDR überdauernden Bindungen gibt es selbst in diesem Bereich. So wurden z.T historische Bande zu einem Einkaufsverband (z. B. der Großvater war Mitglied) reaktiviert.Google Scholar
  16. 362.
    Neben dieser Unterstützung durch Beratung ist jedoch der günstigere Einkauf ein wichtiger Grund für den Beitritt, denn “ohne Einkaufsverband kann sich ein Einzelhändler heutzutage nicht mehr halten”.Google Scholar
  17. 363.
    Dies bestätigt auch ein sowohl im IHK-Ehrenamt als auch in den verschiedenen Unternehmervereinen engagierter Einzelhändler aus einer Kleinstadt, weit entfernt vom Sitz der IHK. Er hat von Aktivitäten der IHK zum Flächennutzungsplan nichts wahrgenommen, betont dagegen, dass “sein” Gewerbeverein gehört worden sei.Google Scholar
  18. 364.
    Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl anderer lokaler Netzwerke wie Rotary-Club, Lions-Club, aber auch verschiedene Freizeitvereine wie den Segelverein (ein Mitglied im Handelsausschuss: “mein Ohr an der Basis”), die bei der Interessenformierung immer wieder genannt werden, deren Stellenwert aber nicht weiter untersucht werden konnte.Google Scholar
  19. 365.
    Ebensowenig erhalten die Handels-oder Touristikunternehmen von den Pflicht-und Hoheitsaufgaben der 1HKn Kenntnis, mit Ausnahme von Wettbewerbsverstößen dann, wenn sie betroffen sind.Google Scholar
  20. 366.
    Hier wird ein grundsätzliches Dilemma der Kammern deutlich, dass nämlich einerseits die Klientel einen Teil ihrer Leistungen nicht wahrnehmen kann, andererseits nicht alle Informationen Ober Aktivitäten öffentlich gemacht werden können: Informelle Einflusskanäle und bargaining verlangen nach dem Arkanum.Google Scholar
  21. 367.
    Ein Unternehmern formuliert zugespitzt für seine Kammerregion: “Die Presse nimmt die Arbeit der IHK nicht wahr.”Google Scholar
  22. 368.
    Dies bestätigt sich auch im Bereich Gastgewerbe, wo das Ehrenamt z.T. den “Mittelsmann” spielt, um die “kleinen” Unternehmer an die zuständige Stelle der IHK “weiterzureichen”.Google Scholar
  23. 370.
    Ein befragter Unternehmer bezeichnet demgemäß die Mitarbeit in Kammergremien als wichtiger als die Verbandsarbeit, da in der Kammer der Output größer sei und “mehr vermittelt wird”.Google Scholar
  24. 371.
    In dieser Region ist generell eine stärkere Kooperation im Tourismusbereich mit großer Unterstützung der IHK feststellbar. So ist ein “Tourismusstammtisch” (mit IHK-Beteiligung) vorhanden, der vom Fremdenverkehrsverein initiiert wurde. Den Aufbau des Fremdenverkehrsvereins wiederum hatte die IHK tatkräftig gefördert.Google Scholar
  25. 372.
    Neben diesen speziell auf die Vermarktung ausgerichteten Unternehmergruppen haben die lokalen Selbstorganisationen wie Gewerbevereine oder Fremdenverkehrsvereine eine analoge Funktion der Einbindung in lokale Beziehungsnetze und der Abstimmung von Handlungsstrategien wie bei Handelsunternehmen und werden daher nicht gesondert dargestellt.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

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