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Die Wiedereinrichtung der Industrie- und Handelskammern als “Initialzündung” mit langfristiger Wirkung

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Part of the Schriften des Otto-Stammer-Zentrums im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin book series (SOSZ, volume 88)

Zusammenfassung

Die Neugründung bzw. Wiedereinrichtung der Industrie- und Handelskammern in Ostdeutschland ist gekennzeichnet durch zwei herausragende Momente: zum einen den insgesamt frühen Start dieses lnstitutionentyps, zum anderen eine große Varianz der Gründungsverläufe. Als überaus anpassungsfähig erwies sich hierbei das in die neuen Bundesländer transferierte bundesdeutsche Grundmodell der Industrie- und Handelskammern als Interessenvertretung der Wirtschaft — trotz durchaus vorhandener Übertragungsprobleme, da auch die westdeutschen Kammern für einen derartig grundlegenden Strukturwandel nicht konzipiert waren. Dennoch konnten die neu gegründeten IHKn bereits frühzeitig zentrale Funktionen als intermediäre Regulierungsinstitutionen ihrer Wirtschaftsregionen übernehmen und mit ihren Aktivitäten erheblich zur Neuorientierung der Wirtschaftsakteure und zur Neustrukturierung der Wirtschaft beitragen, wie schon der kurze Abriss der Entwicklung in Kapitel 2.2. deutlich gemacht hat.

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Literatur

  1. 79.
    Die Idee demokratisch legitimierter Industrie-und Handelskammern mit gesetzlicher Mitgliedschaft setzte sich unmittelbar durch“. Hans-Jürgen Schmidt-Trenz, Systemwandel und vertrauensbildende Maßnahmen, in: Erik Boettcher et al. (Hg.), Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie, Band I I, Tübingen 1992, S. 159.Google Scholar
  2. 80.
    Auf diesen Aspekt hat Weber nachdrücklich hingewiesen: auf die Bedeutung individuell auszufüllender Handlungsspielräume innerhalb strukturierter Kontexte.“ M. Rainer Lepsius, Max Weber und das Programm einer Institutionenpoliktik, in: Berliner Journal für Soziologie, Heft 3, Berlin 1995, S. 331.Google Scholar
  3. 81.
    Bei den Arbeitgeberverbänden schließlich begegnen wir offenbar erheblichen organisatorischen Schwächen und ausgeprägten Erosionstendenzen.“ Gerhard Lehmbruch, Die Rolle der Spitzenverbände im Transformationsprozess, Berliner Debatte, Berlin 1995, S.103.Google Scholar
  4. 82.
    Siehe Hans-Dieter Manegold, Industrie und Handelskammern. Eine Institution mit langer Tradition im Prozess der Wiedervereinigung, in: Schmid/L0bler/Tiemann, Organisationsstrukturen (Anm. 1), S. 101 ff.Google Scholar
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    Gerhard Lehmbruch, Sektorale Variationen in der Transformationsdynamik der politischen Ökonomie Ostdeutschlands, in: Wolfgang Seibel/Artur Benz (Hg.), Regierungssystem und Verwaltungspolitik, Opladen 1995, S. 181.Google Scholar
  6. 85.
    Näheres siehe Ingeborg Haag, Intermediäre regulative Institutionen als “Motor” der wirtschaftlichen Rekonstruktion am Beispiel der Industrie-und Handelskammern in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, Berliner Arbeitshefte und Berichte zur sozialwissenschaftlichen Forschung, Nr. 65, Berlin 1991.Google Scholar
  7. 86.
    Nach übereinstimmender abschätziger Einschatzung der befragten Unternehmer bestand die Hauptaufgabe der Handels-und Gewerbekammern darin, den“Soli”-Beitrag einzusammeln.Google Scholar
  8. 87.
    Die in Kapitel 2.2. angeschnittene Frage, ob beim organisatorischen Aufbau der Industrie-und Handelskammern eher die bürokratische Kompetenzabgrenzung im Vordergrund stand oder zunächst die fachliche Entwicklung mit einer flexiblen Festlegung von Aufgabenfeldem, ist für Neubrandenburg insofern etwas schwierig zu beantworten, als durch den bruchhaften Neubeginn die ersten organisatorischen Strukturen von außen vorgegeben werden mussten. Doch in der Folge ist hier eher ein Primat des Inhaltlichen festzustellen, das sich auch längerfristig in einer pragmatischen Zusammenarbeit über die einzelnen Abteilungen hinweg ausdrückt.Google Scholar
  9. 88.
    Dies war nicht gleichbedeutend mit einer Einstellungssperre für einzelne qualifizierte Mitarbeiter aus diesen Bereichen.Google Scholar
  10. 89.
    Auch die Hauptgeschäftsführerin, die vordem in der Bezirksverwaltung tätig war, wurde auf diese Weise ausgewählt.Google Scholar
  11. 90.
    Die Einbeziehung der Industrie erlief allerdings auch in Neubrandenburg nicht ohne Konflikte, siehe Kapitel 3.3.3.Google Scholar
  12. 91.
    Nunmehr folgte - wie in allen untersuchten IHK-Bezirken - eine verkurzte Legislaturperiode der Vollversammlung, um den rasanten Änderungen in der Wirtschaftsstruktur und in den Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.Google Scholar
  13. 92.
    Was mit dem Kammergesetz schwerlich in Einklang zu bringen gewesen ware.Google Scholar
  14. 94.
    Bei der Requirierung ihres alten Kammergebäudes zeigte sich die Unternehmerschaft ebenfalls frühzeitig entschlossen. Dort hatte die SED-Kreisleitung ihren Sitz. Das Gebäude wurde von den (Fuhr-) Unternehmern “freigekämpft”. Die Kreisleitung zog zunächst in den Keller und nach kurzer Zeit ganz aus.Google Scholar
  15. 95.
    Die Industrie-und Handelskammer Halle (später Halle-Dessau) wurde, wie viele andere auch, im Vorgriff und ohne gültige Rechtsgrundlage gegründet, die Modrow-Verordnung trat erst am 1.3.1990 in Kraft.Google Scholar
  16. 96.
    Zudem gab es noch einen katholischen Arbeitskreis Wirtschaft, welcher ebenfalls die Gründung einer Kammer diskutierte.Google Scholar
  17. 97.
    Im Hintergrund aller Personaleinstellungen oder Übernahmen stand immer die Befürchtung, “Stasi-Informanten” zu rekrutieren. In etlichen 1HKn musste ein Teil des Personals im weiteren Verlauf aufgrund der Erkenntnisse der Gauck-Behörde ausgetauscht werden.Google Scholar
  18. 98.
    Ein Beobachter aus einer westdeutschen IHK charakterisiert die organisatorische Verfestigung - mit ausgeprägter Kompetenzabgrenzung und Hierarchisierung - als wesentlich ausgeprägter als in etlichen IHKn der alten BundesrepublikGoogle Scholar
  19. 99.
    Dies wird auch deutlich an “konspirativen” Treffen außerhalb des IHK-Gebäudes zwischen “oppositionellem” Hauptamt und Mitgliedern verschiedener Ausschüsse, die mit der Entwicklung der IHK unzufrieden waren, sowie zwischen Hauptamt und Paten-IHK.Google Scholar
  20. 100.
    Industrie-und Handelskammer, Frankfurt/O, Jahresbericht 1992, S. 55.Google Scholar
  21. 103.
    D.h. nach ihrer formellen Wiedergründung Anfang 1990.Google Scholar
  22. 108.
    Dies gilt nicht nur für die ostdeutschen IHKn. So benennt der Vertreter einer großen westdeutschen Kammer als die wichtigsten Kooperationspartner die Stadtverwaltung und die Stadtsparkasse.Google Scholar
  23. 109.
    Als “segensreich” bezeichneten westdeutsche Berater die Konstellation, wenn IHK-Paten und Kommunal-Paten aus derselben Region stammten.Google Scholar
  24. 110.
    Industrie-und Handelskammer zu Leipzig, Jahresbericht 91/92, S. 73.Google Scholar
  25. 11l.
    Rolf G. Heinze/Josef Schmid, Mesokorporatistische Strategien im Vergleich: Industrieller Strukturwandel und die Kontingenz politischer Steuerung in drei Bundesländern, in: Streeck ( Hg. ), Staat und Verbände (Anm. 1 ).Google Scholar
  26. 112.
    Wolfgang Krumbein, Situativer Korporatismus, in: Volker Eichener et al., Probleme der Einheit. Organisierte Interessen in Ostdeutschland, 1. Halbband, Marburg 1992, S. 214.Google Scholar

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