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Auf der Suche nach dem Politischen in der Sozialen Arbeit

Ein Vorschlag für eine differenzierende Debatte
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Zusammenfassung

In seiner 1964 erschienenen Einführung in die Sozialpädagogik kommt Klaus Mollenhauer zu der Einschätzung, dass „die Gesellschaft im Sozialpädagogen einen ihrer heftigsten Kritiker“ (Mollenhauer 1964, 21) produziert. Denn für die Soziale Arbeit sei in besonderer Weise sichtbar, welche „Schäden sie [die Gesellschaft] dem Menschen zufügt“, und — so Mollenhauer weiter — „durch immer wieder neu auftretende Schäden gibt sie der Kritik immer wieder neue Nahrung“. Dass Berufstätige in der Sozialen Arbeit quasi zwangsläufig zu Gesellschaftskritikern werden und solche Kritik im politischen Diskurs artikulieren, das ist heute, mehr als 30 Jahre nach Mollenhauers Veröffentlichung, keineswegs mehr offenkundig. Denn die Soziale Arbeit hat die Position des gesellschaftlichen Außenseiters verlassen, sie sucht und findet Anerkennung als Dienstleistungsberuf in der modernen Gesellschaft. Insofern hat sie wenig Anlass, sich ein Mandat grundsätzlicher Gesellschafts- und Politikkritik zuzuschreiben. Einige Aspekte der Veränderung des gesellschaftlichen Standorts der Sozialen Arbeit und dessen Folgen für ihr Selbstverständnis sollen im Folgenden in der Absicht beschrieben werden, einen Beitrag zur Versachlichung und Differenzierung der Debatte um das politische Mandat zu leisten, die seit der absichtsvoll provokativen Behauptung Roland Mertens (2000, 17), „die Soziale Arbeit hat kein politisches Mandat, aber einen professionellen Auftrag“, in Gang gekommen ist.

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