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Ein politisches Mandat schreibt man sich zu

Zur Politik (mit) der Sozialen Arbeit
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Zusammenfassung

Die Form, in der gegenwärtig über Sinn und Zweck eines „politischen Mandates“ diskutiert wird, nenne ich einen „Disput“. Man könnte es aus der Kirchengeschichte wissen, spätestens aber nach der Lektüre des Romans „Im Namen der Rose“ von Umberto Eco, dass diese Art Wortwechsel nicht nur geführt wird, um eine strittige Sache zu klären. „Dispute“ sind Ereignisse, die auch (meist vor allem) für andere Zwecke veranstaltet werden und um der Zwecke jenseits der Sache vor und für ein Publikum inszeniert werden. Der „Widerstreit“ der Argumente und Theorien behält einen Sinn in der Sache der Aufklärung und Reflexion nur, wenn wir vor Eintritt in einen solchen Widerstreit klären, welchen Sinn das Ereignis „für“ etwas anderes macht. Vor dem Einstieg in einen Disput ist gründliches Nachdenken vor allem der Form wegen angebracht. Der Widerstreit der Argumente und Theorien soll ein Publikum überzeugen, Disputanten versuchen eine (Fach-) Öffentlichkeit zu mobilisieren und sie für ihre Position zu gewinnen. Was als „Widerstreit“ beginnen mag, kann sich leicht in eine Situation der Konkurrenz transformieren. Und, analog den Marktmechanismen, erscheint die Theorie, die sich durchsetzt, weil sie „für“ etwas Sinn macht (also eine Funktion hat) als die „richtige“. Selbst bei einem „idealen“ Widerstreit um die Sache ist es auf der Handlungsebene nicht zweckmäßig, die eigenen Argumente zu relativieren, sie als eine mögliche Perspektive auszugeben und den Interessenbezug der Argumente offen zu legen. D.h. aber nichts anderes als dass „Reflexivität“ nur bedingt möglich ist. Wird eine Konkurrenzsituation erzeugt, damit es Gewinner und Verlierer gibt, gelten verschärfte Regeln der instrumentellen Vernunft; wer Recht behalten und als Sieger übrig bleiben will, wird seine Durchsetzungschancen nicht selbst reduzieren, indem er (sie) ihre (seine) Position und Perspektive kennzeichnet.

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