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Mitarbeiterführung

  • Franz Köhne

Zusammenfassung

Als in den 80er Jahren ein völlig neues Szenarium unternehmerischen Handelns entstand, schien das Gebiet „Mitarbeiterführung“ besonders gut vorbereitet zu sein. Seit drei bis vier Jahrzehnten hat es darüber eine rege Diskussion mit vielen neuen gedanklichen Ansätzen gegeben. Seit den 20er und 30er Jahren war die neue Situation, die Überwindung des Taylorismus, vorausgesagt und gefordert worden; nun war sie da:
  • Eine Serie von Technologieschüben leitete den Siegeszug der Informationstechnologie in allen industriellen Bereichen ein, sogar das bisher stets verschonte Büro revolutionierend. Seit der ersten industriellen Revolution um 1800 hatte es eine solche Transformation nicht mehr gegeben. Die Technik befreit den Menschen zusehends von der Handarbeit, macht ihn zum wirklich dominierenden „Kopf“ der industriellen Prozesse. Die Genauigkeit der Automaten ermöglicht ein neues Zeitalter der Qualität.

  • Die Märkte, die sich in der Nachkriegsperiode in einer kaum je unterbrochenen Aufstiegsbewegung befunden hatten, zeigten auf einmal unerwartete Turbulenzen und machten die bisherigen Planungs- und Prognosetechniken obsolet. Dieser Prozeß ist in den 80ern allerdings erst an seinem Anfang. Jedenfalls verlagert er den Schwerpunkt der Problematik von der Produktion, die bisher dem Marktwachstum kaum noch folgen konnte, zum Vertrieb, dessen Dasein als „Entsorgung der Produktion“ zu Ende ging, und der jetzt aufgerufen war, „Märkte zu machen“.

  • Im gleichen Zug wurden die inneren Strukturen der Unternehmen komplexer und wandlungsanfälliger. Den Turbulenzen des Marktes konnte man nicht mehr mit starren hierarchischen Strukturen begegnen. Die Informationstechnologie führte ebenfalls zu komplexeren technischen Vorgängen. Durch Teamwork, Projektmanagement wurde aus Phrasen auf einmal Realität. Dadurch, daß am Ende der menschlichen Kette nicht mehr Befehlsempfänger standen, die — wie im Taylorismus — lediglich maschinenhaft vorgegebene Abläufe nachvollzogen, verallgemeinerte sich eine Situation, die schon vorher überall dort bekannt war, wo am unteren Ende der Kette ein eigener Sachverstand zu Hause war: Die „Unteren“ sind so mehr auf die „Oberen“ angewiesen als umgekehrt. Die Führungskräfte müssen sich mit dem Sachverstand arrangieren. Der alte autoritäre Stil verliert seine Gültigkeit.

  • Diese Änderungen werden flankiert von den Wandlungen, die sich im Verhalten und den Werten der Gesellschaft ergeben (vgl. Engelhardt, in: Pullig/Schäkel 1987). Zu allen Zeiten haben große Denker der Freizeit einen hervorragenden Wert beigemessen. Die wachsende Freizeit des modernen Menschen nimmt „postindustrielle“ Strukturen voraus und führt auf vielen Gebieten zu höheren Ansprüchen. Der Mensch will sein Leben mehr gestalten; das „Zeitalter der Qualität“ wird so zu einem Zeitalter der Lebensqualität. Dazu gehört auch, daß sich die Einstellung zur Arbeit wandelt. Wir wissen heute zwar, daß die Unkenrufe der frühen 80er über nachlassende Arbeitsmoral unbegründet gewesen sind. Gerade junge Menschen sind heute sehr wohl bereit, gute Arbeit zu leisten. Dafür erwarten sie aber Bedingungen, die die Unternehmen in Zugzwang bringen. Außerdem wäre es unrealistisch, anzunehmen, daß die allgemeine Verringerung der Arbeitszeit nicht auch früher oder später quantitative Einbußen bei der Leistungsbereitschaft nach sich zöge.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Franz Köhne

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