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Soziale Integration durch politische Kampagnen? Gesellschaftssteuerung durch Inszenierung

  • Sigrid Baringhorst
Part of the Governance book series (GOV, volume 2)

Zusammenfassung

Politische Herrschaft ist in liberalen Demokratien Herrschaft auf Zeit. Die politischen Repräsentanten sind im konkurrenzdemokratischen Wettbewerb um Abgeordnetensitze und Regierungspositionen gezwungen, die Stimmen der Wähler in regelmäßigen Abständen zu mobilisieren und für sich zu gewinnen. Politische Legitimation durch Wahlen setzt unabdingbar politische Vermittlungs- und Kommunikationsleistungen voraus (vgl. Sarcinelli 1998), denn die politischen Akteure sind darauf angewiesen, sich und ihre politischen Ziele und Handlungen öffentlich zu präsentieren, die Wähler über anstehende politische Planungen und Entwicklungen zu informieren und für die eigenen Handlungsprogramme Unterstützung zu generieren. Gesellschaftliche Modernisierungsprozesse haben zur fortschreitenden Auflösung traditioneller Wählermilieus und zur Zunahme von Wechselwählern geführt und damit den Bedarf an kommunikativer Überzeugungsarbeit gesteigert. Systemische Veränderungen, wie die zunehmende Komplexität gesellschaftlicher Problemlagen und die aus vielfältigen Gründen abnehmende Steuerungsfähigkeit des politischen Systems, werden von politischen Akteuren mit einer Flucht in die symbolische Politik und damit einer Aufwertung der Darstellungsebene des Politischen gegenüber der Entscheidungsebene kompensiert.

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  • Sigrid Baringhorst

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