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Kultur und Institution als intervenierende Faktoren in umweltpolitischen Governance-Regimen

  • Claudia Jauß
  • Carsten Stark
Part of the Governance book series (GOV, volume 2)

Zusammenfassung

Wenn man Politik vor allen Dingen als Interessenkampf verschiedener Machtkonstellationen versteht, in dem einzelne oder korporierte Akteure einem reinen Nutzenkalkül unterworfen sind, dann erscheint die Frage nach politischer Kultur oder gar nach Kultur als „intervenierender Variable“ obsolet. Die Orientierung an Werten scheint im politischen Feld dem Nutzenkalkül unterworfen zu sein. Dennoch kam in den letzten Jahren nicht nur von Seiten einer an Deutungsmustern interessierten Soziologie, sondern auch von Seiten der politikwissenschaftlichen Forschung immer stärker der Gedanke auf, kulturelle Faktoren in die Politikfeldforschung zu integrieren (vgl. Héritier 1995; Jasanoff 1987). Der wichtigste Beitrag hin zu dieser Veränderung ist dabei methodischen Erwägungen zu verdanken: Die Komparatistik versucht, durch Vergleich zu verstehen. Sollten unterschiedliche Gesellschaften bei sehr ähnlichen Problem- und Interessenlagen zu unterschiedlichen Politikoutputs gelangen, kann die Erklärung sich logischerweise nicht mehr in der Wahrnehmung von Interessenkämpfen ergehen. Zum einen wird es wichtig, in welchem gesellschaftlichen Rahmen (frame) derartige Interessenkämpfe stattfinden,1 zum anderen gewinnt aber zugleich die gesellschaftliche Definition dessen, worum es eigentlich konkret geht, an Bedeutung. Die Umweltpolitik bot sich hier sehr frühzeitig als Untersuchungsfeld an, weil alle Industrienationen in den 1970er Jahren sehr ähnliche Probleme hatten und auch die Interessenlagen nicht besonders variierten. Ist Kultur ein wichtiger Faktor um zu erklären, warum Umweltpolitik in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich gemacht wird? Diese Frage muss aus heutiger Sicht unbedingt bejaht werden.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Claudia Jauß
  • Carsten Stark

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