Advertisement

Entkoppelung von biologischer und sozialer Elternschaft

  • Rüdiger Peuckert
Part of the Uni-Taschenbucher book series (2809, volume 1607)

Zusammenfassung

Immer häufiger fallen biologische und soziale Elternschaft auseinander, d.h. die Blutsverwandtschaft zwischen Eltern und Kindern löst sich ab von der familialen Lebensgemeinschaft. Die Erosion der bio-sozialen Einheit der Familie äußert sich darin, daß etwa jedes vierte minderjährige Kind mit den sozialen Eltern nur noch zur Hälfte oder gar nicht mehr leiblich verwandt ist (Gross/Honer 1990). Da Scheidung zu einem Massenphänomen geworden ist und gleichzeitig die Zahl der Wiederverheiratungen hoch ist, hat sich einmal die Anzahl von Stiefkindschaften erhöht. Daneben wachsen immer mehr Kinder nur noch bei einem biologischen Elternteil, also in einer Ein-Eltern-Familie auf. Quantitativ weniger bedeutsam sind zwei weitere Phänomene, die ebenfalls ein Zerbrechen der bio-sozialen Einheit der Familie anzeigen: die Adoptivfamilie (Elternschaft ohne jegliches Verwandtschaftsverhältnis) und die heterologe Inseminationsfamilie, bei der aufgrund der Entwicklung „neuer“ Reproduktionstechnologien die Einheit von Reproduktionstriade und erziehender Familie auseinanderfällt. Generell gilt: Immer mehr Kinder sind nicht mehr „eigene“ Kinder, immer mehr Kinder leben nicht mehr mit den „eigenen“ Eltern. Laut Gross und Honer (1990) wird man in Zukunft zu unterscheiden haben zwischen altmodischen Kernfamilienkindern, „normalen“ mobilen Mehrkernfamilienkindern (z.B. Stiefkindern) und künstlich gezeugten „geschichtslosen“ Kindern. Neben den institutionalisierten Formen, auf die sich die folgende Darstellung beschränkt, gibt es eine „verdeckte“ Form fragmentierter Elternschaft, die dann entsteht, wenn Kinder außerehelich gezeugt werden und als gemeinsame Kinder der Ehepartner aufwachsen (vgl. Schneider u.a. 1998). Nach Ergebnissen einer dänischen Untersuchung sind 13% bis 15% der vorgeblich ehelichen Kinder „nicht die genetischen Abkömmlinge des Ehemannes, und beide wissen nichts davon, oder das Paar hat sich darauf verständigt, seinem ‚gemeinsamen’ Kind nichts davon zu sagen“ (Bleichroth 1994, 9).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Rüdiger Peuckert

There are no affiliations available

Personalised recommendations