Advertisement

ETHOS: H wie „human“

  • Klaus Quibeldey-Cirkel
Chapter

Zusammenfassung

Psychologische und philosophische Erkenntnisse bilden den geisteswissenschaftlichen Hintergrund des Objekt-Paradigmas. Hier sei zum einen auf die von George Miller und Howard Gardner inspirierte Kognitionswissenschaft verwiesen: The Mind’s New Science [Gardner, 1985]. Die menschliche Wahrnehmung stützt sich auf die Klassifikation der Objekte in der realen Welt. Zum anderen schlägt Marvin Minsky in The Society of Mind [Minsky, 1986] ein objekt orientiert es Modell der menschlichen Intelligenz vor: Verstand ist Ausdruck einer „society of mindless agents“. Erst durch deren mechanisches Wechselspiel finden wir den Zugang zum Phänomen der Intelligenz. Weiterhin sei auf den Objekt begriff in der psychologischen Entwicklung eines Kindes hingewiesen. Jean Plaget beobachtet, daß ein Kind mit dem ersten Lebensjahr die Vorstellung von Objekt-Permanenz entwickelt und Objekte zunehmend hierarchisch klassifiziert: The Child’s Conception of the World [Piaget, 1964]. Schließlich führen Joseph D. Novak und D. Bob Govin die objektorientierte BegrifFsbildung in den Schulunterricht ein: Learning How to Learn [Novak & Gowin, 1984]. Mit Hilfe gerichteter Graphen (concept maps) lernen Schulkinder, sich auf die Lerninhalte und ihre Querbezüge zu konzentrieren und logisch vernetzt zu denken. Die gleichen Prinzipien von Kommunikation und Verstehen werden auch im objektorientierten Requirements-Engineering erfolgreich angewandt [March & Umphress, 1991].

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Referenzen

  1. 1.
    Wir berufen uns hier auf den Erkenntnisstand der 70er Jahre aus zwei Gründen: 1. Das ist die Zeit, in der die Parallelen zwischen Informatik und Kognitionspsychologie beginnen. Und 2. haben seit dieser Zeit die Grundlagen und Lehrmeinungen der Kognitionspsychologie eine Diversifikation erfahren; sie zu bündeln, fühlen wir uns nicht berufen.Google Scholar
  2. 2.
    Man assoziiere den Ausspruch Archimedes’ im Badezuber, als ihm beim überschwappen des Badewassers die Idee kam, über die Wasserverdrängung einer Goldkrone ihren Goldgehalt zu bestimmen: „Heureka!“ Google Scholar
  3. 3.
    Das Zwanghafte unserer kognitiven Analyseschemata wird schon in Bild 5.4 deutlich: Man versuche einmal, im Schema „Katze“ die „Geldbörse“ wiederzuerkennen!Google Scholar
  4. 4.
    Objektorientiertes Programmieren wird vielerorts als „programming the difference“ bezeichnet, was heißen soll: Vordefinierte allgemeine Klassen, entnommen aus kommerziellen Klassenbibliotheken, werden soweit „differenziert“, bis sie die spezielle Anwendung modellieren.Google Scholar
  5. 5.
    Im Anhang A.l werden die objektorientierten Metaphern herausgestellt und ihre Bedeutung und Funktion erläutert.Google Scholar
  6. 6.
    Konzeptionelle Dinge, also solche, die sich nach der Perzeption der realen Dinge bilden, das heißt im kognitiven Prozeß der Apperzeption*, sind in der weiteren Betrachtung ausgeschlossen.Google Scholar
  7. 7.
    Zwei Anmerkungen: 1. Die Ontologie nach Bunge versteht sich als formale Wissenschaft. Um die Darstellung nicht zu erschweren, verzichten wir auf die mengentheoretische Argumentation, die Bunge in seinen Postulaten, Definitionen, Theoremen und Lemmata betreibt. Wands Objektmodell werden wir allerdings mit der erforderlichen mathematischen Strenge beschreiben. 2. Natürlich findet man in erster Linie nur das, was man auch sucht. So auch Wand, der selbstredend nur jene ontologischen Konzepte aufgreift, die auch eine tragfahige Analogie zur Objektorientierung versprechen.Google Scholar
  8. 8.
    Gesetze sind zusichernd (assertive), nichtprozedural, daß heißt, sie sagen nichts über das Wie eines Zustandswechsels aus.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Klaus Quibeldey-Cirkel
    • 1
  1. 1.Universität-GH SiegenDeutschland

Personalised recommendations