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Politik und Wirtschaftswachstum im OECD-Ländervergleich

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Zusammenfassung

Nachdem in Kapitel II die politischen Determinanten des Wirtschaftswachstums im weltweiten Vergleich im Mittelpunkt des Interesses standen, fokussiert dieses Kapitel auf ein Subsample, nämlich auf die politisch-institutionellen Grundlagen wirtschaftlichen Wachstums in 21 demokratisch verfassten OECD-Ländern. Im Zentrum der Analyse steht somit der Vergleich einer relativ homogen Staatengruppe (most similar systems design). Diese Länder zeichnen sich durch weitgehend ähnliche politisch-institutionelle Basisstrukturen aus: Es handelt sich allesamt um demokratisch verfasste und rechtsstaatlich eingegrenzte Staaten mit kapitalistisch organisierten und somit dezentral koordinierten Volkswirtschaften. Zudem weisen diese Länder einen hohen Entwicklungsstand von property rights auf und wurden seit 1960 von keinen kriegerischen Ereignissen erschüttert.69 Die Absenz jener politischen Störvariablen, die im weltweiten Vergleich einen Beitrag für die Erklärung der Varianz des Wirtschaftswachstums liefern, nämlich unzureichend entwickelte property rights und schwere Formen politischer Gewalt, lässt erwarten, dass die Marktkräfte jenen ökonomischen Konvergenzprozess entfesselt haben, wie er von der traditionellen neoklassischen Wachstumstheorie postuliert wird. Sind nämlich die politisch-institutionellen Basisstrukturen von Ländern ähnlich, dann konvergieren die Ökonomien zu einem ähnlichen steady state. Die nationalen Wachstumsraten werden dann in erster Linie durch den steady state gap, also die Differenz zwischen dem ökonomischen Startniveau und dem Wachstumsgleichgewicht, determiniert. Je kapitalschwächer (d.h. ärmer) ein Land am Beginn der Untersuchungsperiode ist, desto höher sollte die Wachstumsrate sein und vice versa. Als Resultat müsste daher absolute Konvergenz (im Fachjargon auch als β-Konvergenz bezeichnet) zu beobachten sein. Wie Schaubild 13 zeigt, ist dies innerhalb der OECD-Welt (und im Gegensatz zum weltweiten Vergleich) tatsächlich der Fall. Länder wie Neuseeland oder die Schweiz, die bereits relativ früh zu hohem Wohlstand gelangt sind, verzeichneten ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als die ökonomischen Spätstarternationen in Südeuropa oder Japan. Das (logarithmierte) BIP pro Kopf im Jahr 1960 erklärt alleine 78 Prozent (!) der Varianz des Wirtschaftswachstums pro Kopf zwischen 1960 und 2000. Die “OECD-Welt” gilt daher heute in der ökonomischen Literatur als exklusiver Konvergenzklub (Dowrick/Nguen 1989; Barro/Sala-i-Martin 1995; Nahar/Inder 2002), sodass sich das neoklassische Wachstumsmodell für diese Ländergruppe als empirisch außerordentlich tragfähig erwist (Vanhoudt 1999; Karras 2001: 73; Naher/Inder 2002:2021).

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

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