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Alterität: Der Symbolische Interaktionismus als Krise des Vermittlungsgedankens

  • Alfred Schäfer

Zusammenfassung

Die sozialpsychologischen Vorlesungen Meads über ›Geist, Identität und Gesellschaft‹, 1934 von Charles W. Morris in systematisierter Form posthum herausgegeben und 1968 dem deutschen Publikum in einer Übersetzung vorlegt, bilden eines der zentralen und einflußreichsten Werke des sogenannten Symbolischen Interaktionismus. Dieser geht davon aus, daß Menschen auf der Grundlage von Interpretationen ihre Wahrnehmungen und Handlungen strukturieren. Die Welt ergibt sich den Individuen nur durch ihre Interpretation hindurch und stellt in ihrer ›Realität‹ insofern immer eine subjektive Leistung dar: Sie ist also nicht unabhängig von diesen Interpretationen — gleichsam als Original, auf das diese Interpretationen bezogen und in ihrem Wahrheitswert geprüft werden könnten — gegeben. Diese Grundannahme hat weitreichende Implikationen, die noch entfaltet werden. Jedoch reicht schon dieser kurze Hinweis aus, um den erweiterten Titel von Meads Werk, der ›Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus‹ lautet, in seiner Spannung zu einem Ansatz interpretatorischer Soziologie wahrzunehmen. Wenn man mit Mead den Behaviorismus als eine Methode versteht, »die Erfahrung des Individuums vom Standpunkt seines Verhaltens aus zu untersuchen«28, dann scheint die Bedeutung der subjektiven Interpretation sich auf ein bloßes Epiphänomen zu beschränken.

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Literatur

  1. 28.
    Mead 1968, S. 40.Google Scholar
  2. 29.
    Vgl. ebenda S. 44.Google Scholar
  3. 30.
  4. 31.
    Ebenda S. 49.Google Scholar
  5. 32.
    Vgl. ebenda S. 84f.Google Scholar
  6. 33.
    Ebenda S. 86.Google Scholar
  7. 34.
  8. 35.
    Ebenda S. 86f.Google Scholar
  9. 36.
    Vgl. ebenda S. 139.Google Scholar
  10. 37.
    Ebenda S. 87.Google Scholar
  11. 38.
    Vgl. ebenda S. 101f.Google Scholar
  12. 39.
    Ebenda S. 108.Google Scholar
  13. 40.
    Vgl. ebenda S. 140.Google Scholar
  14. 41.
    Vgl. ebenda S. 117. Daß dieser Unterschied zwischen dem ›objektiven‹ Sinn der Hand lung und seiner Repräsentation eine zentrale Voraussetzung des sozialisationstheoretischen Ansatzes Oevermanns bildet, kann an dieser Stelle nur erwähnt werden.Google Scholar
  15. 42.
    Vgl. ebenda S. 192f.Google Scholar
  16. 43.
    Ebenda S. 196.Google Scholar
  17. 44.
    Ebenda S. 198.Google Scholar
  18. 45.
    Ebenda S. 205.Google Scholar
  19. 46.
    Ebenda S. 206.Google Scholar
  20. 47.
    Ich verwende hier — abweichend von der deutschen Übersetzung, die in beiden Fällen von einem unterschiedlich geschriebenen Ich ausgeht — die englischen Ausdrücke ›I‹ und ›Me‹, weil sie die Differenz, gerade bezogen auf das ›Me‹, besser auszudrücken erlauben.Google Scholar
  21. 48.
    Vgl. ebenda S. 218f.Google Scholar
  22. 49.
    Ebenda S. 218.Google Scholar
  23. 50.
  24. 51.
    Ebenda S. 240.Google Scholar
  25. 52.
    Diese Perspektive entwickelt Mead im letzten Teil seines Buches. Auf sie soll hier nicht näher eingegangen werden.Google Scholar
  26. 53.
    Ebenda S. 223.Google Scholar
  27. 54.
    Vgl. ebenda S. 253.Google Scholar
  28. 55.
    Vgl. ebenda S. 254.Google Scholar
  29. 56.
    Ebenda S. 217.Google Scholar
  30. 57.
    Ebenda S. 384.Google Scholar
  31. 58.
    Versuche, das ›I‹ wissenschaftlich zu objektivieren, indem sie es — was auch bei Mead selbst anklingt -biologisieren, verkennen die Problematik der Alterität vollständig bzw. versuchen, ihr die Schärfe zu nehmen, indem durch die wissenschaftliche Verortung scheinbar noch das erklärt wird, was sich nicht erklären läßt. Dies wird auch bei Versuchen in der Sekundärliteratur deutlich, die eine Annäherung der Kategorie des ›I‹ etwa an das zweite topologische Modell Freuds versuchen und es dem Unbewußten, der Triebstruktur o.ä. zuordnen. Eine solche Zuordnung muß schon das Unbewußte zu einer Instanz verdinglichen, um den Alteritätsaspekt wegzubekommen; faßt man demgegenüber das Unbewußte, das immerhin im zweiten topologischen Modell Freuds alle drei Instanzen umgreift, aber als Bezeichnung für das, was sich entzieht, indem man es zu bestimmen versucht, dann wäre eine Ähnlichkeit gegeben — allerdings eine Ähnlichkeit im Hinblick auf jene Alterität, der man gerade ausweichen wollte.Google Scholar
  32. 59.
    Goffman 1969, S. 52.Google Scholar
  33. 60.
    Vgl. Goffman 1977, S. 602.Google Scholar
  34. 61.
    Goffman 1967, S. 170.Google Scholar
  35. 62.
    Goffman 1967, S. 10.Google Scholar
  36. 63.
    Vgl. Goffman 1969, S. 6.Google Scholar
  37. 64.
    Vgl. ebenda S. 13.Google Scholar
  38. 65.
    Goffman 1969, S. 16.Google Scholar
  39. 66.
    Ebenda S. 19.Google Scholar
  40. 67.
    Ebenda S. 25.Google Scholar
  41. 68.
    Vgl. Goffman 1973a. Auf das damit angesprochene Problem der Rollendistanz, das dann in der deutschen Rezeption eine bedeutende Rolle gespielt hat, werde ich weiter unten noch eingehen.Google Scholar
  42. 69.
    Goffman 1969, S. 35.Google Scholar
  43. 70.
    Goffman spricht in diesem, Zusammenhang von ›Hinterbühne‹ und ›Ensemble‹, was insofern bedeutsam ist, als damit angezeigt ist, daß es auch dort noch um ›Darstellung‹ — wenn auch unter anderen Bedingungen — geht und nicht etwa um die authentische Seinsweise des Einzelnen (vgl. ebenda S. 160ff).Google Scholar
  44. 71.
    Ebenda S. 69.Google Scholar
  45. 72.
    Goffman 1967, S. 24.Google Scholar
  46. 73.
    Vgl. Goffman 1973b, S. 24ff.Google Scholar
  47. 74.
    Die ›Definitionsmacht‹ ist unter der Bezeichnung ›labeling approach‹ im Anschluß an das Buch von Becker (1963) Gegenstand einer breiten sozialwissenschaftlichen Rezeption in Deutschland gewesen. Auf diese Diskussion kann nicht eingegangen werden, da es hier vorrangig um das auch ihr zugrundeliegende Phänomen der Auflösung eines Konzepts geht, das die Möglichkeit einer ›objektiven‹ Prüfung von Zuschreibungen an ›der‹ Wirklichkeit betont.Google Scholar
  48. 75.
    Scott/Lyman 1967, S. 424.Google Scholar
  49. 76.
    Vgl. Goffman 1967, S. 133.Google Scholar
  50. 77.
    Ebenda S. 74.Google Scholar
  51. 78.
    Ebenda S. 83.Google Scholar
  52. 79.
    Vgl. ebenda S. 152.Google Scholar
  53. 80.
    Dies ist ein Punkt, in dem der Rezeption Krappmanns zuzustimmen ist (vgl. Krappmann 1969, S. 77). Er unterschätzt allerdings die damit verbundene Sprengkraft der Alterität, der Fremdheit von Selbst und Anderem.Google Scholar
  54. 81.
    Goffman 1969, S. 19.Google Scholar
  55. 82.
    Vgl. ders 1973a, S. 130.Google Scholar
  56. 83.
    Vgl. Goffman 1973b, S. 137.Google Scholar
  57. 84.
    Vgl. Lyman/Scott 1970, S. 4f: »The age-old problem of freedom versus determinism is not a problem of objective philosophy but rather the actor’s construction of reality, his image of freedom and constraint«.Google Scholar
  58. 85.
    Goffman 1967, S. 133.Google Scholar
  59. 86.
    Vgl. Meltzer/Petras/Reynolds 1975, S. 21 und 71.Google Scholar
  60. 87.
    Brittan 1973, S. 121.Google Scholar
  61. 88.
    Vgl. Goffman 1969a, S. 18f.Google Scholar
  62. 89.
    Vgl. ebenda S. 72.Google Scholar
  63. 90.
    Vgl. Goffman 1977, S. 143ff.Google Scholar
  64. 91.
    Vgl. ebenda S. 298.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Alfred Schäfer

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