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Die menschlichen Beziehungen im Betrieb als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung

  • Karl Hax

Zusammenfassung

Die nicht abreißende Diskussion über die Stellung des Menschen im Betrieb ist nicht etwa nur eine Modeangelegenheit; sie ergibt sich vielmehr zwangsläufig aus der gesamten sozialpolitischen Situation unserer Zeit. Unsere Sozialstruktur ist seit Beginn des industriellen Zeitalters in ständiger Bewegung, wobei das Ende der Entwicklung noch nicht abzusehen ist. Es handelt sich darum, einen neuen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, vor allem ein Gleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Unternehmerschaft (Managertum) und Arbeitnehmerschaft. Diese Aufgabe ist aber nicht allein auf der sozialpolitischen Ebene zu lösen; sie stellt sich für jeden Betrieb und jedes Unternehmen und erfordert in jedem Einzelfalle eine den besonderen Verhältnissen angepaßte Lösung. Aus diesem Grunde hat die Frage der menschlichen Beziehungen in den Betrieben heute ein wesentlich größeres Gewicht als noch vor einigen Jahrzehnten. Dazu kommen rein betriebspolitische Erwägungen. Die Unternehmungen sind größer geworden und damit komplizierter im Aufbau und im Arbeitsablauf. Das führt zu einer erhöhten Anfälligkeit gegen Störungen, sei es aus dem technischen, dem wirtschaftlichen oder dem persönlichen Bereiche. Wenn man sich gegen solche Störungen abschirmen will, muß man die Ursachen erforschen. Im technischen und im wirtschaftlichen Bereiche ist das seit langem schon systematisch geschehen; die gewonnenen Erfahrungen werden durch die Fachwissenschaft gesammelt, ausgewertet, in Publikationen festgehalten und der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Bei den menschlichen Problemen des Betriebes fehlt diese systematische fachwissenschaftliche Behandlung bisher. Man war vielfach der Meinung, es handele sich hier in erster Linie um eine Frage des persönlichen Geschicks und der persönlichen Erfahrung, die man nicht lernen könne. Dabei sind die menschlichen Probleme für das Gedeihen des Unternehmens von der gleichen Bedeutung wie die technischen und wirtschaftlichen Fragen. Störende Einflüsse von dieser Seite treten nicht nur durch Arbeitsstreitigkeiten, etwa in Form von Streiks und Aussperrungen, auf, sondern auch ohne einen solchen akuten Anlaß kann die Leistung der Belegschaft als Folge einer ungünstigen Stimmungslage im Betrieb erheblich beeinträchtigt werden. Menge und Güte der Erzeugung werden auf jeden Fall wesentlich durch die seelische Atmosphäre im Betrieb beeinflußt.

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Literatur

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    Es ist für den Außenstehenden nicht immer ganz leicht, die verschiedenen Bereiche dieser »Beziehungslehre« auseinanderzuhalten. »Industrial relations» ist offensichtlich die umfassende Bezeichnung, die Wortmarke für den ganzen Bereich. »Labor relations» meint die Beziehungen zwischen Unternehmungen und Gewerkschaften, seltener die Beziehungen zwischen dem einzelnen Arbeitgeber und seiner Belegschaft. »Human relations» erfaßt die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb eines Unternehmens, zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, zwischen Gleichgestellten innerhalb der einzelnen Gruppen und zwischen den verschiedenen Gruppen. »Public relations» haben insofern enge Beziehungen zu den »human relations» und den »labor relations», als die Öffentlidikeit sozusagen im eigenen Betrieb beginnt, nämlich mit der eigenen Belegschaft, ihren Familienangehörigen, Verwandten und Freunden. Dort soll man ansetzen, wenn man die öffentliche Meinung günstig für das Unternehmen beeinflussen will. Erst dann kommen die Beziehungen zur Gemeinde, in der das Werk liegt und zu den weiter entfernten gesellschaftlichen Gruppen.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Köln und Opladen 1969

Authors and Affiliations

  • Karl Hax

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