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Das semiotische Dreieck — Ein gedankliches Werkzeug beim Planen

  • Walter L. Schönwandt
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Zusammenfassung

Was ist eine „Fußgängerzone“? Was ist eine „Region“? Was sind „Slumgebiete“? Was ist „Natur“? Was ist „Abfall“? Das Problem, um das es hier geht, ist: Handelt es sich dabei jeweils um etwas materiell Gegenständliches oder sind es bloß Gedanken in unseren menschlichen Denkorganen?

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Referenzen

  1. 1.
    Viele wissenschaftliche beziehungsweise philosophische Arbeiten haben vor allem die Analyse zum Schwerpunkt. Für Planer sind jedoch auch solche Abhandlungen hilfreich, die sich um eine Synthese bemühen, wenn sich dadurch die Verwendbarkeit des Dargestellten als gedankliches Werkzeug beim Planen steigern lässt. Vor diesem Hintergrund soll hier — zumindest in einigen Teilaspekten der theoretischen Diskussion und in Anlehnung an Bunge (1974a, b) — eine Synthese versucht werden, wobei das Risiko, dadurch offene Fragen zu produzieren, bewusst in Kauf genommen wird. Um es mit einem „Bild“ zu sagen: Wir geben in dieser Abhandlung dem Baum den Vorzug, nicht dem Sägemehl (vgl. Bunge 1974a, v).Google Scholar
  2. 2.
    Im Folgenden wird der Begriff „Gehirn“ benutzt, wenn das Gehirn als biologisch-chemischphysikalische Entität gemeint ist. Mit „Denkorgan“, „kognitivem Apparat“ etc. werden dagegen Denkvorgänge bezeichnet.Google Scholar
  3. 3.
    Das Thema sprachliche und nichtsprachliche Zeichensysteme ist mit einer Erläuterung zu Zeichen oder den verschiedenen Arten von Sprache (natürliche, künstliche, symbolische, nicht-symbolische beziehungsweise Umgangssprache, Fachsprache, Objektsprache etc.) nicht erschöpfend behandelt. Dies sind zunächst nur Klassifizierungen. Damit Sprachen als Kommunikationswerkzeuge dienen können, braucht es Regeln beziehungsweise Vereinbarungen, die ihrer Verwendung zugrunde liegen. Sprachen sind deshalb an Regelwerke gebunden, die es einer bestimmten Gruppe von Individuen ermöglicht, diese Sprache zu benutzen. Diese Regelwerke werden in der Theorie der Zeichensysteme untersucht. Dazu gehört vor allem (a) die Syntax, die das Zeichenrepertoire und die Grammatik von Sprache zum Thema hat, (b) die Semantik, die sich auf die Bedeutung der Sprache konzentriert und (c) die Pragmatik, dabei geht es um die Konsequenzen der Sprache, bezogen auf das Verhalten derjenigen, die die Sprache benutzen (vgl. zum Beispiel Stegmüller 1983, 68 ff, Bußmann 1990, Eco 1991 oder einführend Miller 1981).Google Scholar
  4. 4.
    Dies ist eine so genannte qualitative Relation; siehe dazu unten Kapitel 3.3.Google Scholar
  5. 5.
    Mathematische Funktionen sind ebenfalls eine Teilmenge der Relationen; siehe dazu unten Kapitel 3.3.Google Scholar
  6. 6.
    Man beachte, dass Vorschläge (proposals) keine Propositionen sind: „Note that propositions should not be mistaken for proposals, such as „Let’s go“ (Bunge 1996,49); gleiches gilt für „It was proposed to investigate the logic of problems“ etc. (Bunge 1999a, 228).Google Scholar
  7. 7.
    „Few concepts have fared worse ... than that of theory. The worst and most popular mistakes in this regard are the following: Theory is any discourse on generalities, however obscure or incoherent; theory is the opposite of hard fact (a vulgar belief); theories are useless: only data and actions are valuable; theories are general orientations or approaches; theories are the same as hypotheses (e. g. Popper); theories are collections of definitions (e. g., conventionalists and Parsons); all theories are generalizations from observed facts (inductivism); there are a priori theories of human behavior (e. g., von Mises 1949); the axioms of a theory are indisputably true (commonsense view); and every axiom system is abstract — that is, uninterpreted (e. g., Debreu 1959, x).“ (Bunge 1996, 113) „[A]ll ten concepts of theory listed above are wrong.“ (Bunge 1996, 114; für Details siehe dort)Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. dazu zum Beispiel auch DIN 2330.Google Scholar
  9. 9.
    Zur Frage, welche Attributtypen es gibt und in welcher Beziehung sie zueinander stehen, vgl. zum Beispiel einführend Eysenck und Keane 1998, 233 ff.Google Scholar
  10. 10.
    „Definitions [of concepts] are stipulations, or conventions, not assumptions. They are true by conventions, not by proof or by virtue of empirical evidence.“ (Bunge 1996, 69)Google Scholar
  11. 11.
    Indikatoren sind beobachtbare Sachverhalte, die es unter bestimmten Umständen gestatten, auf nicht unmittelbar wahrnehmbare Sachverhalte zu schließen.Google Scholar
  12. 12.
    Mechanismus (im Englischen „mechanism“) ist der in der Wissenschaft in diesem Kontext benutzte Begriff, vgl. Bunge 1999b oder Hedström und Swedberg 1998 (für die Definition des Begriffs Wirkungsmechanismus siehe unten in diesem Kapitel 3.4). Dieser Begriff ist nicht zu verwechseln mit „Mechanik“ beziehungsweise „mechanisch“ (vgl. hierzu d’Abro 1939).Google Scholar
  13. 13.
    Von manchen Wissenschaftlern wird die Existenz von Wirkungsmechanismen bestritten. Da die meisten Wirkungsmechanismen verborgen sind (siehe unten in diesem Kapitel 3.4) müssen sie gemutmaßt werden. „Consequently, no self-respecting empiricist (or positivist) can condone the very idea of a mechanism. In fact, consistent positivist in the Ptolemy-HumeComte-Mach-Kirchoff-Pearson-Duhem-Ostwald-Watson-Bridgman-Skinner tradition are descriptivists: they reject explanations in terms of hidden mechanisms, in particular causes, for regarding them as metaphysical misfits“ (Bunge 1999b, 28 f). Statt sich (auch) mit Wirkungsmechanismen zu befassen, kümmern sich Empiristen (beziehungsweise Deskriptivisten) bevorzugt um die Beschreibung beobachtbarer Fakten und um Verknüpfungen zwischen direkt beobachtbaren Variablen, wie etwa Inputs und Outputs, und misstrauen Generalisierungen, die über die jeweilige Datenbasis hinausgehen. Insbesondere haben sie seit David Hume die Existenz kausaler Wirkungsmechanismen bestritten und letztere statt dessen oft als eine in zeitlicher Hinsicht regelmäßige Verbindung oder Folge definiert. Dass diese empiristische Sichtweise eine eher eingeschränkte ist, zeigt folgendes Beispiel: Man stelle sich vor, was geschehen wäre, wenn Newton das Postulieren von Unbeobachtbarem wie Masse und Gravitation und deren Wirkungen aufeinander vermieden und sich statt dessen auf beobachtbare Eigenschaften und Ereignisse und deren statistische Korrelation konzentriert hätte.Google Scholar
  14. 14.
    Diese Aussage gründet auf der langjährigen Erfahrung des Verfassers in der Planungspraxis.Google Scholar
  15. 15.
    „Leitbilder bleiben weitgehend unwirksam, solange sie sich auf einer allgemeinen und unpräzisen Ebene bewegen. Deshalb sind auch schlagwortartige Formeln wie „humane Stadt“, „Stadt der kurzen Wege“ oder „Stadt der urbanen Vernunft“ weitgehend wirkungslos. Sie lassen durch ihren großen individuellen Interpretationsspielraum zwar ahnen, wohin die Reise gehen könnte, aber die mit guten Planungen immer verbundene Abwägung zwischen konkurrierenden Zielen, eine Darstellung möglicher Folgen und der zur Realisierung erforderlichen Maßnahmen finden meist nicht statt.“ (Eppinger 1998, 224; Hervorhebung vom Verfasser)Google Scholar
  16. 16.
    Ein konkretes System ist eine Kollektion realer Dinge, welche (a) durch einige Verbindungen (bonds) zusammengehalten wird, sich (b) in bestimmter Hinsicht wie eine Einheit verhält und (c) in eine Umgebung eingebettet ist (ausgenommen das Universum als Ganzes). Atome, Moleküle, Kristalle, Zellen, multizellulare Organismen, Ökosysteme, zusammenhängende soziale Gruppen — wie Familien, Firmen und ganze Gemeinschaften — sind konkrete Systeme. Ebenso sind materielle Artefakte (Transportsysteme etc.) konkrete Systeme. Andererseits sind Theorien, Klassifikationen etc. konzeptuelle Systeme; und Zeichensysteme, wie zum Beispiel Sprachen, sind semiotische Systeme. Im Gegensatz dazu sind bloße Ansammlungen von Gegenständen, auch wenn sie von der gleichen Art sind, keine Systeme, weil sie nicht zusammenhängen. Zum Beispiel sind Kohorten, Gruppen gleichen Einkommens oder soziale Klassen keine sozialen Systeme sondern Aggregate. (Für Details vgl. zum Beispiel Bunge 1979 oder 1999b, 17 ff.)Google Scholar
  17. 17.
    Was hier als Wirkungsmechanismus bezeichnet wird, nennt Dörner „Operation“. „Eine Operation ist alles, was eine Konstellation verändern kann.“ (Dörner 1995, 297)Google Scholar
  18. 18.
    Die diesem Abschnitt zugrunde liegende Auffassung von Kausalität beschreibt Bunge 1987: Er kritisiert eine Reihe von Doktrinen, unter ihnen die totale Verwerfung des Begriffs der Verursachung und seine Gleichsetzung mit regelmäßiger Abfolge oder mit konstanter Verknüpfung oder die Auffassung, nach der Verursachung die einzige Form von Determination ist. Statt dessen vertritt er vor allem folgende Thesen: 1. Die Kausalrelation ist eine Beziehung zwischen Ereignissen — nicht zwischen Eigenschaften oder Zuständen, geschweige denn zwischen Vorstellungen. Genauer gesagt, ist Verursachung auch keine Relation zwischen Dingen (d. h. es gibt keine causa materiales). Wenn wir sagen, ein Gegenstand A veranlasst einen Gegenstand B, C zu tun, so meinen wir, dass ein gewisses Ereignis (oder eine Menge von Ereignissen) in A eine Veränderung C im Zustand von B erzeugt. 2. Im Gegensatz zu anderen Relationen zwischen Ereignissen ist die Kausalrelation keine externe Beziehung zwischen ihnen, wie die zeitliche Nachfolgebeziehung: Jede Wirkung ist irgendwie durch ihre Ursache(n) hervorgebracht (erzeugt). Anders ausgedrückt, Verursachung ist eine Art der Ereigniserzeugung oder, wenn man diesen Ausdruck vorzieht, des Energietransfers. 3. Die kausale Erzeugung von Ereignissen ist gesetzesartig und nicht etwa unberechenbar. D. h., es gibt Kausalgesetze, oder wenigstens Gesetze von kausalem Status (und daher müssen Regularitäten unterschieden werden von Gesetzesaussagen, wie sie Differentialgleichungen darstellen). 4. Ursachen können statistische Tendenzen modifizieren (im besonderen Wahrscheinlichkeiten), sie sind aber keine Tendenzen. Im Ausdruck „Ereignis X verursacht Y mit der Wahrscheinlichkeit p“ (oder: „Die Wahrscheinlichkeit, dass X das Ereignis Y verursacht, ist gleich p“) sind die Terme „Ursachen“ und „Wahrscheinlichkeit“ nicht wechselseitig definierbar. Darüber hinaus ist strenge Kausalität nicht stochastisch. 5. Die Welt ist nicht streng kausal, obwohl sie determiniert ist: Nicht alle untereinander verbundenen Ereignisse stehen zueinander in kausaler Beziehung und nicht alle Regularitäten sind kausaler Natur. Verursachung ist daher nur eine Variante der Determination. Daher muss der Determinismus nicht eng als kausaler Determinismus aufgefasst werden. Die Wissenschaft ist in einem schwachen Sinn deterministisch, sie fordert lediglich Gesetzesartigkeit (irgendeiner Art) und die Abwesenheit von Wundern.“ (Bunge 1987, 401 f)Google Scholar
  19. 19.
    „Selbst der Zufall, auf den ersten Blick geradezu das Gegenteil von Determination, hat seine Gesetze, und zufällige Ereignisse ergeben sich aus bereits bestehenden Umständen ... So ist das Erscheinen von „Kopf“ beim Münzwurf keineswegs ein „gesetzloses“ Ereignis oder ein „Werden aus dem Nichts“, sondern das determinierte Ergebnis einer determinierten Operation. Nur ist es nicht das einzig mögliche Resultat, oder anders ausgedrückt, das Ergebnis ist nicht „wohldefiniert.“ (Bunge 1987, 14)Google Scholar
  20. 20.
    „Randomness is measured by probability.“ (Bunge 1999a, 237) „Randomness [Synonym: chance]. The particular kind of disorder characterized by local irregularity (e. g., individual coin tossing) combinded with global regularity (e. g., long-run equal chances of heads and tails.)“ (Bunge 1999a, 237) „Chance event = event belonging to an random sequence, i. e.,one every member of which has a definite probability. Examples: ... random shuffling of a pack of cards, random choice of a number ... (Bunge 1999a, 37)„[C]hance is objective: random events have definite propensities independent of the knowing subject. These objective propensities have nothing to do with uncertainty, which is a state of mind.“ (Bunge 1999a, 37)Google Scholar
  21. 21.
    Auch für „Sterbefälle“ oder „Zu- und Wegzüge“ lassen sich die jeweiligen Wirkungsmechanismen detaillierter beschreiben: Die Forschung befasst sich mit den Wirkungsmechanismen, die Menschen altern und sterben lassen. Dazu gehören, neben Unfällen, die wiederholte Beschädigung und Neuordnung der DNA oder Apoptosis (genetisch programmierter Tod). Wirkungsmechanismen bei Zu- und Wegzügen: Veränderungen in persönlichen Beziehungen wie Heirat, Scheidung etc., Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt (Entlassungen, Neueinstellungen), Wahl eines Ausbildungsplatzes (zum Beispiel eines Studienfaches) in einer anderen Stadt etc., oder entsprechende Kombinationen.Google Scholar
  22. 22.
    Kräfte spielen nur eine geringe oder gar keine Rolle bei bestimmten technischen Prozessen, etwa bei spontaner Radioaktivität, genauso bei der Diffusion von Rauch in dünner Luft (in der molekulare Kollisionen weniger häufig sind) oder bei der Verbreitung elektromagnetischer Wellen im Vakuum.Google Scholar
  23. 23.
    Was die Frage angeht, in welcher Weise Wirkungsmechanismen existieren, gibt es zumindest folgende Positionen: Die meisten der Autoren des von Hedstöm und Swedberg (1998) herausgegebenen Sammelbandes über soziale Wirkungsmechanismen definieren Wirkungsmechanismen als Konstrukte, also als gedankliche Fiktionen. Im Gegensatz dazu ist die unter Naturwissenschaftlern und Ingenieuren vorherrschende Sicht — der wir uns hier anschließen — eine andere. Danach sind Wirkungsmechanismen nicht bloß Schlussfolgerungenoder Beurteilungen, die nur in den Denkorganen der sie denkenden Menschen existieren, sondern Bestandteile der realen Welt, genauso wie Gegenstände und Ereignisse, also Fakten. (Das Vorhandensein eines Gegenstandes in einem bestimmten Zustand oder das Eintreten eines Ereignisses an einem Gegenstand, nennen wir ein Faktum. „... a (real) fact is either the beimg of a thing in a given state, or an event occurring in a thing.“ (Bunge 1977, 267))Google Scholar
  24. 24.
    „Wohlstand und Wahlfreiheit erlauben eine weitaus größere Unabhängigkeit vom Stadtzwang.“ (Mönninger 1999, 10)Google Scholar
  25. 25.
    Wir setzen dabei voraus, dass die Expo 2000 nicht bewusst von vornherein nur geplant wurde, um das Messegelände in Hannover auf Kosten Dritter zu modernisieren und zu erweitern.Google Scholar
  26. 26.
    Dies gilt selbst für eine alte Standuhr, weil das Gravitationsfeld, welches ihre Gewichte zieht, unsichtbar ist.Google Scholar
  27. 27.
    Daten sind nach Messvorschriften ermittelte Angaben über Ausprägungen von Fakten. Die Messvorschriften basieren, implizit oder explizit, auf theoretischen Annahmen.Google Scholar
  28. 28.
    In diesen Kontext gehört auch ein anderes Phänomen: Nicht selten werden ermittelte statistische Korrelationen zunächst nicht für zutreffend gehalten, weil es keinen plausiblen Wirkungsmechanismus gibt, der diese statistische Korrelation erklärt. Zum Beispiel wurde die Hypothese von Stanley Jevons, dass Sonnenfleckenzyklen ökonomische Zyklen erklären können, zunächst nicht ernst genommen, weil man sich keinen Wirkungsmechanismus vorstellen konnte, der die Sonnenflecken mit ökonomischen Aktivitäten in Verbindung bringt. Erst kürzlich konnte gezeigt werden, dass die Sonnenfleckenzyklen das terrestrische Klima und deshalb die Landwirtschaft beeinflussen, weil Sonnenflecken starke hydromagnetische Stürme sind, die ein Ansteigen der Strahlung verursachen und folglich eine Zunahme der Menge solarer Energie, die unseren Planeten erreicht, was wiederum die Landwirtschaft beeinflusst. (Allerdings: Auch diese Erklärung reicht nicht aus, um das Auf und Ab der Wirtschaftszyklen zu erklären.)Google Scholar
  29. 29.
    Eine funktionale Beschreibung liegt beispielsweise vor, wenn die Existenz von Kiemen bei Fischen durch deren Funktion erklärt wird, die Sauerstoffzufuhr sicher zu stellen.Google Scholar
  30. 30.
    Für Details hierzu vgl. zum Beispiel Bunge 1996, 150 ff.Google Scholar
  31. 31.
    Mit „Tautologien“ sind hier nicht Pleonasmen wie „weißer Schimmel“ oder „nie und nimmer“ gemeint, sondern Zirkeldefinitionen, bei denen der zu definierende Ausdruck im definierenden Ausdruck bereits vorkommt (vgl. Lorenz 1996, 213 f).Google Scholar
  32. 32.
    Die Frage „Was beeinflusst menschliches Verhalten?“ ist Ausgangspunkt einer der traditionsund umfangreichsten Debatten in den Sozialwissenschaften (Psychologie, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften etc.; vgl. zum Beispiel Heckhausen 1974, Bem und Allen 1974, Graumann 1975, Bem und Funder 1978, Giddens 1988, Esser 1993 etc.). Diese Diskussion kann und soll hier nicht wiedergegeben werden, vielmehr wird eine der Grundpositionen mit wenigen Worten umrissen.Google Scholar
  33. 33.
    Dörner bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Irgendwer sagte einmal: „Du musst dein Gedächtnis als deinen größten Feind ansehen!“ Als allgemeine Maxime ist das natürlich falsch, für den Umgang mit Makrooperatoren [Planungshandlungen] aber beherzigenswert.“ (Dörner 1995, 305)Google Scholar
  34. 34.
    Dass man gut beraten ist, mentale Modelle zu überprüfen, zeigt folgendes Beispiel: In Experimenten stellte MacCloskey (1983) fest, dass viele Physikstudenten unzutreffende mentale Modelle über einfache physikalische Vorgänge der newtonschen Mechanik haben.Google Scholar
  35. 35.
    Metaphern und Analogien gibt es auch in anderen Bereichen; beispielsweise in der Organisationstheorie: „Organisationen werden abwechselnd als Anarchien (Cohen und March 1974), Schaukeln (Hedberg, Nystrom und Starbuck 1967), Raumstationen (Weik 1977), Mülltonnen (Cohen, March und Olsen 1972), Eingeborenenstämme (Turner 1977), Tintenfische (Geertz 1973), Marktplätze (Georgiou 1973) und Datenverarbeitungsanlagen (Borovits und Segev 1977) beschrieben.“ (Weik 1985, 72)Google Scholar
  36. 36.
    „Die Verwendung von Analogien hat im Bereich der menschlichen Kreativität, im Bereich der Erfindungen, Entdeckungen und wissenschaftlichen Weiterentwicklungen eine überhaupt nicht überschätzbare Rolle gespielt (s. Hesse, 1970). So hat Mendelejev das Periodensystem der Elemente, also die Anordnung der chemischen Elemente nach Atomgewicht und Bindungsfähigkeit dadurch gefunden, dass er auf die Ordnung der Atome die gleichfalls zweidimensionale Ordnung des Kartenspiels übertrug (s. Sergejew, 1971).“ (Dörner 1995, 310)Google Scholar
  37. 37.
    So meinten Bohr und Rutherford, dass zwischen einem Atom und dem Planetensystem eine Analogie bestünde. Das Planetensystem ist eine Art von riesenhaftem Modell eines Atoms, weil die Relationen zwischen der Sonne und ihren Planeten den Relationen zwischen dem Atomkern und den ihn umkreisenden Elektronen entsprechen.Google Scholar
  38. 38.
    „Zur Zeit hat eine Metapher großen Erfolg, die die Produktion einer Stadt mit den Techniken der Eierzubereitung in Verbindung bringt: Bis zum Ende des Ancien Regime glich die Stadt einem hartgekochten Ei mit Mauern, die wie eine Schale ein kompaktes und dichtes Ganzes aus repräsentativen Institutionen, Wohn- und Geschäftsgebäuden umgaben; bis zum zweiten Weltkrieg ähnelte die Stadt einem Spiegelei, das Eigelb des Altstadtzentrums mitten im geronnenen Eiweiß des sich zum Rand ausdünnenden Siedlungsbreis, wie er für das industrielle Zeitalter charakteristisch war. In den letzten fünfzig Jahren haben wir es schließlich mit Rührei zu tun, wobei die Stadtforschung sich derzeit emsig bemüht, mit Hilfe von Fraktaltheorien die Form der Speckstückchen im Rührei und ihre Lage zueinander zu bestimmen.“ (Venturi 1998, 66)Google Scholar
  39. 39.
    „Ein bedeutendes theoretisches System der Psychologie, nämlich die Freudianische Psychoanalyse, kann zum großen Teil als eine Übernahme von energetischen Vorstellungen aus der Thermodynamik angesehen werden (s. Wyss, 1970, S. 30 ff., S. 49 f.). Die Seele ist ein Gebilde, in dem der brodelnde Dampfkessel der Triebe Energien erzeugt, die „freigesetzt“ beziehungsweise „entladen“ werden müssen. Das Ich, beziehungsweise das Überich lenkt den Dampf in die „richtigen“ Röhren. Wenn die Energie nicht „entladen werden kann“, bekommt der Kessel einen Riss und wir haben ein „neurotisches Symptom“.“ (Dörner 1995, 310)Google Scholar
  40. 40.
    Nach der Erfahrung des Verfassers mit der Kooperation von Planern und Sozialwissenschaftlern ist genau dies eines der zentralen konzeptuellen Probleme, welches dazu geführt hat, dass die Zusammenarbeit zwischen diesen Disziplinen in den vergangen drei Jahrzehnten nur in Ausnahmefällen zu fruchtbaren Ergebnissen geführt hat (vgl. hierzu zum Beispiel Schönwandt 1982) .Google Scholar
  41. 41.
    „... while both predicates [= Attribute] and propositions can be assigned referents, only predicates are normally said to have an extension. And even in the case of predicates a distinction between extension and reference class is needed.“ (Bunge 1974a, 119)Google Scholar
  42. 42.
    Es handelt sich urn die gleiche Relation — „reference“ — wie im Abschnitt 3.7 „Bedeutung von Konstrukten“.Google Scholar
  43. 43.
    „... in ordinary language „datum“ and „fact“ are often used interchangeably. This usage is incorrect, for data are propositions, not facts.“ (Bunge 1996, 85)Google Scholar
  44. 44.
    Das ist die Position des so genannten epistemologischen Konstruktivismus, wie er unter anderem von Aristoteles, Kant, Engels, Einstein, Piaget, Popper und Bunge vertreten wird. Sie besagt, dass alle Begriffe, Theorien etc. menschliche Konstruktionen sind. Dieser Ansatz ist nicht zu verwechseln mit dem ontologischen Konstruktivismus, wonach alle Fakten menschliche Konstruktionen sein sollen. Ontologische Konstruktivisten „... confuse reality with our representation of it: the explored with the explorer, the known with the knower, the territory with its maps, America with Vespucci, facts with data, objective patterns with law statements.“ (Bunge 1996, 336)Google Scholar
  45. 45.
    Beispielsweise enthält das Heft der Zeitschrift PlanerIn vom Juli 1999 zur Dritten Europäischen Planerbiennale vom 14. bis 17. September 1999 unter dem Titel „Nachhaltige Entwicklung — Herausforderung an die Entwicklung europäischer Regionen“ insgesamt siebzehn Artikel. Begriffe wie „nachhaltig“, „Nachhaltigkeit“ etc. kommen in vierzehn dieser Artikel vor. Mehr oder weniger nachvollziehbar definiert werden sie jedoch nur in zwei Aufsätzen.Google Scholar
  46. 46.
    An dieser Stelle ließe sich einwenden, in vielen Fällen ginge es im Grunde gar nicht um das Thema „Nachhaltigkeit“. „Nachhaltigkeit“ sei vielmehr oft nur ein vorgeschobenes Etikett, um beispielsweise leichter Fördermittel für die Bearbeitung anderer Themen zu erhalten. Trifft dies zu, ändert sich dadurch am Kernproblem freilich nichts: Die Aufgabe, präzisere Konstrukte zu erarbeiten, verlagert sich nur auf die Ebene jener „anderen Themen“.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. Bunge 1996, 70 ff.Google Scholar
  48. 48.
    Regel (rule) ist der Begriff, der in der Wissenschaft in diesem Kontext üblicherweise verwandt wird; vgl. zum Beispiel Stone 1988, 231 ff oder Bunge 1996, 73 ff.Google Scholar
  49. 49.
    Damit liegt diesem Abschnitt der Kern des so genannten Ziel-Mittel-Ansatzes zugrunde, der sich wie folgt formulieren lässt: Ein erwünschtes Ziel, welches sich nicht von alleine einstellt, kann durch geplantes Handeln nur erreicht werden, wenn dazu irgendwelche Mittel eingesetzt werden. Bei der Anwendung des Ziel-Mittel-Ansatzes tauchen eine Reihe von Problemen auf, die jedoch den Kern diese Ansatzes nicht in Frage stellen: Ziele und Mittel sind nicht einfach gegeben oder wertfrei. Sich mit den Beteiligten beziehungsweise Betroffenen auf bestimmte Ziele zu einigen, gehört mit zu den schwierigsten Aufgaben beim Planen. Ziele wie Mittel verändern sich, schließlich verändern sich oft Wissensstand, Sichtweisen und Präferenzen der Beteiligten im Laufe der Zeit. Ziele können zudem aus mehreren Teilzielen bestehen, die sich überdies öfters widersprechen. Genauso sind meist verschiedene Mittel möglich, die nicht selten untereinander konkurrieren. Darüber hinaus kann die Beziehung zwischen dem gewünschten Ziel und den vorgesehenen Mitteln einfach sein, indem etwa ein direkter Zusammenhang zwischen beiden angenommen wird; Beispiel: „Um die Menge der auf einer Straße durch den motorisierten Individualverkehr erzeugten Schadstoffe (Stickoxide, Kohlenwasserstoffe etc.) zu verringern (= Ziel), reduziere die auf dieser Autostraße vorgeschriebene Geschwindigkeit (= Mittel).“ Oder sie kann aus einer Vielzahl von Beziehungen bestehen, die zusammen ein komplexes systemisches Gefüge bilden. Und vor allem kann es, besonders bei Rückkopplungsprozessen, unterschiedliche Auffassungen darüber geben, was „Mittel“ und was „Ziel“ ist, weil ein bestimmtes Ziel auch ein Mittel für die Erreichung eines anderen Ziels sein kann (vgl. hierzu zum Beispiel Forester 1993, 20ff, Alexander 1992, 54 ff, Banfield 1973, 139 ff oder Schönwandt 1999).Google Scholar
  50. 50.
    Moralische Fragen beziehen sich darauf, wie man sich verhalten soll, wenn Eigeninteressen mit den Interessen Anderer kollidieren, es sind somit Merkmale sozialer Situationen.Google Scholar
  51. 51.
    Beim Planen arbeiten wir unvermeidlich mit Vereinfachungen, Reduktionen, außerdem lassen uns Wahrnehmungsbeschränkungen und Motive die Welt nur durch „Filter“ erkennen. All dies schließt Wertsetzungen ein, folglich ist Planung prinzipiell nie wertfrei.Google Scholar
  52. 52.
    Die Ethik befasst sich als wissenschaftliche Disziplin mit Moral.Google Scholar
  53. 53.
    Empirische Untersuchungen hierzu zeigen, dass die Ausgangssituation beim Planen in der Mehrzahl der Fälle nicht adäquat analysiert wird (vgl. zum Beispiel von der Weth 1999, 456).Google Scholar
  54. 54.
    Eine Regel wird dann als erfolgreich bezeichnet, wenn sich auf Grund der entsprechenden planerischen Eingriffe ein Resultat einstellt, welches den ursprünglichen Intentionen entspricht (vgl. Schönwandt 1999) .Google Scholar
  55. 55.
    Es ist schwierig, Zusammenhangsaussagen so zu formulieren, dass sie mit allen existierenden Zusammenhangsaussagen schlüssig übereinstimmen. Genau genommen ist dies sogar unmöglich, weil es immer unterschiedliche Erklärungen für die Ereignisse der realen Welt gibt. Worauf es ankommt ist, Zusammenhangsaussagen, die sich bei näherem Hinsehen als widersprüchlich erweisen, durch solche zu ersetzen, die konzeptuell so weit wie möglich konsistent beziehungsweise widerspruchsfrei sind.Google Scholar
  56. 56.
    Die Formulierung, Regeln seien effizient, ist eine Kurzform für: Regeln sind Anstoß für Handlungen, welche nach ihrer Durchführung Ergebnisse bewirken, die, gemessen am Aufwand etc., mehr oder weniger effizient sind.Google Scholar
  57. 57.
    „Effektivität“ wie „Effizienz“ müssen natürlich gesondert analysiert und bewertet werden, nicht zuletzt, weil ihnen axiologische beziehungsweise ethische Prinzipien zugrunde liegen: Wie effektiv ist beispielsweise eine planerische Regel, mit deren Hilfe zwar der gewünschte Zustand erreicht wird, als Nebeneffekte jedoch Arbeitslosigkeit oder Luftverschmutzung entstehen?Google Scholar

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© W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 2002

Authors and Affiliations

  • Walter L. Schönwandt

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