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›Falsche‹ und ›echte‹ Romantik. Theodor Fontane

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Romantischer Realismus

Part of the book series: Abhandlungen zur Literaturwissenschaft ((ABLI))

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Zusammenfassung

Was sich bei Keller tatsächlich eher schleichend vollzieht, das legt Theodor Fontane (zumindest zeitweise und erst spät) in der Hauptsache offen: die Aufspaltung von ›Romantik‹ in eine zurückgewiesene und eine fortgeführte. In einer Besprechung von Richard Voß’ Brigitta von 02./03. Oktober 1889 nennt Fontane »das Romantische« seine »Lieblingsgattung« und stellt es als solche noch über die »realistische[ ] Schule« (»Zola, Turgenjew, Tolstoi, Ibsen«), indem er »die Romantik« von einer »falsche[n] Romantik« unterscheidet: »Der Sieg des Realismus«, schreibt Fontane, »schafft die Romantik nicht aus der Welt.

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Notes

  1. 1.

    Theodor Fontane: Voß: Brigitta [1889]. In: ders.: Werke, Schriften und Briefe [zuerst: Sämtliche Werke]. Hg. Walter Keitel, Helmuth Nürnberger. 22 Bde. München 1969. Bd. 3/2, 811–816, hier 815 f. Die Unterscheidung zwischen »echter […] Romantik« und einer »falschen […] romantischen Richtung« trifft Fontane freilich auch schon früher, etwa 1871 im Aufsatz zu Walter Scott, wo er jene zudem als »gesund[ ]«, diese hingegen als »krankhaft[ ]« attribuiert (Theodor Fontane: Walter Scott [1871]. In: ders.: Aufsätze und Aufzeichnungen. Aufsätze zur Literatur. Hg. Jürgen Kolbe. Frankfurt a. M. u. a. 1979 [Werke und Schriften. Erinnerungen, ausgewählte Schriften und Kritiken 28], 187–206, hier 205). Deutlich wird zumal, dass er mit dem Begriff ›Romantik‹ nicht die heute übliche Epochenzuschreibung meint, ebenso wenig aber die ›echte‹ Romantik lediglich als einen ›Teil des Sturm und Drang‹ versteht, wie Jürgen Kolbe im Anhang zu Fontanes Aufsätzen zur Literatur meint (vgl. ebd., 449, Anm. zu 143). Vgl. hier und im Folgenden auch Jutta Osinski: Romantikbilder und patriotische Gesinnung in Fontanes »Vor dem Sturm«. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 123 (2004). Sonderheft, 142–152; Rolf Zuberbühler: »Einmal/Lebt’ ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht« Fontanes Auseinandersetzung mit Hölderlin und der Romantik in Vor dem Sturm. In: Hugo Aust u. a. (Hg.): Fontane Kleist und Hölderlin. Literarisch-historische Begegnungen zwischen Hessen-Homburg und Preußen-Brandenburg. Würzburg 2005 (Fontaneana 2), 107–120, hier 108 f., mit dem sich das Romantikverständnis Fontanes auf das Schema von Stoff und Empfindung reduzieren lässt.

  2. 2.

    Friedrich Theodor Vischer: Plan zu einer neuen Gliederung der Ästhetik [1843]. In: ders.: Kritische Gänge. Hg. Robert Vischer. 6 Bde. München 21922. Bd. 4, 159–197, hier 174.

  3. 3.

    Alle Zitate Theodor Fontane: Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848. In: Deutsche Annalen zur Kenntniß der Gegenwart und Erinnerung an die Vergangenheit 1 (1853), 353–377, hier 355–360. Als »herrschende literarische Richtung« in den 1830er Jahren macht Fontane im Aufsatz zu Willibald Alexis aus dem Jahr 1872 »die romantische, partiell die jungdeutsche« aus (Theodor Fontane: Willibald Alexis [1872]. In: ders.: Aufsätze und Aufzeichnungen, 209–264, hier 214).

  4. 4.

    Friedrich Schlegel: ›Athenäums‹-Fragment 116 [1798] In: ders.: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Hg. Ernst Behler. 36 Bde. Paderborn u. a. 1967. Bd. 2, 182 f.

  5. 5.

    Ebd., 183.

  6. 6.

    Stefan Neuhaus: Zeitkritik im historischen Gewand? Fünf Thesen zum Gattungsbegriff des Historischen Romans am Beispiel von Theodor Fontanes Vor dem Sturm. In: Osman Durrani, Julian Preece (Hg.): Travellers in Time and Space. The German Historical Novel/Reisende durch Zeit und Raum. Der deutschsprachige historische Roman. Amsterdam/New York 2001 (Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik 51), 209–225, hier 209.

  7. 7.

    Ebd.

  8. 8.

    Theodor Fontane: Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13 [1878]. Hg. Christine Hehle. 2 Bde. Berlin 22018 (Große Brandenburger Ausgabe. Das erzählerische Werk 1). Bd. 1, 34.

  9. 9.

    Ebd., 40.

  10. 10.

    Ebd., 39.

  11. 11.

    Ebd., 40.

  12. 12.

    Ebd., 33–35.

  13. 13.

    Ebd., 36.

  14. 14.

    Vgl. ebd., 39.

  15. 15.

    Theodor Fontane: Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13 [1878]. Hg. Christine Hehle. 2 Bde. Berlin 22018 (Große Brandenburger Ausgabe. Das erzählerische Werk 2). Bd. 2, 170 f.

  16. 16.

    Vgl. ebd., 303 f.

  17. 17.

    Aufruf des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. »An Mein Volk!« Vom 17. März 1813. In: Corpus Juris Confoederationis Germanicae oder Staatsacten für Geschichte und öffentliches Recht des Deutschen Bunds. Hg. Anton Guido Meyer. Teil 1: Staatsverträge. Frankfurt a. M. 31858, 147–149.

  18. 18.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 174.

  19. 19.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 405.

  20. 20.

    Christoph Jürgensen: Federkrieger. Autorschaft im Zeichen der Befreiungskriege. Stuttgart 2018. Zum Kontext der Befreiungskriege und ihrer Rezeption vgl. auch Gerhard Bauer u. a. (Hg.): Blutige Romantik. 200 Jahre Befreiungskriege. Essays. Dresden 2013. Vgl. auch die zuweilen als preußenkritisch aufgefassten ›Kriegsbücher‹ Fontanes (Theodor Fontane: Der Krieg gegen Frankreich 1870–1871. 4 Bde. Zürich 1985).

  21. 21.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 90 f. Vgl. Johann Gottlieb Fichte: Rede an seine Zuhörer, bei Abbrechung der Vorlesungen über die Wissenschaftslehre am 19. Februar 1813. In: ders.: Ueber den Begriff des wahrhaften Krieges in Bezug auf den Krieg im Jahre 1813. Tübingen 1815, 67–87.

  22. 22.

    Ebd., 355. Vgl. F[riedrich] Schleiermacher: Predigt am 28. März 1813. Berlin 1813, 6. Es ist im eröffneten Zusammenhang bezeichnend, dass gerade die ehemaligen, zu Nationalrevolutionären konvertierten Jakobiner und Idealisten hier zu Wort kommen, nicht etwa Adam Müller oder (der freilich in österreichischen Diensten stehende) Friedrich Schlegel als Vertreter einer katholischen Reaktion. Gleichwohl ist das ›Volk‹, das in Vor dem Sturm entworfen wird, nicht dasselbe, das die Protagonisten der ›nationalen Revolution‹ meinen.

  23. 23.

    Vgl. etwa F[riedrich] P[ech]t: Der Krieg und die deutsche Kunst. In: [Augsburger] Allgemeine Zeitung (1870), Beilage 11. November, 4989–4990; Berthold Auerbach: Wieder unser. Gedenkblätter zur Geschichte dieser Tage. Stuttgart 1871, 38–43.

  24. 24.

    Vgl. Oscar von Redwitz: Das Lied vom neuen deutschen Reich. Eines ehemaligen Lützow’schen Jägers Vermächtniß an’s Vaterland. Berlin 1871; Conrad Ferdinand Meyer: Huttens letzte Tage. Eine Dichtung. Leipzig 1871.

  25. 25.

    Das Polenthema in Vor dem Sturm ist stärker als bisher wahrgenommen mit der ästhetisch-politischen Stoßrichtung des Romans verknüpft. Zum Polenbild Fontanes und in Vor dem Sturm vgl. Walter Müller-Seidel: Fontane und Polen. Eine Betrachtung zur deutschen Literatur im Zeitalter Bismarcks. In: Jörg Thunecke (Hg.): Formen realistischer Erzählkunst. Festschrift for Charlotte Jolles. Nottingham 1979, 433–447; Wieńczysław Niemirowski: Zum Polenthema in Theodor Fontanes Vor dem Sturm. In: Fontane Blätter 50 (1990), 96–102; Gerhard Friedrich: Preußisch-polnische Irrungen und Wirrungen in Theodor Fontanes Roman Vor dem Sturm. In: Zeitschrift für Kultur- und Bildungswissenschaften 2 (1996), 43–53; Mariola Lewandowska: »… denn er ist Pole, vom Wirbel bis zur Zeh.« Die Polen in Theodor Fontanes Roman »Vor dem Sturm«. In: Hans Dieter Zimmermann (Hg.): Mythen und Stereotypen auf beiden Seiten der Oder. Berlin 2000, 47–55; Barbara Widawska: Die preußisch-polnischen Familienbeziehungen in Fontanes Roman Vor dem Sturm. In: Lisaweta von Zitzewitz (Hg.): Reflexionen über Pommern und Polen im Werk Theodor Fontanes/Rozważania nad Pomorzem i Polską w twórczości Theodora Fontane. Kulice 2010 (Zeszyty Kulickie/Külzer Hefte 6), 170–185; Alexandra Dunkel: Figurationen des Polnischen im Werk Theodor Fontanes. Berlin/Boston 2015 (Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft 10).

  26. 26.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 270, 272.

  27. 27.

    Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 81, wo Bninski, als er von der ›Kapitulation‹ Johann David Ludwig von Yorcks, des Befehlshabers des preußischen Hilfskorps in Napoleons Russlandfeldzug, erfährt, vor »Erregung« »mit dem Fuße [stampft( )]«. Gemeint ist die sogenannte Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812, die mit ihren Folgen in nationalistischen Kreisen zum Mythos des patriotischen Widerstands stilisiert wurde.

  28. 28.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 35. Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 192 f.

  29. 29.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 247.

  30. 30.

    Ebd., 282.

  31. 31.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 82.

  32. 32.

    Ebd., 191, 39.

  33. 33.

    Vgl. Peter Wruck: Theodor Fontane in der Rolle des vaterländischen Schriftstellers. Bemerkungen zum schriftstellerischen Sozialverhalten. In: Fontane Blätter 6 (1987), 644–667.

  34. 34.

    Vgl. Marianne Wünsch: Politische Ideologie in Fontanes »Vor dem Sturm«. In: dies.: Realismus (1850–1890). Zugänge zu einer literarischen Epoche. Kiel 2007 (Literatur- und Medienwissenschaftliche Studien 7), 173–187, hier 174 f.

  35. 35.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 83.

  36. 36.

    Ebd., 216.

  37. 37.

    Ebd., 83.

  38. 38.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 271.

  39. 39.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 384.

  40. 40.

    Ebd., 465.

  41. 41.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 258 f.

  42. 42.

    Vgl. ebd., 63 f.

  43. 43.

    Ebd., 72.

  44. 44.

    Ebd., 263.

  45. 45.

    Ebd.

  46. 46.

    Nacim Ghanbari: Dynastisches Spiel. Theodor Fontanes Vor dem Sturm. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 85 (2011), 186–207. Dass die ›Mesalliance‹ zwischen Lewin und Marie nicht wie im bürgerlichen Drama durch Enthüllung der wahren Herkunft im letzten Moment legitimiert wird, dass darüber hinaus »die Häuser in Vor dem Sturm«, die Vitzewitze und Pudaglas insbesondere, »als das ›alte Derfflingererbe‹ apostrophiert werden« können (ebd., 206), bestätigt die sozialrevolutionäre Lesart, die im Folgenden entfaltet wird. Gemeint ist der spätere brandenburgische Generalfeldmarschall Georg Derfflinger, der populären Legende nach von niederer Herkunft und ein ehemaliger Schneidergeselle, der in die höchsten gesellschaftlichen Kreise aufgestiegen ist und tatsächlich durch geschickte Heiratspolitik seine Familie mit den alteingesessenen Adelsgeschlechtern der Mark Brandenburg und preußischen Fürstenhäusern verbunden hat. Um die Tatsachen hinter der Legende kümmert sich Fontane nicht. In seinem realistischem ›Poesie‹-Verständnis kann aus einem Schneider – durch Tüchtigkeit – eben doch ein Graf oder Vergleichbares werden. Vgl. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg [1862–1889]. Hg. Gotthard Erler, Rudolf Mingau. 8 Bde. Berlin 1997 (Große Brandenburger Ausgabe. Wanderungen durch die Mark Brandenburg 2). Bd. 2, 196–211.

  47. 47.

    Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 16–30, 44–68. Vgl. Theodor Fontane: Die Märker und das Berlinertum. Ein kulturhistorisches Problem. In: ders.: Aus dem Nachlaß. Hg. Josef Ettlinger. Berlin 21908, 295–312, hier 305, 306 f., wo das »[Z]ynisch-[R]ücksichtslose« des kleinbürgerlichen Berliner ›Wesens‹, der »berlinische[ ] Räsonniercharakter« hervorgehoben, die »Nivellierungsepoche« um 1800 auf den mit Gotthold Ephraim Lessings Nathan (1779) in das »gebildete[ ] Bürgertum[ ]« eindringenden »berlinisch-jüdischen Geist« zurückgeführt wird. Das Nicht-Unterscheiden wird an diesem Punkt (allen nachfolgenden Lobpreisungen »gesellschaftliche[r] Gleichheit« [ebd., 309] zum Trotz) zumindest als Problem angedeutet, als ein Ärgernis der »Mittelmäßigkeit, Verschwommenheit und Trivialität« (ebd., 311), das dann vor allem im Stechlin (1898) zum Thema wird.

  48. 48.

    Fontane: Willibald Alexis, 254, 246. Vgl. Neuhaus: Zeitkritik im historischen Gewand?, 216.

  49. 49.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 192, 354.

  50. 50.

    Ebd., 356. Vgl. Fontanes Rezension einer Aufführung des Wilhelm Tell am Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt für die Vossische Zeitung, in der der eidgenössische Freiheitskampf in Parallele zum Deutsch-Französischen Krieg gesetzt, der »nationale[ ] Dichter« des ›Volks‹ für den »großen nationalen Moment[ ]« vereinnahmt wird: »Einer Situation, wie der gegenwärtigen, entspricht nichts besser als der Tell. Er enthält kaum eine Seite, gewiß keine Szene, die nicht völlig zwanglos auf die Gegenwart, auf unser Recht und unseren Kampf gedeutet werden könnte […].« (Theodor Fontane: Friedrich von Schiller – Wilhelm Tell [1870]. In: ders.: Theaterkritiken. Erster Band. 1870–1874. Hg. Siegmar Gerndt. Frankfurt a. M. u. a. 1979 [Werke und Schriften. Erinnerungen, ausgewählte Schriften und Kritiken 30], 5 f., hier 5.).

  51. 51.

    Vgl. ebd., 143–145.

  52. 52.

    Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 424 f.

  53. 53.

    Ebd., 71 f.

  54. 54.

    Ebd., 11.

  55. 55.

    Ebd., 14 f.

  56. 56.

    Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1918. 3 Bde. Neuausgabe München 2013. Bd. 1, 23.

  57. 57.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 258.

  58. 58.

    Wünsch: Politische Ideologie in Fontanes »Vor dem Sturm«, 179 f.

  59. 59.

    Achim von Arnim: Betrachtungen über die Verfassung des vormaligen Königreichs Westphalen [1817]. In: ders.: Werke. Hg. Roswitha Burwick u. a. 6 Bde. Frankfurt a. M. 1992. Bd. 6, 512–532, hier 513.

  60. 60.

    Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 490 f., die Auslassungen Bammes über das »[A]ufräumen« mit »dem alten Schlendrian«: »Es ist nichts mit den zweierlei Menschen. […] Mensch ist Mensch.« – Zu »Fontanes Konservatismus« vgl. Gerhart von Graevenitz: Theodor Fontane: ängstliche Moderne. Über das Imaginäre. Konstanz 2014, 52–82, der Fontanes politische Biografie vom Demokraten über den ›konstitutionellen‹ Konservativen und den hochkonservativen Kreuzzeitungs-Mann bis hin zu seiner Sympathie für die Christsozialen nachzeichnet. Vgl. auch Rainer E. Zimmermann: Fontanes konkrete Utopie eines brandenburgischen Preußen. In: Hanna Delf von Wolzogen u. a. (Hg.): Theodor Fontane. Berlin, Brandenburg, Preußen, Deutschland, Europa und die Welt. Würzburg 2014 (Fontaneana 13), 121–138, dessen Analyse einen Hinweis auf die Ständeordnung als politisches Modell des Romans gibt, ohne dieses in letzter Konsequenz zu verfolgen: »Faktisch übernehmen […] die Stände die monarchische Funktion.« (Ebd., 127) Stattdessen nimmt Zimmermann einen ›Abgrund‹ wahr zwischen der Monarchie und dem Volk, dessen Insurrektion nur dann sinnvoll sei, wenn sie in eine Republik münde. Dass es zwischen dem absolutistischen Staat des Ancien Régime und der demokratisch verfassten Republik noch andere Formen der Herrschaft gibt, entgeht auch ihm.

  61. 61.

    Dies wäre auch das »Gegenbild zur vorherrschenden Geschichtsschreibung«, das Fontane nach Otfried Keiler: Vor dem Sturm. Das große Gefühl der Befreiung und die kleinen Zwecke der Opposition. In: Christian Grawe (Hg.): Fontanes Novellen und Romane. Interpretationen. Stuttgart 1991, 13–43, hier 13 in Vor dem Sturm entwirft. – So weit wie zum Beispiel Friedrich August Ludwig von der Marwitz in seinem altständisch-reaktionären Antisemitismus und Antikapitalismus, wie er in der 1811 verfassten Letzten Vorstellung der Stände des Lebusischen Kreises an den König zum Ausdruck kommt, gehen dabei freilich weder der Roman noch seine Figuren. (Vgl. Friedrich August Ludwig von der Marwitz: Letzte Vorstellung der Stände des Lebusischen Kreises an den König, dem sich der Beeskow- und Storkowsche anschloß, und die auf dem Kreistage am 09. Mai zu Frankfurt wirklich durchging [1811]. In: ders.: Ein märkischer Edelmann im Zeitalter der Befreiungskriege. 3 Bde. Hg. Friedrich Meusel. Berlin 1913. Bd. 2/2, 3–23; vgl. dazu Bernhard Gölz: Altständischer Konservatismus und preußische Reformen: Ludwig von der Marwitz. In: Politische Vierteljahresschrift 25 [1984], 359–377.) Marwitz richtet sich insbesondere auch gegen die »Gleichmachung aller Stände« (Marwitz: Letzte Vorstellung der Stände, 19). Anvisiert wird in Vor dem Sturm ein Mittelweg zwischen Reaktion und Revolution, ein an ständischen Traditionen orientierter Weg der Reform. In seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg (1862–1889) bezeichnet Fontane Marwitz aufgrund seiner politischen Opposition vor allem gegen die Regierung Hardenberg als »rettenden Anker« des preußischen »Staatsschiffs« (Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. 2, 236). Fontane hat der Figur Berndts nichtsdestotrotz Züge von der Marwitz’ geliehen. Am ehesten lässt sich das politische Programm, das in Vor dem Sturm entworfen wird, auf der Linie der sogenannten Kreuzzeitungspartei des Generals Ludwig Friedrich Leopold von Gerlach verstehen, als ständische Position gegen Revolution und Absolutismus.

  62. 62.

    Bernd Witte: Ein preußisches Wintermärchen. Theodor Fontanes erster Roman Vor dem Sturm. In: Helmuth Nürnberger, Hanna Delf von Wolzogen (Hg.): Theodor Fontane. Am Ende des Jahrhunderts. 3 Bde. Würzburg 2000. Bd. 1, 143–155, hier 148.

  63. 63.

    Vgl. Sean Franzel: Cultures of Performance, Gender, and Political Ideology in Fontane’s Vor dem Sturm. In: Colloquia Germanica 41 (2008), 11–31.

  64. 64.

    Vgl. Gerhard Neumann: Vor dem Sturm. Fontanes diaphaner Realismus. In: Peter Uwe Hohendahl, Ulrike Vedder (Hg.): Herausforderungen des Realismus. Theodor Fontanes Gesellschaftsromane. Freiburg i. Br.. u. a. 2018 (Rombach Wissenschaft. Reihe Litterae 229), 23–43.

  65. 65.

    Vgl. Peter M. McIsaac: Embodying the Romantic Collector in Post-Romantic Writing. In: Seminar: A Journal of Germanic Studies 50 (2014), 314–331.

  66. 66.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 47, 99–101. Aber auch Seidentopf ist bei aller Problematik der Figur schließlich kein Extremist, wenn er im Trinkspruch Kaviar und Rheinwein, »slavische und germanische Welt« sich »vermähle[n]« (ebd., 121) lässt.

  67. 67.

    Ebd., 101. Vgl. Theodor Fontane: Gustav Freytag [1855/75]. In: ders.: Aufsätze und Aufzeichnungen. Aufsätze zur Literatur. Hg. Jürgen Kolbe. Frankfurt a. M. u. a. 1979 (Werke und Schriften. Erinnerungen, ausgewählte Schriften und Kritiken 28), 95–127, hier 104 f., wo er den »polemische[n]« »Germanismus« Gustav Freytags tadelt – also gerade die »Verzerrung« und »Ungerechtigkeit« der Darstellung, die Freytag in Soll und Haben [1855] trotz allem »Haß« und aller »praktische[n] Tendenz« doch vermeiden will (Gustav Freytag: Soll und Haben. Roman in sechs Büchern [1855]. München 1978, 10) –, wenngleich er Freytags Roman auch, etwa angesichts der »dem Untergange geweiht[en]« »Polenwirtschaft«, für »ebenso wahr[ ] wie […] schön« befindet. Einen Vergleich des von Fontane kritisierten Romanzyklus Die Ahnen mit Vor dem Sturm liefert Benedict Schofield: »Die Historie rückwärts durchmessen«. Geschichtsbilder und Geschichtsauffassungen bei Theodor Fontane und Gustav Freytag. In: Patricia Howe (Hg.): Theodor Fontane. Dichter des Übergangs. Beiträge zur Frühjahrstagung der Theodor Fontane Gesellschaft 2010. Würzburg 2013 (Fontaneana 10), 57–69.

  68. 68.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 223.

  69. 69.

    Ebd., 340, 342.

  70. 70.

    Vgl. Matthias Bickenbach: The Lady in White or the Laws of the Ghost in Theodor Fontane’s Vor dem Sturm. In: Andrew Cusack, Barry Murnane (Hg.): Popular Revenants. The German Gothic and Its International Reception, 1800–2000. Rochester, New York 2012 (Studies in German Literature, Linguistics, and Culture), 200–221.

  71. 71.

    Vgl. ebd., 200, 205.

  72. 72.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 333.

  73. 73.

    Vgl. nochmals Bickenbach: The Lady in White, 200–221.

  74. 74.

    Auch Renate »fehlen« am Ende »die Lieder und Sprüche« (Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 498), die religiösen Formen, durch die einmal – vor der Säkularisierung – Gemeinschaft hergestellt werden konnte.

  75. 75.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 332.

  76. 76.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 127.

  77. 77.

    Ebd., 132 f.

  78. 78.

    In dem bereits zitierten Aufsatz zu Willibald Alexis zählt Fontane Bürger, gemeinsam mit der »schottisch-englischen Ballade, dem Volksliede, mit den Romanciers des Mittelaters«, zu den Vorbildern des »Altromantiker[s]« Walter Scott, während der »Neuromantiker« Alexis in eine Linie mit Tieck und E.T.A. Hoffmann gestellt wird. Die ›echte‹, die »Altromantik« ist nach Fontane »ein Ewiges, das sich nahezu mit dem Begriff des Poetischen deckt«, sie ist »höchstes und frischestes Leben«, ist aus »Phantasie und Wahrheit […] geboren«; die ›falsche‹ »Neuromantik« dagegen ein obsoleter »Spuk«, eine exzentrische »Marotte«, »Mystik«, die »Begeisterung für ein Schemen, […] für etwas Unwirkliches und Rätselvolles« (Fontane: Willibald Alexis, 261 f.). Vgl. Zuberbühler: »Einmal/Lebt’ ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht«, 110: »Wahre Romantik ist für ihn [Fontane, C.G.] nur, was zwar in der Tradition der ›Altromantik‹ steht, aber gleichwohl einem neuzeitlichen Welt- und Menschenbild verpflichtet ist, wie das Walter Scott in seinen historischen Romanen exemplarisch vorgeführt hat.« Zu Fontanes Auseinandersetzung mit dem historischen Roman Scotts vgl. Heinz-Joachim Müllenbrock: Theodor Fontanes historischer Roman Vor dem Sturm und die Scottsche Gattungstradition. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift. N.F. 48 (1998), 365–373.

  79. 79.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 134. Zum Umgang mit dem Geistlichen Lied in Vor dem Sturm vgl. Sabine Gruber: »Aber nicht: ›O Haupt voll Blut und Wunden‹. Dies verbiete ich ausdrücklich«. Religiöse Tradition, Geistliches Lied und Gesangbuch in Fontanes »Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13«. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 41 (2002), 204–225.

  80. 80.

    Ebd., 224.

  81. 81.

    Ebd., 229. Vgl. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik I [1835–1838]. In: ders.: Werke. Hg. Eva Moldenhauer, Karl Markus Michel. 20 Bde. Frankfurt a. M. 152019. Bd. 13, 92–99.

  82. 82.

    Ebd., 232–234.

  83. 83.

    Ebd., 242.

  84. 84.

    Ebd., 243 f.

  85. 85.

    Ebd., 245–247. Vgl. Novalis: Geistliche Lieder [1802]. In: ders.: Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs. Hg. Paul Kluckhohn, Richard Samuel. 4 Bde. Stuttgart 21960. Bd. 1, 159–179, hier 165 f.

  86. 86.

    Ebd., 150 f. Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 141–144, wo das ›Poetische‹ nordischer Herrschernamen im Unterschied zum ›Unpoetischen‹ des abstrakten Zahlworts, mit dem neuzeitliche Regenten unterschieden werden, dadurch gekennzeichnet ist, dass es mit der präzisen und eindringlichen Bezeichnung zugleich ›Bilder‹ und Vorstellungen freisetzt.

  87. 87.

    Ebd., 151.

  88. 88.

    Ebd., 245.

  89. 89.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 224.

  90. 90.

    Ebd., 226.

  91. 91.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 244.

  92. 92.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 226 f. Vgl. Friedrich Hölderlin: An die Parzen [1798]. In: ders.: Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente in zeitlicher Folge. Bremer Ausgabe. Hg. D.E. Sattler. 12 Bde. München 2004. Bd. 6, 91 f.

  93. 93.

    Ebd., 227.

  94. 94.

    Ebd., 228.

  95. 95.

    Vgl. ebd., 419. Hansen-Grell »bewährt« damit »die Einheit von Leben und Kunst« (Zuberbühler: »Einmal/Lebt’ ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht«, 118.) und erinnert damit doch »fatal an den Mythos Theodor Körner« (Osinski: Romantikbilder und patriotische Gesinnung, 150).

  96. 96.

    Ebd., 491.

  97. 97.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 329.

  98. 98.

    Vgl. Ludwig Stockinger: Realpolitik, Realismus und das Ende des bürgerlichen Wahrheitsanspruchs. Überlegungen zur Funktion des programmatischen Realismus am Beispiel von Gustav Freytags Soll und Haben. In: Klaus-Detlef Müller (Hg.): Bürgerlicher Realismus. Grundlagen und Interpretationen. Königstein i.T. 1981, 174–202. – In Freytags Soll und Haben ist längst »eine andere Macht an die Stelle« der »Privilegien« des Adels getreten, nämlich »das Geld«. (Freytag: Soll und Haben, 10.)

  99. 99.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 32.

  100. 100.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 159 f.

  101. 101.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 216 f. Vgl. Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. 2, 230 f., die etwas abweichende Schilderung des Ereignisses, die Fontane der Lebensbeschreibung des Generalleutnants von der Marwitz entnimmt.

  102. 102.

    Ebd., 217.

  103. 103.

    Fontane: Willibald Alexis, 246.

  104. 104.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 142.

  105. 105.

    Vgl. Franz Kugler: Geschichte Friedrichs des Großen. Leipzig 1840; dazu Graevenitz: Theodor Fontane, 37–149.

  106. 106.

    Graevenitz: Theodor Fontane, 333.

  107. 107.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 221 f. Vgl. Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 300. – Constantin Stroop: Raum und Erzählen in Vor dem Sturm. Eine Mikroanalyse. In: Fontane Blätter 85 (2008), 103–114, hier 111 deutet den Tod Amelies vor dem Spiegel als Ausdruck mangelnder Identität im Persönlichen wie im Politischen, von »Selbstverfremdung und -untreue«.

  108. 108.

    Andrea MhicFhionnbhairr: Anekdoten aus allen fünf Weltteilen. The Anecdote in Fontane’s Fiction and Autobiography. Bern u. a. 1985 (Europäische Hochschulschriften 864), 79 f. bestimmt als eine von fünf Funktionen der Anekdote, eine Wahrheit herauszustellen. Nach Peter Kofler: Die Anekdote im Roman bei Theodor Fontane: Schach von Wuthenow, Graf Petöfy, Frau Jenny Treibel. In: Elmar Locher (Hg.): Die kleinen Formen in der Moderne. Innsbruck u. a. 2001 (Essay & Poesie 13), 79–101, hier 82 f. »erschließt« sie »Einsichten, die der Geschichtswissenschaft unzugänglich sind« und hinterfragt die »vermeintliche[ ] Evidenz des Faktischen«. Zur Verwendung der Anekdote bei Fontane vgl. außerdem Siegfried Hajek: Anekdoten in Theodor Fontanes Roman »Vor dem Sturm«. In: Jahrbuch der Raabe-Gesellschaft 20 (1979), 72–93; Bruce Kieffer: Fontane and Nietzsche: The Use and Abuse of History in Schach von Wuthenow. In: The Germanic Review 61/1 (1986), 29–35; Volker Weber: Anekdote. Die andere Geschichte. Erscheinungsformen der Anekdote in der deutschen Literatur, Geschichtsschreibung und Philosophie. Tübingen 1993 (Stauffenburg Colloquium 26).

  109. 109.

    Fontane: Gustav Freytag, 106.

  110. 110.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 1, 11 f.

  111. 111.

    Ebd., 12 f. Das Gegenteil zu den ihre Kronen einander zuneigenden Lindenbäumen ist eine alte Buche neben der Hohen-Vietzer Kirche, die in zwei Stämme auseineinanderwächst und den tödlichen Bruderzwist der Vitzewitze symbolisiert (vgl. ebd., 24 f.).

  112. 112.

    Ebd., 14.

  113. 113.

    Ebd., 29, 82, 87, 90. Zum Einklang politischer und religiöser Erneuerung in Vor dem Sturm vgl. Gerhard vom Hofe: Das Eintreten einer großen Idee. Zum Thema des Patriotismus in Fontanes Preußenroman »Vor dem Sturm«. In: »Was hat nicht alles Platz in eines Menschen Herzen …« Theodor Fontane und seine Zeit. Hg. Evangelische Akademie Baden. Karlsruhe 1993 (Herrenalber Forum 3), 32–61. Zur Figur der Marie vgl. auch Jürgen von Stackelberg: Der verschwiegene Fontane. Zur Figur der Marie in Vor dem Sturm. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift. N.F. 57 (2007), 357–363.

  114. 114.

    Ebd., 25, 91, 96 f.

  115. 115.

    Ebd., 97.

  116. 116.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 445 f.

  117. 117.

    Hier wird gewissermaßen unter der Hand der Erzählvorgang selbst in den Vordergrund gespielt und damit den eigenen Ansprüchen an den Roman, der eben »keine Episoden und Abschweifungen« duldet, noch nicht Genüge getan. In seinen Gustav-Freytag-Rezensionen 1855 und 1875 erklärt Fontane: »Man will die Hände des Puppenspielers nicht sehen.« (Fontane: Gustav Freytag, 98, 104.) Zur zeitgenössischen Rezeption von Vor dem Sturm vgl. auch Russel A. Berman: Narrative Digression and the Transformation of Nationhood in Vor dem Sturm. In: John B. Lyon, Brian Tucker (Hg.): Fontane in the Twenty-First Century. Rochester, New York 2019, 12–30, der die ›Heterogenität‹ und die ›Abschweifungen‹ des Romans allerdings als Teil einer innovativen »proto-modernist aesthetic agenda« sowie eines politischen Programms »for a more inclusive nation« liest (ebd., 16). Dass im Roman Seine Königliche Hoheit Prinz Ferdinand zu gleichem Recht kommt wie der Hohen-Vietzer Bauer im Dorfkrug, bedeutet jedoch nicht, dass die dargestellten gesellschaftlichen Gruppen wertfrei behandelt würden.

  118. 118.

    Uwe Hebekus: Klios Medien. Die Geschichtskultur des 19. Jahrhunderts in der historistischen Historie und bei Theodor Fontane. Tübingen 2003 (Hermaea. Germanistische Forschungen, Neue Folge 99), 180.

  119. 119.

    Nipperdey: Deutsche Geschichte, Bd. 3, 55–75.

  120. 120.

    Nipperdey: Deutsche Geschichte, Bd. 1, 680 f., 683.

  121. 121.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 423.

  122. 122.

    Michael Scheffel: Von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Theodor Fontane und die Folgen in Literatur, Politik und Wissenschaft. In: Fontane Blätter 91 (2011), 144–159, hier 156.

  123. 123.

    Theodor Fontane: Schach von Wuthenow. Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes [1882]. Bearb. Katrin Seebacher. Berlin 22021 (Große Brandenburger Ausgabe. Das erzählerische Werk 6), 84.

  124. 124.

    Ebd., 15 f., 18.

  125. 125.

    Vgl. Graevenitz: Theodor Fontane, 373.

  126. 126.

    Fontane: Schach von Wuthenow, 24.

  127. 127.

    Ebd., 24 f.

  128. 128.

    Vgl. Peter C. Pfeiffer: Tod, Entstellung, Häßlichkeit. Fontanes »Schach von Wuthenow«. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 113 (1994), 264–276, hier 267.

  129. 129.

    Fontane: Vor dem Sturm, Bd. 2, 213.

  130. 130.

    Fontane: Schach von Wuthenow, 44 f.

  131. 131.

    Ebd., 44.

  132. 132.

    Ebd., 7, 39.

  133. 133.

    Ebd., 71–73.

  134. 134.

    Ebd., 8.

  135. 135.

    Ebd., 49, passim.

  136. 136.

    Ebd., 26, passim.

  137. 137.

    Ebd., 69. Auch in dieser Charakterisierung durch den Prinzen stellt Victoire das Gegenbild zu Schach und Preußen dar, die sich mit der Formel Le beau, c’est le laid beschreiben ließen. Vgl. Sean Franzel: »Alles ist eitel«. Flüchtigkeit und Dauer in Schach von Wuthenow. In: Peter Uwe Hohendahl, Ulrike Vedder (Hg.): Herausforderungen des Realismus. Theodor Fontanes Gesellschaftsromane. Freiburg i. Br.. u. a. 2018 (Rombach Wissenschaft. Reihe Litterae 229), 59–84, hier 70.

  138. 138.

    Ebd., 77.

  139. 139.

    Ebd., 77 f. Schach erklärt Victoire zur »Mirabelle«, »Wunderhold«, dem Namen nach eine Kontamination des französischen Revolutionspolitikers und Autors erotischer Texte, Honoré Gabriel de Riqueti, comte de Mirabeau, mit Zacharias Werners »Prinzessin Wunderschön« (Friedrich Ludwig Zacharias Werner: Martin Luther, oder die Weihe der Kraft. Wien 21818, 258). Vgl. Michael Masanetz: »Historisch-romantisches Lüderlichkeitsmaterial«. Die intime Sittengeschichte der Hohenzollern und ihre Fiktionalisierung: Zu einer Neuinterpretation des Schach von Wuthenow. In: Hanna Delf von Wolzogen (Hg.): Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg im Kontext der europäischen Reiseliteratur. Würzburg 2003 (Fontaneana 1), 253–272, hier 271. Zur Deutung Victoires als »konkordant identische Gestalt« siehe auch Elfriede Aschauer: Sein, Bewusstsein und Lebenswelt. Studien zu Identitäten in ausgewählten Romanen Theodor Fontanes. Würzburg 2014 (Epistemata – Würzburger wissenschaftliche Schriften. Reihe Literaturwissenschaft 797), 110.

  140. 140.

    Pfeiffer: Tod, Entstellung, Häßlichkeit, 271.

  141. 141.

    Graevenitz: Theodor Fontane, 393.

  142. 142.

    Vgl. ebd., 373–394.

  143. 143.

    Ebd., 394.

  144. 144.

    Pfeiffer: Tod, Entstellung, Häßlichkeit, 272. Vgl. Horst Turk: Jahrhundertwenden bei Fontane. Perennierender Klassizismus und europäische Perspektivierung am Beispiel des Schach von Wuthenow. In: Runa 20 (1993), 81–94, hier 89.

  145. 145.

    Ralph Szukala: Victoire 1806, Preußen. Zur Spiegelschrift der Bildmotive in Theodor Fontanes Schach von Wuthenow. In: Giovanni Scimonello, Ralph Szukala (Hg.): In Bildern denken. Studien zur gesellschaftskritischen Funktion von Bildern. Bielefeld 2008, 137–153, hier 138, 150.

  146. 146.

    Fontane: Schach von Wuthenow, 159.

  147. 147.

    So jedenfalls, allerdings in Bezug auf Vor dem Sturm, Gruber: »Aber nicht: ›O Haupt voll Blut und Wunden‹«, 219.

  148. 148.

    Fontane: Schach von Wuthenow, 145 f.

  149. 149.

    Ebd., 156.

  150. 150.

    Ebd., 158.

  151. 151.

    Theodor Fontane: Die Poggenpuhls [1896]. Hg. Gabriele Radecke. Berlin 2006 (Große Brandenburger Ausgabe. Das erzählerische Werk 16), 32.

  152. 152.

    Fontane: Schach von Wuthenow, 159.

  153. 153.

    Fontane: Die Poggenpuhls, 33.

  154. 154.

    Michael Scheffel: Formen selbstreflexiven Erzählens. Eine Typologie und sechs exemplarische Analysen. Tübingen 1997 (Studien zur deutschen Literatur 145), 161. – Zum literarischen Produktionsprinzip Fontanes vgl. auch Petra S. McGillen: The Fontane Workshop. Manufacturing Realism in the Industrial Age of Print. New York u. a. 2019 (New Directions in German Studies 26).

  155. 155.

    Michael Scheffel: Auto(r)reflexion in Theodor Fontanes Die Poggenpuhls. In: Fontane Blätter 65–66 (1998), 346–363, hier 346. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Berliner Wohnung gerade in der Großgörschenstraße befindet, die Wohnung in dieser Straße u. a. wegen dieses kriegsgeschichtlich bedeutsamen Namens gewählt wurde: Die Schlacht bei Großgörschen war die erste der Befreiungskriege und endete mit einer Niederlage der verbündeten russischen und preußischen Truppen.

  156. 156.

    Vgl. Hubertus Fischer: Fontane im Dreikaiserjahr. In: Fontane Blätter 74 (2002), 78–98.

  157. 157.

    Elisabeth Strowick: Gespenster der Realismus. Zur literarischen Wahrnehmung von Wirklichkeit. Paderborn 2019, 289.

  158. 158.

    Scheffel: Auto(r)reflexion, 355 f.

  159. 159.

    Fontane: Die Poggenpuhls, 20.

  160. 160.

    Scheffel: Auto(r)reflexion, 356. Vgl. ders.: Formen selbstreflexiven Erzählens, 173.

  161. 161.

    Fontane: Die Poggenpuhls, 113.

  162. 162.

    Vgl. Sarah Nienhaus: Die Tonalität gesetzter Zeichen. Die Funktion der typographischen Klammer in Theodor Fontanes Roman Der Stechlin. In: Fontane Blätter 104 (2017), 46–68.

  163. 163.

    Vgl. hierzu Rolf Zuberbühler: Pastor Lorenzen und der christliche Sozialismus. In: Hanna Delf von Wolzogen, Hubertus Fischer (Hg.): Religion als Relikt? Christliche Traditionen im Werk Fontanes. Würzburg 2006 (Fontaneana 5), 135–156.

  164. 164.

    Vgl. Graevenitz: Theodor Fontane, 638–703.

  165. 165.

    Vgl. ebd., 662.

  166. 166.

    Vgl. Carsten Rast: Zeitoasen. Literarische Verlangsamung im Realismus bei Stifter, Raabe und Fontane. Freiburg i. Br.. u. a. 2018 (Rombach Wissenschaft. Reihe Litterae 232).

  167. 167.

    Theodor Fontane: Der Stechlin [1897/98]. Hg. Klaus-Peter Möller. Berlin 42021 (Große Brandenburger Ausgabe. Das erzählerische Werk 17), 17.

  168. 168.

    Graevenitz: Theodor Fontane, 675.

  169. 169.

    Fontane: Der Stechlin, 5.

  170. 170.

    Ebd., 78.

  171. 171.

    Magnus Schlette: Fontanes Adelstypologie im Stechlin. Eine Untersuchung ihres sozialgeschichtlichen Gehalts. In: Literatur für Leser 22 (1999), 127–143, hier 133, 129 f. Vgl. auch Ernest Schonfield: Wirtschaftlicher Strukturwandel in Der Stechlin. In: Patricia Howe (Hg.): Theodor Fontane. Dichter des Übergangs. Beiträge zur Frühjahrstagung der Theodor Fontane Gesellschaft 2010. Würzburg 2013 (Fontaneana 10), 91–108.

  172. 172.

    Fontane: Der Stechlin, 7.

  173. 173.

    Ebd.

  174. 174.

    Ebd., 8.

  175. 175.

    Ebd., 55, 57.

  176. 176.

    Ebd., 8.

  177. 177.

    Ebd., 9.

  178. 178.

    Ebd., 8, 10, 29.

  179. 179.

    Ebd., 14.

  180. 180.

    Ebd., 49, 51.

  181. 181.

    Ebd., 25, 43, 77.

  182. 182.

    Nipperdey: Deutsche Geschichte, Bd. 1, 716 f.

  183. 183.

    Vgl. Fontane: Der Stechlin, 109, 74 f., 100–103, 113 f.

  184. 184.

    Ebd., 313. Vgl. Erich Meuthen: Poesie des Neben-Sächlichen. Über Fontanes Stechlin und die Kunst der Rede. In: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 38 (1994), 147–170.

  185. 185.

    Vgl. ebd., 80, 136.

  186. 186.

    Ebd., 34. Vgl. ebd., 186, 188.

  187. 187.

    Ebd., 459.

  188. 188.

    Ebd., 87.

  189. 189.

    Schlette, Fontanes Adelstypologie im Stechlin, 141. Auch der so häufig zitierte ›Zusammenhang der Dinge‹, den der Stechlin-See symbolisiert, ist im Roman nicht gegeben: Weder reagiert dieser auf den sich ankündigenden Ausbruch des Vesuv noch erfahren Woldemar und Armgard auf ihrer Hochzeitsreise von der Krankheit Dubslavs, von seinem Sterben erst zu spät (vgl. Fontane: Der Stechlin, 456 f.). Von einer »großen sympathetischen«, einer »natürliche[n], Bedeutung schaffende[n] Ordnung«, wie Eric Downing: Sprachmagie, Stimmung und Geselligkeit. Überschreitungen des Realismus in Fontanes Stechlin. In: Peter Uwe Hohendahl, Ulrike Vedder (Hg.): Herausforderungen des Realismus. Theodor Fontanes Gesellschaftsromane. Freiburg i. Br.. u. a. 2018 (Rombach Wissenschaft. Reihe Litterae 229), 271–295, hier 273 schreibt, kann also nicht die Rede sein. Die gesellschaftsbildende ›Kraft‹ der ›Geselligkeit‹, die Downing im Anschluss an Georg Simmel: Die Geselligkeit (Beispiel der Reinen oder Formalen Soziologie). In: ders.: Grundfragen der Soziologie (Individuum und Gesellschaft). Berlin 31970, 48–68 für den Roman fruchtbar zu machen unternimmt, zeigt sich doch vornehmlich in ihrer »Fragilität«, im »Auseinanderbrechen der gemeinsamen Sprache« (Downing, Sprachmagie, 288): im beständig drohenden Scheitern des Gesprächs und den permanenten Anstrengungen der Figuren, es nicht gänzlich abreißen zu lassen. Ein konkreter Entwurf »eine[r] andere[n] Möglichkeit von Geschichte und Gesellschaft«, »einer anderen Wirklichkeit« (Herbert Kaiser: Fontanes »Stechlin« lesen. Interpretation als Aufbau des »großen Zusammenhangs der Dinge«. Eine Anregung für den Literaturunterricht. In: Literatur für Leser 11 [1988], 188–217, hier 188 f.) ergibt sich daraus noch nicht.

  190. 190.

    Fontane: Der Stechlin, 462, 446, 448.

  191. 191.

    Ebd., 289.

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Gardian, C. (2024). ›Falsche‹ und ›echte‹ Romantik. Theodor Fontane. In: Romantischer Realismus. Abhandlungen zur Literaturwissenschaft. J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-68964-6_7

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