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Die »organisierte Form des Verschwindens« – Wüste als Experimentalraum in Christoph Ransmayrs Strahlender Untergang. Ein Entwässerungsprojekt oder Die Entdeckung des Wesentlichen

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Entleerte Räume

Part of the book series: Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ((KSDG,volume 9))

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Zusammenfassung

Strahlender Untergang erschien 1982 als Auftragsarbeit der Wiener Edition Brandstätter und wurde vom S. Fischer Verlag im Jahr 2000 mit dem wiederhergestellten Zeilenfall, in dem Christoph Ransmayr seinen Erzähltext ursprünglich verfasst hatte, neu aufgelegt. Mit dem erzählten Verschwinden des Menschen antizipiert das Debüt ein Thema, das auch Ransmayrs spätere Romane durchzieht. Im Experimentalraum der Tanezrouft-Wüste, die zum Setting des Verschwindens wird, zeichnet sich die literarische Auseinandersetzung mit den Formen und Strategien wissenschaftlicher wie auch ästhetischer Weltzugänge ab. In die Verhandlung des Verhältnisses von Natur und Mensch in der Moderne ist dabei nicht nur eine Reflexion der Episteme eingelassen, die sich aus dem Vergleich der Neuen Wissenschaft mit der »alte[n] Forschung« (SU 20) ergibt. Vielmehr zeichnen sich auch eine selbstreflexive Formsprache und die Entfaltung eines Erzählverfahrens ab, das an die Wüste als Sinnbild der Virtualität anschließt. Strahlender Untergang entwickelt mit der »organisierte[n] Form des Verschwindens« (SU 36) eine Denkfigur, die das paradoxale Verhältnis von Absenz und Präsenz in einem Zwischenraum verhandelt, der eine Materialität in Bewegung verhandelt. In diesem Zusammenhang führen die poetische Bildgenese und deren näher zu bestimmender Effekt nicht nur in die Selbstreferenz der Literatur, sondern auch über einen ›abwesenden‹ Körper, der sich im Verschwinden als materieller Bezugspunkt einer Ästhetik der Absenz herstellt. Am Körper der Probandenfigur materialisiert sich die Vorstellung der Gleichzeitigkeit von physikalischer und kultureller Komplexität.

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Notes

  1. 1.

    Ransmayr: Bericht am Feuer, S. 51. Die Fotografien von Willy Puchner zeigen großflächig menschenleere Naturaufnahmen, die Variationen von Lichtverhältnissen darstellen: Zu sehen sind Bilder der untergehenden Sonne, Sonnenspiegelungen im Wasser sowie der Einfall des Sonnenlichts auf Gebäuden, Eis- und andere Landschaftsformationen. Im Nachwort zu Strahlender Untergang spielt Puchner auf das Unsichtbare, Unfassbare und Unsagbare als Bezugspunkt seiner Fotografien an und kommentiert diese wie folgt: »Ich erinnere mich an Bilder, die ich vor kurzem gesehen habe – ein Sonnenuntergang hinter dem Horizont des Mars, ein Erdaufgang über der Mondlandschaft. […] Es fallen mir wieder Bilder des wissenschaftlichen Berichtes ein. Das Abbild eines riesigen Fernrohres mit einem 5-m-Spiegel. Unter dieser Fotografie stand, daß man mit diesem Teleskop allein im Sternbild des Großen Bären mehr als 100 Mio. Sterne unterscheiden könne. Ich denke: Ein Stern ist eine Sonne und ein Planet ist eine Kugel, um das ganz zu vereinfachen. Es ist nicht faßbar. Die Sonne strahlt mir ins Gesicht. […] Ich habe Zeit. Ich nehme die Kamera und versuche das zu fotografieren, was sich mit Worten nicht beschreiben und mit Bildern nicht ausdrücken läßt.« (Puchner/Ransmayr: Strahlender Untergang, o. S.).

  2. 2.

    Ransmayr: Strahlender Untergang, S. 13. Strahlender Untergang wird im Folgenden mit der Sigle ›SU‹ und Seitenzahl im Haupttext nachgewiesen. Beim zitierten Text handelt es sich um die im S. Fischer Verlag erschienene Neuauflage aus dem Jahr 2000. Meiner Studie lege ich die Neuauflage zugrunde, da sie den Zeilenfall, in dem Christoph Ransmayr seinen Erzähltext ursprünglich verfasst hatte, wiederherstellt.

  3. 3.

    Ransmayr: Bericht am Feuer, S. 51.

  4. 4.

    In der Forschung hat das intermediale Verhältnis von Text und Bild in der bei Brandstätter veröffentlichten Erstauflage von Strahlender Untergang bislang kaum Berücksichtigung gefunden. Eine Ausnahme bildet Achim Küppers Forschungsbeitrag über das Verhältnis von Schrift und Bild. Küpper zufolge ist Schrift und Bild gemeinsam, dass sie ein »visuelles Medium der Fixierung« (Küpper: Schrift und Bild im Horizont des Liquiden, S. 484) darstellen, sie also als druckförmige Produkte zur Stasis neigen. Was die Medien Schrift und Bild in der Brandstätter-Ausgabe wiederum jeweils fixieren, ist recht verschieden: Während der Text die histoire in die Wüste verlegt und diese zum Setting für das Verschwinden des Menschen macht, greifen Puchners Naturfotografien das Motiv der Sonne zwar auf, binden dieses jedoch nicht an die fotografische Darstellung von Wüstenformationen – tatsächlich lichten die Bilder nicht ein einziges Mal eine Sandwüste ab –, sondern zeigen Lichtreflexionen überwiegend im Zusammenspiel mit Landschaftsformationen, vor allem mit Wasserquellen. Auf diese Weise ergibt sich im Kontext der Text-Bild-Beziehung in Strahlender Untergang ein Irritationspotenzial, das dadurch verstärkt wird, dass die menschenleeren Fotografien einen romantisierten Blick auf die Natur zu erkennen geben, der auf den Diskursebenen des Textes nicht erkennbar wird (vgl. ebd., S. 491). Mit ihrem Interesse an menschenleeren Naturräumen lichten die Bilder Küpper zufolge von Beginn an einen ›Zustand‹ ab, auf den das Projekt der Neuen Wissenschaft hinarbeitet: die Abwesenheit des Menschen (vgl. ebd., S. 493).

  5. 5.

    Als Grund, weshalb der Erzähltext bei Brandstätter nicht mit Versifikation und in Strophenform erschien, gibt Ransmayr an, dass die »Zeilenlängen […] nicht zum Format des Bildbandes« (Ransmayr: Bericht am Feuer, S. 51) gepasst hätten. Die Änderung der Form für die Neuauflage des Erzähltextes hat Ransmayr auch in einer dem Text selbst vorangestellten »Notiz zur Neuauflage« kommentiert. »Natürlich ist die Versuchung groß«, schreibt Ransmayr, »diesen Untergang jetzt und möglicherweise für immer abzuschließen, in achtzehn Jahren lernt auch ein Erzähler dazu, und tatsächlich kann ich an vier, fünf Stellen nicht widerstehen, streiche hier ein Wort, ändere Kursivsetzungen und stelle insgesamt den Zeilenfall des ursprünglichen Manuskriptes wieder her …« (SU 5; Hervorh. im Orig.)

  6. 6.

    Werle: Christoph Ransmayrs Poetik der Zeitlosigkeit, S. 159.

  7. 7.

    Unter den Forschungsbeiträgen, die Ransmayrs Debüt mit einer ausführlicheren Untersuchung bedenken, sind hervorzuheben: Mosebach: Endzeitvisionen im Erzählwerk Christoph Ransmayrs; Küpper: Schrift und Bild im Horizont des Liquiden; Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab; Fetz: Das unmögliche Ganze, S. 322–334; Fröhlich: Literarische Strategien der Entsubjektivierung, S. 47–52; sowie Spitz: Erfundene Welten – Modelle der Wirklichkeit, S. 133–136.

  8. 8.

    Auch Attila Bombitz konstatiert in seinen knappen Ausführungen zu Strahlender Untergang eine solche Präfigurierung von zentralen Themen und Motiven für Ransmayrs Romane. Vgl. Bombitz: Spielformen des Erzählens, S. 77 f.

  9. 9.

    In Atlas eines ängstlichen Mannes ist jeder Geschichte ein Ort zugeordnet. Über diese Orte schreibt Ransmayr in seiner Vorbemerkung: »In den siebzig Episoden dieses Atlas ist ausschließlich von Orten die Rede, an denen ich gelebt, die ich bereist oder durchwandert habe […].« (Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes, S. 7; Hervorh. im Orig.)

  10. 10.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 107.

  11. 11.

    Für Ransmayrs Reportagen vgl. Ransmayr: Der Weg nach Surabaya. In der Zeit von 1987 bis 1985 schrieb Ransmayr mehrere Reportagen für Zeitschriften wie Geo und Merian: Texte, die Bernhard Fetz zufolge bereits sein literarisches Schreiben präfigurierten: »Die Reportage wurde zum Medium der literarischen Erzählung. An ihr schärfte sich der Blick für die abseits der zivilisatorischen Hauptstraßen liegenden Dinge und für Menschen […].« (Fetz: Stichwörter zu einer Poetik der Erzählung bei Christoph Ransmayr, S. 65) Vgl. dazu auch Ders.: Das unmögliche Ganze, S. 322–334.

  12. 12.

    Fetz: Stichwörter zu einer Poetik der Erzählung bei Christoph Ransmayr, S. 66.

  13. 13.

    Telge: Erste Sätze, S. 170.

  14. 14.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 10 f. (Hervorh. im Orig.)

  15. 15.

    Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, S. 16.

  16. 16.

    Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab, S. 29 (Hervorh. im Orig.).

  17. 17.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 102 (Hervorh. im Orig.). Der Band Geständnisse eines Touristen ist mit dem Untertitel Ein Verhör versehen und basiert auf Interviews, die verschiedene Zeitungen mit Ransmayr geführt haben. Diese verwandelt Ransmayr in die Form einer spielerischen Selbstbekundung und durchmisst Facetten und (Entstehungs-)Kontexte seines Schreibens aus der Erzählposition eines Touristen.

  18. 18.

    Vgl. Nitzke: Widerständige Naturen, S. 21. Solvejg Nitzke untersucht in ihrer instruktiven Studie zu Christoph Ransmayrs Poetik der Eigenzeiten (2018), so der Untertitel, ausgewählte Romane und macht in diesem Zusammenhang auf »die prekär gewordene Beziehung von Mensch und Natur« aufmerksam, die Ransmayr »offensiv durch die Konfrontation ihrer jeweiligen Eigenzeiten« vermittle (ebd., S. 8).

  19. 19.

    Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab, S. 27.

  20. 20.

    In der Forschung zu Ransmayrs Œuvre wurde nicht nur das Motiv des Untergangs diskutiert, so etwa von Mosebach: Endzeitvisionen im Erzählwerk Christoph Ransmayrs; sowie von Sicks: Poetik des Untergangs. Auch wurde das Verschwinden zunehmend in den Fokus der Untersuchung gestellt. Vgl. zu Letzterem insbesondere Dippel: Inszenierungen des Verschwindens; sowie Fröhlich: Literarische Strategien der Entsubjektivierung.

  21. 21.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 80 f.

  22. 22.

    Stockhammer: Konjunktur der Landvermesser in der Gegenwartsliteratur, S. 88.

  23. 23.

    Zum Begriff des ›Unraums‹ vgl. Abschn. 2.1.2 in der vorliegenden Studie.

  24. 24.

    Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab, S. 36.

  25. 25.

    Bachelard: Poetik des Raumes, S. 204.

  26. 26.

    Welsch: Ästhetisches Denken, S. 16 (Hervorh. im Orig.).

  27. 27.

    An anderer Stelle in Strahlender Untergang heißt es ganz ähnlich: »Die Leblosigkeit, / die Reinheit / der geschaffenen [Hervorh. K. S.] Landschaft / ist unabdingbare Voraussetzung.« (SU 42)

  28. 28.

    Deleuze/Guattari: Was ist Philosophie?, S. 239.

  29. 29.

    Zum Konzept der ›Immanenzebene‹ vgl. Abschn. 2.1.2; zur geophilosophischen Vorstellung von ›Terra‹ und ›Territorium‹ vgl. Abschn. 3.3 in der vorliegenden Studie. Zur Analogie von ›Immanenzebene‹ und ›Erde‹ bzw. ›Terra‹ sowie von Begriff und ›Territorium‹ vgl. zudem Schweitzer: Topologien der Kritik, S. 69: »Geophilosophie stellt das Denken in Beziehung zu Territorium und Terra, und der Begriffskonstruktivismus spiegelt sich in dieser Auffassung wider. Begriffe sind Territorien bzw. territoriale Gefüge, die sich auf einer Ebene, der Immanenzebene als ihrer Terra oder Erde, befinden.«

  30. 30.

    Berressem: Ökologik|Ökosophie, S. 11.

  31. 31.

    Das Verhältnis von Literatur und Experiment bildet einen zentralen Forschungszweig, für den eine Reihe von Publikationen hervorzuheben sind, so z. B. Gamper (Hg.): Experiment und Literatur; Gamper/Wernli/Zimmer (Hg.): »Es ist nun einmal zum Versuch gekommen«; Dies. (Hg.): »Wir sind Experimente: wollen wir es auch sein!«; Pethes: Zöglinge der Natur; sowie Krause/Pethes (Hg.): Literarische Experimentalkulturen.

  32. 32.

    Krause/Pethes: Zwischen Erfahrung und Möglichkeit, S. 10.

  33. 33.

    Ebd., S. 14 (Hervorh. im Orig.). Die Möglichkeiten für Anschlüsse spezifizieren Marcus Krause und Nicolas Pethes wie folgt: »Experiment kann einerseits die empirische Beobachtung der Natur, andererseits den kontrollierten Eingriff in die Natur meinen; einerseits in seinem klassischen Sinne den Beweis eines Sachverhaltes und das Ausprobieren einer Hypothese, andererseits in seinem modernen Verständnis die Eröffnung eines Möglichkeitsraumes und ergebnisoffene, zu differentieller Reproduktion fähige Versuchssysteme.« (Ebd.)

  34. 34.

    Vgl. ebd., S. 15. Krause/Pethes betrachten eben »diese Annahme, das Experiment sei ein Medium der Beobachtung zweiter Ordnung, das Aktualität und Potentialität unterscheidet«, als wegweisend, um das Experiment »als gleichermaßen wissenschaftliche und literarische Kategorie« bezeichnen zu können (ebd., S. 14).

  35. 35.

    Ebd., S. 16.

  36. 36.

    Ebd.

  37. 37.

    Ebd.

  38. 38.

    Nitzke: Widerständige Naturen, S. 40.

  39. 39.

    Vgl. dazu auch Fröhlich: Europadiskurse im Werk Christoph Ransmayrs, S. 122: »Wissenschaft als inthronisiertes Mittel der Aufklärung ist hier zum Selbstzweck verkommen und dient nur mehr der Herrschaft. Ransmayr entlehnt seine Argumentation bis in die Begrifflichkeit und Metaphorik hinein Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung [].« (Hervorh. im Orig.) Der Zugang über Max Horkheimer und Theodor W. Adornos Dialektik der Aufklärung (1944) wird in der vorliegenden Studie nicht verfolgt.

  40. 40.

    Mosebach: Endzeitvisionen im Erzählwerk Christoph Ransmayrs, S. 78.

  41. 41.

    Fetz: Das unmögliche Ganze, S. 322.

  42. 42.

    Zur Bedeutung der zitierten Wendung in Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis vgl. Abschn. 6.2 in der vorliegenden Studie.

  43. 43.

    Böhme: Einführung, S. 26.

  44. 44.

    Kamper: Ästhetik der Abwesenheit, S. 28.

  45. 45.

    Ebd., S. 29.

  46. 46.

    Auf die naheliegende intertextuelle Verbindung von Ransmayrs Strahlender Untergang und Franz Kafkas Erzählung Bericht für eine Akademie hat auch Fetz hingewiesen. Vgl. Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab, S. 37 f.; sowie Ders.: Das unmögliche Ganze, S. 331 f.

  47. 47.

    Kafka: Ein Bericht für eine Akademie, S. 312.

  48. 48.

    Ebd., S. 313.

  49. 49.

    Zum Posthumanismus vgl. weiterführend Pethes: Posthumanismus. Martin Kurthen unterscheidet einen normativen und einen deskriptiven Zugriff auf den Begriff des ›Posthumanismus‹: »Im normativen Sinne wäre ein Posthumanist derjenige, der die Ankunft der Posthumanen guthei[ß]t und sie begünstigen oder gar herbeiführen möchte.« (Kurthen: Weißer und schwarzer Posthumanismus, S. 14) Dementsprechend ist solch ein Ansatz nicht kulturkritisch, sondern erweist sich im Gegenteil als eine äußerst »affirmative Haltung zum Posthumanen« und unternimmt »deren theoretische Unterfütterung« (ebd.). Demgegenüber erscheint ein deskriptiver Ansatz wissenschaftlich weitaus tragfähiger, indem er etwa nach dem »bestimmende[n] Merkmal des Humanen« und seiner »Modifikation« für das Posthumane fragt (ebd., S. 15). Zu einem Kritischen Posthumanismus vgl. besonders Braidotti: Posthumanismus.

  50. 50.

    Achim Geisenhanslüke hat zu Michel Foucaults Nietzsche-Referenz auf den ›Tod Gottes‹ kritisch angemerkt: »In einer Unmittelbarkeit und Direktheit, die sich in dieser Form aus Nietzsches Philosophie sicherlich nicht begründen läßt, leitet Foucault das Verschwinden des Menschen vom Tod Gottes im Zarathustra ab. Im Zentrum von Foucaults eklektizistischer Nietzschelektüre steht die Erfahrung des Verschwindens des Menschen in der Leere des Seins, von der aus das zeitgenössische Denken zu neuen Ufern aufbrechen kann.« (Geisenhanslüke: Foucault und die Literatur, S. 178; Hervorh. im Orig.)

  51. 51.

    Foucault: Die Ordnung der Dinge, S. 462.

  52. 52.

    Ebd., S. 380.

  53. 53.

    Ebd., S. 462 (Hervorh. im Orig.).

  54. 54.

    Ebd., S. 412.

  55. 55.

    Geisenhanslüke: Foucault und die Literatur, S. 178.

  56. 56.

    Dotzler/Schmidgen: Einleitung, S. 10 f. (Hervorh. im Orig.)

  57. 57.

    Mosebach: Endzeitvisionen im Erzählwerk Christoph Ransmayrs, S. 62.

  58. 58.

    Ebd., S. 73 (Hervorh. im Orig.).

  59. 59.

    Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab, S. 29.

  60. 60.

    Böhme: »Nur leerer Raum und Schatten«, S. 88.

  61. 61.

    Schmitz-Emans: Die Wüste als poetologisches Gleichnis, S. 129.

  62. 62.

    Für eine ausführliche »Genealogie der abendländischen Wüstenvorstellungen in der Literatur von der Antike bis zur Gegenwart« vgl. insbesondere Lindemann: Die Wüste.

  63. 63.

    Schmitz-Emans: Die Wüste als poetologisches Gleichnis, S. 129.

  64. 64.

    Vgl. ebd., S. 128 f.

  65. 65.

    Nicht nur die Rede der Neuen Wissenschaft konfrontiert die Zuhörer mit der möglichen Einschätzung des Projekts als »Unfug« (SU 15). Die Sinnhaftigkeit des Projekts stellt auch das »Fragment eines Fernschreibens« in Frage, wenn es vom Ende einer Karawane in der Wüste berichtet: »Im Jahre 1809, ein bemerkenswertes Beispiel für die / Unwirtlichkeit dieser Geröll- und Sandlandschaft, / habe man hier die teils verwesten, / teils mumifizierten Überreste von zweitausend Mann / und eintausendachthundert Kamelen gefunden – / Schlußbild einer großartigen Karawane, / die sich vergeblich um den Transport der Salzplatten / von Taoudenni nach den Märkten des Nordens / bemüht hatte.« (SU 12)

  66. 66.

    Serres: Die fünf Sinne, S. 156.

  67. 67.

    Kamper: Ästhetik der Abwesenheit, S. 28.

  68. 68.

    Welsch: Ästhetisches Denken, S. 32 f.

  69. 69.

    Kamper: Ästhetik der Abwesenheit, S. 29.

  70. 70.

    Zur Fußgängerfigur nach Michel de Certeau vgl. ausführlicher Abschn. 3.2.3 in der vorliegenden Studie.

  71. 71.

    Vgl. Nitzke: Widerständige Naturen, S. 37–41. Nitzke hält in ihrer Studie im Rekurs auf W. G. Sebalds These einer literarischen Diskursivierung der ›unheimlichen Heimat‹ bei österreichischen Gegenwartsautoren wie Thomas Bernhard, Christoph Ransmayr und Gerhard Roth fest (vgl. dazu Sebald: Unheimliche Heimat), dass für Ransmayrs ›Poetik der Eigenzeiten‹ eine Hinwendung zu einer prekär gewordenen Heimat und Natur zu beobachten sei, die sich nicht mehr miteinander aufrechnen ließen. »Vielmehr«, so Nitzke, »setzen Ransmayrs Texte Naturbegegnungen im Zwischenraum von ›unheimlicher‹ und ›unnatürlicher‹ Heimat in Szene« (ebd., S. 39).

  72. 72.

    Mit der Bezeichnung eines ›heimatlichen Nahverhältnisses‹ schließe ich an Sebald an, der davon ausgeht, dass der Begriff der ›Heimat‹ »in reziprokem Verhältnis zu dem, worauf er sich bezieht«, steht: »Je mehr von der Heimat die Rede ist, desto weniger gibt es sie.« (Sebald: Unheimliche Heimat, S. 12) Auf ein solches Verhältnis wurde auch an anderer Stelle in der Forschung hingewiesen, so etwa von Gunter Gebhard, Oliver Geisler und Steffen Schröter, die Heimat strukturell anhand der »Trias Verlust – Distanzierung – Reflexion« (Gebhard/Geisler/Schröter: Heimatdenken, S. 11; Hervorh. im Orig.) bestimmen.

  73. 73.

    Die Unverfügbarkeit der Gegenwart hat Metin Genç systemtheoretisch wie folgt erläutert: »Jede gegenwärtige Operation, die Gegenwart beobachtet, ist für ihre eigene akute Gegenwart blind, denn operativ ist jede Gegenwart, derer ein System gegenwärtig ist, bereits um eine Stelle im Gefüge der ›aktuell/inaktuell-Skala‹ verschoben. Jede Operation ist in diesen Verschiebemechanismus involviert und treibt ihn weiter. Ganz exakt formuliert ist die Operativität des Systems dieser Mechanismus.« (Genç: Ereigniszeit und Eigenzeit, S. 37; Hervorh. im Orig.)

  74. 74.

    Vgl. dazu auch Kamper: Ästhetik der Abwesenheit, S. 60.

  75. 75.

    Diesen Gedanken impliziert auch Fetz seiner Argumentation, wenn er schreibt: »Strahlender Untergang, die erste Buchveröffentlichung Christoph Ransmayrs, macht Tabula rasa.« (Fetz: Das unmögliche Ganze, S. 322; Hervorh. im Orig.)

  76. 76.

    Kuni: Die Wüste als Ort der Kunst, S. 102.

  77. 77.

    Lindemann: »Passende Wüste für Fata Morgana gesucht«, S. 94 (Hervorh. im Orig.).

  78. 78.

    Zum ›Intervall‹ vgl. Abschn. 4.3 in der vorliegenden Studie.

  79. 79.

    Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, S. 16.

  80. 80.

    Zum haptischen Raum und nahsichtigen Sehen nach Gilles Deleuze und Félix Guattari vgl. Abschn. 3.3.4 in der vorliegenden Studie.

  81. 81.

    Vgl. dazu auch Massumi: Parables for the Virtual, S. 144.

  82. 82.

    Vgl. ebd.

  83. 83.

    Experimente zum Ganzfeld wurden in der US-amerikanischen experimentellen Psychologie durchgeführt, waren aber bereits zuvor Gegenstand der deutschen Gestaltpsychologie. Wolfang Metzger etwa hat solch ein Experiment in »Optische Untersuchungen zum Ganzfeld« (1930) dokumentiert. Der Versuchsaufbau beinhaltete einen Probanden, der auf eine weiße, für das Gesichtsfeld von einem Lichtprojektor vollständig ausgeleuchtete Wand blickte. Vgl. Metzger: Optische Untersuchungen am Ganzfeld.

  84. 84.

    Vgl. dazu ebd., S. 9: »Die Raumbegrenzung plötzlich ganz anschaulich sich auflösen zu sehen, ist ein ausgesprochen unangenehmes Erlebnis, schwindelartig: Der Raum saugt sich förmlich um den Beobachter; eine Art Schwund der Umwelt wird erlebt, nicht eine gleichgültige Umformung. Die Augen suchen unwillkürlich nach etwas Festem, einem Haltepunkt, der den Schwund verhindert.«

  85. 85.

    Vgl. ebd., S. 13: »In dem Augenblick, wo die letzte Inhomogenität wegfällt, wird es gleichgültig, von welcher Natur die Lichtquelle ist. Ob der Beobachter sich vor einer nahen oder fernen, einer ebenen oder gekrümmten Fläche befindet oder in einem wirklichen Nebel, das Erlebnis muß immer dasselbe sein: Er schwimmt in einem Lichtnebel, der sich in unbestimmter Entfernung verdichtet.«

  86. 86.

    Vgl. Massumi: Parables for the Virtual, S. 145 f.

  87. 87.

    Ebd., S. 145.

  88. 88.

    Vgl. dazu auch ebd., S. 145: »What began as a procedure of reduction and recombination of a field of experience ended as an exercise in its disappearances through empirical self-abstraction.« (Hervorh. im Orig.)

  89. 89.

    Ebd., S. 147.

  90. 90.

    Ebd., S. 146 (Hervorh. im Orig.).

  91. 91.

    Vgl. ebd.: »In physics, the vacuum is the random coming into and out of existence of all possible particles, excluding only stability.«

  92. 92.

    Ebd. (Hervorh. im Orig.)

  93. 93.

    Vogl: Was ist ein Ereignis?, S. 72.

  94. 94.

    Vgl. Deleuze: Differenz und Wiederholung, S. 264.

  95. 95.

    Deleuze/Guattari: Was ist Philosophie?, S. 244.

  96. 96.

    Deleuze: Das Aktuelle und das Virtuelle, S. 249.

  97. 97.

    Mit ›hell‹, ›dunkel‹, ›heiß‹ und ›kalt‹ durchmisst der Erzähltext zugleich die synästhetischen Dimensionen eines amor vacui, auf die Dietmar Voss in seiner Studie zur klassischen Moderne hingewiesen hat. Vgl. Voss: Die Neuentdeckung der Leere; sowie die einleitenden Bemerkungen zu Kap. 2 in der vorliegenden Studie.

  98. 98.

    Massumi: Parables for the Virtual, S. 148 (Hervorh. im Orig.).

  99. 99.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 103 (Hervorh. im Orig.).

  100. 100.

    Zum ›Ungrund‹ vgl. auch Abschn. 2.1.2 in der vorliegenden Studie.

  101. 101.

    Fetz hat für die Funktion des Sehens in den Erzählprojekten von Ransmayr allgemeiner festgehalten: »Das Sehen steht im Werkzusammenhang in einem komplexen System aus Sinneswahrnehmungen, Sinnestäuschungen, prekärer Augenzeugenschaft – einer Metaphorik des Sehens […].« (Fetz: Stichwörter zu einer Poetik der Erzählung bei Christoph Ransmayr, S. 67)

  102. 102.

    Ransmayr: Morbus Kitahara, S. 234.

  103. 103.

    Ebd., 353.

  104. 104.

    Ebd., S. 188.

  105. 105.

    Welsch: Ästhetisches Denken, S. 43.

  106. 106.

    Vgl. dazu auch Massumi: Parables for the Virtual, S. 161: »The anesthetic is the perceived, as distinguished from the perceiving: objects passing into empirical existence, sensation passing out of itself into that objectivity. […] If the empirical is the anesthetic, then the pain accompanying perception’s passing forcefully into itself and continuing superempirically in flight from its objective quelling – what can this be but the aesthetic?« (Hervorh. im Orig.)

  107. 107.

    Vgl. dazu Fröhlich: Literarische Strategien der Entsubjektivierung, S. 48; Mosebach: Endzeitvisionen im Erzählwerk Christoph Ransmayrs, S. 73; Spitz: Erfundene Welten – Modelle der Wirklichkeit, S. 134.

  108. 108.

    Fetz: Der ›Herr der Welt‹ tritt ab, S. 39.

  109. 109.

    Ebd., S. 38.

  110. 110.

    Massumi: Parables for the Virtual, S. 147.

  111. 111.

    In einer solchen Bewegung klingt nicht nur die Fußgängerfigur nach de Certeau an, sondern es sei auch daran erinnert, dass in der vorliegenden Studie die Erzeugung von Bildern an die Bewegung des Körpers gebunden wurde. So schreibt auch Brian Massumi in Parables for the Virtual: »It is the movement of our body that operates the selection. Every move we make is an existential pressure cooker bringing forth vision from the vacuum. It has long been known that vision cannot develop if the body is immobilized.« (Ebd., S. 148 f.)

  112. 112.

    Deleuze/Guattari: Was ist Philosophie?, S. 199.

  113. 113.

    Massumi: Parables for the Virtual, S. 202.

  114. 114.

    Ebd. (Hervorh. im Orig.)

  115. 115.

    Die Vorstellung der Membran durchzieht auch Brian O’Dohertys metaphorische Beschreibung des postmodernen Galerieraums im Sinne einer ›osmotischen‹ Strategie (vgl. O’Doherty: In der weißen Zelle, S. 88), die im Kontext der ›Ästhetisierung‹ der Leere in der vorliegenden Studie bereits ausgeführt wurde (Abschn. 2.2).

  116. 116.

    Vgl. dazu: »Jetzt weiß ich wieder, / daß ich der Sommergast war. / Ich war auch der Häftling, / das Schwein / und der Schlachter / und bin unter dem Sonnenschirm / Promenaden entlangspaziert.« (SU 60; Hervorh. im Orig.)

  117. 117.

    In eine deleuzianisch geprägte Perspektive auf die Deterritorialisierung lässt sich auch die Beobachtung von Fetz zum Verschwinden der Protagonisten in Ransmayrs Erzählprojekten einlesen: »Ihr Verschwinden birgt ein Moment der Befreiung, nicht zuletzt deshalb, weil sie im Gedächtnis der Erzählung aufgehoben sind.« (Fetz: Das unmögliche Ganze, S. 334) Anschlussfähig an diese Feststellung ist die Beobachtung der vorliegenden Studie insofern, als sie dem deterritorialisierten Körper einer ›anästhetischen‹ Außenschau eine ›Befreiungsfunktion‹ für die Ästhetik zuschreibt.

  118. 118.

    Der Tod als Denkfigur wird nicht nur in Ransmayrs Strahlender Untergang und in Der fliegende Berg thematisch, wie im Rahmen des vorliegenden Kapitels kenntlich gemacht wurde. Auch in Die Schrecken des Eises und der Finsternis erweist er sich als Denkfigur für ein unverfügbares Ereignis. Vgl. dazu Abschn. 6.4 in der vorliegenden Studie.

  119. 119.

    Günzel: Raum|Bild, S. 85.

  120. 120.

    Zum Begriff der ›Synthese‹ vgl. auch Massumi: Parables for the Virtual, S. 164: »Synthesis is the inverse movement inseparable from analysis. It makes necessary contribution to the operation of reduction: it is the variable summing of dissociated parts.«

  121. 121.

    Serres: Hermes V, S. 63.

  122. 122.

    Seiler: Zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, S. 14 (Hervorh. im Orig.).

  123. 123.

    Schmitz-Emans: Die Wüste als poetologisches Gleichnis, S. 145.

  124. 124.

    Foucault: Das Denken des Außen, S. 674.

  125. 125.

    Schmitz-Emans: Die Wüste als poetologisches Gleichnis, S. 139.

  126. 126.

    Ebd., S. 151.

  127. 127.

    Derrida: Edmond Jabès und die Frage nach dem Buch, S. 108.

  128. 128.

    Ebd.

  129. 129.

    Ebd., S. 103. Vgl. dazu auch ebd.: »Diese Bewegung, durch die das Buch, welches durch die Stimme des Dichters artikuliert wird, sich faltet und sich an sich selbst bindet, zum Sujet an sich und für sich wird, diese Bewegung ist keine spekulative oder kritische Reflexion, sondern zunächst Dichtung und Geschichte. Denn das Sujet bricht und öffnet sich in ihr, indem es sich repräsentiert. Die Schrift wird geschrieben, sie stürzt aber ebenfalls in den Abgrund ihrer eigenen Repräsentation. Im Innern dieses Buches, das sich unendlich selbst reflektiert, das sich wie eine schmerzhafte Hinterfragung seiner eigenen Möglichkeit entfaltet, repräsentiert sich somit die Form des Buches selbst.« Mit dem Verweis auf Jacques Derridas Essay und der Adaption von seinen an Edmond Jabès’ Buchprojekt elaborierten Überlegungen zur Absenz soll nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass Jabès’ und Ransmayrs Erzählprojekten eine ähnliche Form zugrunde läge. Es geht im Gegenteil um die Filtrierung zweier struktureller Aspekte – dem Ent- und Verbergen sowie der Repräsentation der Form –, die Derrida im Rekurs auf Jabès’ Buch der Fragen diskutiert und die sich ebenso für die Untersuchung von Ransmayrs Strahlender Untergang produktiv machen lassen.

  130. 130.

    Solch eine Zuschreibung verdankt sich nicht nur, vor allem aber auch dem Zusammenspiel von Schrift und Weißfläche. Vgl. dazu Kayser: Kleine deutsche Versschule, S. 11: »Unser Auge sagt uns schnell, was Verse sind. Wenn auf einer Seite um das Gedruckte herum viel weißer Raum ist, dann haben wir es gewiß mit Versen zu tun.«

  131. 131.

    Ich beziehe mich hier vor allem auf Dieter Lamping, der Pausen für eine Erklärung der Segmentierung der Versrede stark gemacht hat. Vgl. dazu Lamping: Das lyrische Gedicht, S. 24: »Als Versrede soll hier jede Rede bezeichnet werden, die durch ihre besondere Art der Segmentierung rhythmisch von normalsprachlicher Rede abweicht. Das Prinzip der Segmentierung ist die Setzung der Pausen, die durch den Satzrhythmus der Prosa und das heißt vor allem: durch die syntaktische Segmentierung des Satzes gefordert werden. Das Segment, das durch zwei solche, aufeinanderfolgende Pausen geschaffen wird, ist der Vers.« (Hervorh. im Orig.)

  132. 132.

    Der vollständige Text des Mottos von Ransmayrs Strahlender Untergang lautet: »Seit Millionen von Jahren umgibt uns das Brüllen der Sonne, / ein gigantisches Feuerofen-Brüllen /über einhundertfünfzig Millionen Kilometer, / das so vollkommen gleichförmig ist, / daß Generationen von Menschen in ihm geboren werden, / leben, sterben konnten, ohne es jemals zu bemerken.« (SU 7; Hervorh. im Orig.)

  133. 133.

    Schmitz-Emans: Die Wüste als poetologisches Gleichnis, S. 127.

  134. 134.

    Robert Stockhammer hat im Zusammenhang mit seinen Ausführungen zum Ästhetischen als Grenzwert auf die Schwierigkeit hingewiesen, die Kegelschnitte der Ellipse, der Hyperbel und der Parabel im Austausch mit der Rhetorik für die Ästhetik fruchtbar zu machen (vgl. Stockhammer: Einleitung, S. 10–15). Eingedenk der Tatsache, dass die Kegelschnitte nicht umstandslos auf ihre namensverwandten Figuren im Bereich der Rhetorik zu übertragen sind und »daß die Namen der Kegelschnitte nicht von ihrer geometrischen Gestalt, sondern von ihren Scheitelgleichungen abgeleitet sind, anschaulich also gerade nur in der nicht-anschaulichen algebraischen Fassung werden« (ebd., S. 11), geht es nachfolgend nicht darum, den direkten Austausch von Mathematik und Rhetorik anzusteuern. Im Gegenteil geht es darum, die Parabel als eine Figur zu betrachten, die für die Untersuchung der literarischen Ästhetik von Ransmayrs Strahlender Untergang insofern einen heuristischen Wert aufweist, als sie sich von der Parabel als Erzählform und als rhetorischer Figur weitgehend löst. Die Vorstellung der geometrischen Figur wird daher herangezogen, um drei strukturelle Aspekte für Ransmayrs Debüt zu markieren, die das Unanschauliche anschaulich machen.

  135. 135.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 103. Vgl. dazu auch Abschn. 5.3 in der vorliegenden Studie.

  136. 136.

    Massumi: Parables for the Virtual, S. 147.

  137. 137.

    In den Kontext eines Grenzfalls der Bewegung lässt sich auch Gaston Bachelards Konturierung einer ›Poetik des Raumes‹ stellen, und zwar in Bezug auf ein »spiralförmige[s] Sein, das sich äußerlich so gut um seine Mitte geordnet darstellt, nie seinen Mittelpunkt erreichen [wird]. Das Dasein des Menschen läßt sich nicht fixieren. Jeder Ausdruck hebt seine Fixierung auf. Im Reiche der Einbildungskraft gilt, daß das Sein, sobald ein Ausdruck vorgebracht ist, Bedürfnis nach einem andern Ausdruck hat, daß das Sein alsbald zum Sein eines andern Ausdrucks werden muß.« (Bachelard: Poetik des Raumes, S. 213 f.)

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Schuchmann, K. (2022). Die »organisierte Form des Verschwindens« – Wüste als Experimentalraum in Christoph Ransmayrs Strahlender Untergang. Ein Entwässerungsprojekt oder Die Entdeckung des Wesentlichen. In: Entleerte Räume. Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, vol 9. J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-64025-8_5

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