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Displacement: Zur literarischen Verräumlichung der Absenz

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Entleerte Räume

Part of the book series: Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ((KSDG,volume 9))

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Zusammenfassung

Bereits die Schrift partizipiert an der paradoxalen Form von Anwesenheit und Abwesenheit. Gleichzeitig steht die Materialisierung der graphé auf der Seite als ›Nicht-Ort‹ (Michel de Certeau) in engem Zusammenhang mit der Einsicht, dass Medien es ermöglichen, komplexe Zusammenhänge der Wahrnehmung zuzuführen, dies aber gerade auch insofern können, weil die Produktion von Sichtbarkeit immer auch Unsichtbares miterzeugt. Dass das Unverfügbare erst durch den Wiedereintritt einer dynamischen Raumtextur in das (topo-)graphische containment inszeniert wird, hebt auf eine Denkbewegung ab, die sich gerade nicht in der Logik des ›Orts‹ stillstellen lässt, sondern in komplexen Verfahren der Verräumlichung evident wird. Zentral für eine literaturtheoretische Annäherung der Paradoxie der Absenz ist es daher, dem (topo-)graphischen containment der Schrift die Textualität als dynamischeres Konstrukt, das sich entlang der Achse von Raumtextur, Textualität und Sinnkonstruktion konturieren lässt, zur Seite zu stellen. Tragend ist die Frage, wie sich die Vorstellung eines topologischen Zwischenraums, der das Unverfügbare wahrnehmbar macht, auf die zweidimensionale Seite falten lässt. Die Annahme eines Zwischenraums zieht dabei ein näher zu beleuchtendes Verhältnis von Ereignis und Grenzüberschreibung nach sich, das im Sinne des displacement Verschiebung und Aufschub markiert.

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Notes

  1. 1.

    Foucault: Die Sprache des Raumes, S. 534.

  2. 2.

    Ebd.

  3. 3.

    Welsch: Ästhetisches Denken, S. 43 (Hervorh. im Orig.).

  4. 4.

    Vogl: Medien-Werden, S. 121.

  5. 5.

    Vgl. dazu Bachelard: Poetik des Raumes. Gaston Bachelards Studie Poetik des Raumes (1957) ist insbesondere der Dekonstruktion der Dichotomie ›Innen/Außen‹ verpflichtet und analysiert Erinnerungen als räumlich verdichtete Zeit, die sich in Gedankenbildern artikuliert und topisch – wie in einem Haus – untergebracht, also »verräumlicht« (ebd., S. 36) worden ist. Die Bedeutung von Raum als Medium der Empfindung sowie die Simultaneität der gespeicherten Gedankenbilder werden zur Prämisse der Untersuchung, die im Zuge der sogenannten »Topophilie« vor allem auf »Bilder des glücklichen Raumes« fokussiert (ebd., S. 25; Hervorh. im Orig.), wie sie die französische Literatur der Moderne hervorgebracht hat. Somit ist die Studie der Abkehr vom cartesianischen Raum verpflichtet. Erst vor diesem Hintergrund wird der Titel Poetik des Raumes in seiner epistemologischen Dimension verständlich: Die Untersuchung richtet sich gerade nicht nur auf eine bloße Wiederentdeckung von Raum, sondern wird als Abkehr von der euklidischen Geometrie lesbar.

  6. 6.

    Ebd., S. 25.

  7. 7.

    Lippuner: Sozialer Raum und Praktiken, S. 274.

  8. 8.

    Vgl. dazu auch die Aussage von Gilles Deleuze und Félix Guattari: »Und was uns besonders interessiert, sind die Übergänge und Kombinationen bei den Glättungs- und Einkerbungsvorgängen.« (TP 693)

  9. 9.

    Vgl. den gleichnamigen Aufsatz von Vogl: Medien-Werden.

  10. 10.

    Ebd., S. 117.

  11. 11.

    Barthes: Am Nullpunkt der Literatur, S. 32.

  12. 12.

    Zur Kulturtechnik des Schreibens vgl. besonders Zanetti (Hg.): Schreiben als Kulturtechnik.

  13. 13.

    Borsò: Topologie als literaturwissenschaftliche Methode, S. 294.

  14. 14.

    Ein literarisches Beispiel für die aisthetisch effektvolle Darstellung einer paradoxalen Abwesenheit ist Jonathan Safran Foers Roman Tree of Codes (2010), der die Kurzgeschichtensammlung The Street of Crocodiles (1934) des jüdischen Schriftstellers Bruno Schulz zur Grundlage genommen hat, um deren Überschreibung durch die Auslassung einzelner Wörter vorzunehmen, die in ihrer Abwesenheit allerdings durch die Form der Ausstanzung auf den Buchseiten kenntlich bleiben. Die ›Löcher‹ im Text bestimmen nicht nur die Rezeption als äußerst haptisches Erlebnis. Sie machen vor allem auch im literarischen Diskurs Wissen buchstäblich transparent, und zwar in Bezug auf ein Verfahren, das um Intertextualität weiß und das Gedenken an die Shoah in der Geste der textuellen Destruktion mitführt. Sollte es den einleitenden Bemerkungen zum ›rhizomatischen‹ Denken in Tausend Plateaus zufolge also tatsächlich »keinen Unterschied« geben, »zwischen dem, wovon ein Buch handelt, und der Art, in der es gemacht ist« (TP 13), dann ist Foers Roman nicht nur ein Kunstgriff, sondern möglicherweise auch ein Beispiel für »den durchlöcherten Raum«, wie ihn Deleuze/Guattari in Bezug auf die Frage nach der »Art und Weise, wie er mit dem Glatten und dem Eingekerbten kommuniziert« (TP 693), in die Diskussion einbringen.

  15. 15.

    Die Bezeichnung der Seite als ›nicht-stratifizierte‹ Materialität ist an dieser Stelle selbstverständlich relativ, da sie die Seite, die schließlich selbst schon ein Produkt kultureller Stratifikation darstellt, aus ihrem Entstehungszusammenhang herauslöst und sich eine solche Perspektive auf die Seite eher dem Blickpunkt vom Medium der Schrift aus verdankt.

  16. 16.

    Krämer/Totzke: Einleitung, S. 23 (Hervorh. im Orig.).

  17. 17.

    Ebd.

  18. 18.

    Ebd.

  19. 19.

    Ebd., S. 16 (Hervorh. im Orig.).

  20. 20.

    Ebd.

  21. 21.

    Ebd. (Hervorh. im Orig.)

  22. 22.

    Ebd.

  23. 23.

    Ebd., S. 16 f.

  24. 24.

    Ebd., S. 16.

  25. 25.

    Vgl. Campe: Die Schreibszene, Schreiben.

  26. 26.

    Ein von der Zeitschrift ARCH+ mit Bernard Tschumi geführtes Interview trägt bezeichnenderweise den Titel »Die Aktivierung des Raumes« (1993). Darin kommentiert Tschumi sein Verständnis von Architektur im Verhältnis von Raum und ›Benutzer‹ wie folgt: »Der architektonische Raum ist kein passiver Raum, sondern ein Raum in Erwartung.« (Tschumi: Die Aktivierung des Raumes, S. 71) Eine solche Perspektive auf architektonische Räume ist wesentlich von der Dekonstruktion inspiriert und zeigt sich auch in Tschumis Folies.

  27. 27.

    Uwe Wirth hat sich dem sogenannten Nicht-Ort des Papiers unter einem anderen Fokus genähert, der sich allerdings produktiv anschließen lässt. Wirth untersucht Zwischenräumlichkeit in Bezug auf die vor dem Vorwort situierte Seite und konstatiert in diesem Zusammenhang: »Damit wird das weiße Blatt zwischen Buchdeckel und Vorwort, dieser Nicht-Ort Papier, zu einem zweideutigen Zeichen: Es markiert nach außen hin den leeren Zwischenraum, der ein Buch vom anderen sondert, und es markiert nach innen hin einen leeren Freiraum, in dem der Autor seinen selbstkommentierenden Praktiken im paratextuellen Raum freien Lauf lassen kann; ein Raum, ebenso unbewohnt und offen beliebigen Schreibereien gegenüber, wie der leere Raum zwischen zwei Büchern.« (Wirth: Zwischenräumliche Bewegungspraktiken, S. 26; Hervorh. im Orig.) Dies zeigt, inwieweit in der Buchpraxis die leere Seite nicht nur als ›Nicht-Ort‹ der »produzierenden Vernunft« (KdH 246), sondern auch als konventionalisierte Materialität des Druckwerks eine zentrale Rolle spielt.

  28. 28.

    Freud: Die Traumdeutung, S. 284.

  29. 29.

    Vgl. ebd., Kapitel VI »Die Traumarbeit«, »A. Die Verdichtungsarbeit«, S. 284–310.

  30. 30.

    Vgl. ebd., Kapitel VI »Die Traumarbeit«, »B. Die Verschiebungsarbeit«, S. 310–315; und zur ›Verschiebung‹ ebd., bes. S. 310: »Was in den Traumgedanken offenbar der wesentliche Inhalt ist, braucht im Traum gar nicht vertreten zu sein. Der Traum ist gleichsam anders zentriert, sein Inhalt um andere Elemente als Mittelpunkt geordnet als die Traumgedanken.« (Hervorh. im Orig.)

  31. 31.

    Vgl. ebd., Kapitel VI »Die Traumarbeit«, »C. Die Darstellungsmittel des Traums«, S. 315–344. Als Darstellungsmittel des Traums nennt Sigmund Freud z. B. den »logischen Zusammenhang«, den der Traum als »Gleichzeitigkeit« wiedergebe, die »Kausalbeziehungen« (ebd., S. 319; Hervorh. im Orig.) und die »Ähnlichkeit, Übereinstimmung, Gemeinsamkeit« (ebd, S. 325; Hervorh. im Orig.).

  32. 32.

    Vgl. ebd., Kapitel VI »Die Traumarbeit«, »D. Die Rücksicht auf Darstellbarkeit«, S. 344–354.

  33. 33.

    Augé: Nicht-Orte, S. 89.

  34. 34.

    Derrida: Die Struktur, das Zeichen und das Spiel, S. 425.

  35. 35.

    Pethes: Mnemographie, S. 108.

  36. 36.

    Vgl. Augé: Nicht-Ort, S. 83; sowie Abschn. 2.2 in der vorliegenden Studie.

  37. 37.

    An anderer Stelle spricht Michel de Certeau auch von der »Atopie/Utopie des optischen Wissens« (KdH 183).

  38. 38.

    Martens: Was ist ein Text?, S. 99.

  39. 39.

    Vgl. Vogl: Medien-Werden.

  40. 40.

    Engell/Vogl: Vorwort, S. 10.

  41. 41.

    Grutschus/Krilles: Einleitung, S. 13.

  42. 42.

    Vogl: Medien-Werden, S. 117.

  43. 43.

    Ransmayr: Geständnisse eines Touristen, S. 89.

  44. 44.

    Gottschling: Verloren Gehen in den Polargebieten der Literatur, S. 122.

  45. 45.

    Auch Christina Thurner hält fest, dass in Kunst des Handelns »von einem weiteren Textbegriff ausgegangen« werde »als jene[m] des literarischen Einzelwerks« (Thurner: Der andere Ort des Erzählens, S. 46).

  46. 46.

    Krämer/Totzke: Einleitung, S. 16.

  47. 47.

    Edwin A. Abbotts Flatland erzählt in zwei Teilen die Geschichte des Ich-Erzählers A. Square. Der erste Teil liest sich als Satire auf die viktorianische Gesellschaft. A. Square lebt mit anderen geometrischen Figuren (Quadraten, Kreisen, Dreiecken) in einer flächigen, zweidimensionalen Welt, die als Kastensystem organisiert ist. Der zweite Teil umfasst einen mathematischen Essay: Der Ich-Erzähler durchreist in seinen Träumen das eindimensionale Linien- und das nulldimensionale Punktland, bevor er in seiner zweidimensionalen Lebenswelt auf eine dreidimensionale Kugel trifft, die ihn von der dritten Dimension überzeugt. Daraufhin ist A. Square sich sicher, dass es nicht nur eine dritte, sondern auch eine vierte Dimension und möglicherweise noch höhere Dimensionen geben müsse.

  48. 48.

    Ernst: Absenz, S. 13, li. Sp.

  49. 49.

    Krämer/Totzke: Einleitung, S. 16.

  50. 50.

    Frost: Whiteout, S. 109.

  51. 51.

    Vgl. Foucault: Von anderen Räumen, S. 938 f.: »Das älteste Beispiel einer Heterotopie aus widersprüchlichen Orten dürfte der Garten sein. […] Der traditionelle Garten der Perser war ein heiliger Raum, dessen viergeteiltes Rechteck für die vier Teile der Welt stand, wobei sich im Zentrum ein Raum befand, der noch heiliger war als die anderen und den Nabel der Welt darstellte (dort stand die Brunnenschale mit dem Wasserspeier). […] Die Teppiche waren ursprünglich Nachbildungen des Gartens. Der Garten ist ein Teppich, auf dem die ganze Welt in symbolischer Vollkommenheit erscheint, und der Teppich ist gewissermaßen der im Raum bewegliche Garten. Der Garten ist die kleinste Parzelle der Welt und zugleich ist er die ganze Welt. Der Garten ist seit der frühesten Antike eine geglückte, universalisierende Heterotopie (dort liegt der Ursprung unserer zoologischen Gärten).« Der Radiovortrag »Die Heterotopien« aus dem Jahr 1966, auf den Michel Foucaults 1984 zur Veröffentlichung freigegebener Text »Von anderen Räumen« zurückgeht, enthält demgegenüber auch eine kurze Reflexion auf das Schreiben von Romanen: »Der Garten ist seit der frühesten Antike ein Ort der Utopie. Wenn man den Eindruck hat, Romane ließen sich leicht in Gärten ansiedeln, so liegt das daran, dass der Roman zweifellos aus der Institution der Gärten entstanden ist. Das Schreiben von Romanen ist eine gärtnerische Tätigkeit.« (Foucault: Die Heterotopien, S. 15) Der Bezug zum Roman ist in der Publikationsfassung »Von anderen Räumen« getilgt.

  52. 52.

    Es wird ersichtlich, dass de Certeau in Praktiken des Lesens die Möglichkeit sieht, die Vorherrschaft des Schriftsystems kreativ zu unterlaufen. In dieser Hinsicht argumentiert auch Jan Engelke: Das »Scharnier zwischen Lektüre/Lesen und Räumlichkeit sind die Praktiken, die die Verknüpfung erlauben« (Engelke: Die Räumlichkeit von Texten und die Textualität von Räumen, S. 133).

  53. 53.

    Vgl. dazu Barthes: Der Tod des Autors; sowie Foucault: Was ist ein Autor?

  54. 54.

    Barthes: Vom Werk zum Text, S. 67 f.

  55. 55.

    Ebd., S. 68 (Hervorh. im Orig.).

  56. 56.

    Ebd., S. 66 (Hervorh. im Orig.).

  57. 57.

    Genç: Ereigniszeit und Eigenzeit, S. 82.

  58. 58.

    Barthes: Vom Werk zum Text, S. 69 (Hervorh. im Orig.).

  59. 59.

    Barthes: Der Tod des Autors, S. 61.

  60. 60.

    Engelke: Die Räumlichkeit von Texten und die Textualität von Räumen, S. 127.

  61. 61.

    Vgl. ebd.

  62. 62.

    Vgl. ebd., S. 124.

  63. 63.

    Ebd.

  64. 64.

    Witte: Textflächen und Flächentexte, S. 376.

  65. 65.

    Derrida: Die différance, S. 38.

  66. 66.

    Vgl. Barthes: Der Wirklichkeitseffekt.

  67. 67.

    Endres: Der poetische Raum, S. 25.

  68. 68.

    Ebd., S. 29 (Hervorh. im Orig.).

  69. 69.

    Vgl. ebd., bes. S. 27–33.

  70. 70.

    Ebd., S. 30.

  71. 71.

    Ebd.

  72. 72.

    Ebd.

  73. 73.

    Ebd., S. 35.

  74. 74.

    Ebd. (Hervorh. im Orig.)

  75. 75.

    Ebd.

  76. 76.

    Ebd., S. 36.

  77. 77.

    Im Zusammenhang mit solch einem Gedankenspiel hat Sabine Kuhangel auf die Faszination der Literatur mit leeren Seiten hingewiesen. Ihr zufolge ist zwar das »Buch mit ausschließlich leeren Seiten, das die Grenzen literarischer Kommunikation aufzeigt, […] ein theoretisches Konstrukt« (Kuhangel: Der labyrinthische Text, S. 278). Allerdings ließen sich in »leeren Seiten als Teil eines Romangeschehens« oder in der »Verwendung tatsächlich leerer Seiten« literarische Spielformen erkennen, die den »Umgang mit leeren Seiten in gemäßigter Form« praktizierten, um »eine Auslotung des Wesens der Literatur« vorzuführen, »ohne dass die Grenze des leeren Buches und damit die Grenze der Kommunikation erreicht oder gar überschritten würde« (ebd.; Hervorh. im Orig.).

  78. 78.

    Krämer/Totzke: Einleitung, S. 17 (Hervorh. im Orig.).

  79. 79.

    Ebd.

  80. 80.

    Krämer: ›Schriftbildlichkeit‹, S. 162.

  81. 81.

    Ebd.

  82. 82.

    Dotzler/Schmidgen: Einleitung, S. 18.

  83. 83.

    Derrida: Die Struktur, das Zeichen und das Spiel, S. 424.

  84. 84.

    Derrida: Die différance, S. 39.

  85. 85.

    Ebd.

  86. 86.

    Ebd. (Hervorh. im Orig.)

  87. 87.

    Vgl. Deleuze/Guattaris Formulierung in Tausend Plateaus bezüglich des Glatten und Gekerbten: Diese »unterscheiden [...] sich durch die Art der Linie (gerichtet-glatt, offene Intervalle [Hervorh. K. S.]; dimensional-gekerbt, geschlossene Intervalle [Hervorh. K. S.])« (TP 666).

  88. 88.

    Michaela Ott hat auf die besondere Bedeutung des Films für Deleuze’ Theoriebildung hingewiesen und sieht diese in der Möglichkeit von »filmischen Artikulationen«, das Denken zu konfrontieren: »Dieser Zwang zur Reflexion, wie ihn jedes Kunstwerk, das diesen Namen verdient, auslöst, bedeutet für Deleuze allerdings auch, mit etwas konfrontiert zu werden, was sich dem Denken entzieht, weil es nicht erfasst werden kann – und doch nach Erfassung verlangt, weshalb es der Reflexion die Chance eröffnet, Denken im strengen Sinn zu werden, Denken des Ungedachten und Ungewussten.« (Ott: Virtualität in Philosophie und Filmtheorie von Gilles Deleuze, S. 107)

  89. 89.

    Deleuze: Das Bewegungs-Bild, S. 116.

  90. 90.

    Vgl. dazu auch Doetsch: Intervall, S. 35: »Es wäre allerdings fatal, die Unterbrechung als statischen Schnitt zu verstehen. Die Unterbrechung selbst bildet als ›coupe mobile‹ ein dynamisches Moment und übergeht den Strukturen bildenden Schnitt immer schon in einem ›mouvement de translation‹.«

  91. 91.

    Deleuze: Das Bewegungs-Bild, S. 117.

  92. 92.

    Doetsch: Intervall, S. 36.

  93. 93.

    Vgl. ebd.

  94. 94.

    Ebd., S. 35.

  95. 95.

    Die Momente ›Unterbrechung‹, ›Verbindung‹ und ›Umschlag‹ wurden von Hermann Doetsch prägnant mit den Ebenen des Medialen, wie sie Deleuze in Das Bewegungs-Bild ausführt, verbunden, so dass ihre Zusammenführung im Rekurs auf Doetschs instruktiven Forschungsbeitrag erfolgen kann: »Wenn im Prozess der Verschaltung die Unterbrechung fokussiert wird, entsteht ein image-affection, welches die reine Qualität zur Erscheinung bringt. Rückt der Aspekt der Darstellung von Anschauung als Korrelation von ›Bildern‹ in den Vordergrund, entsteht ein image-perception, das sich als Blickpunkt auf die Welt, als ›Bild‹ konfiguriert. Während im image-affection die Form in ihrer Genese zum Ausdruck kommt, produziert das image-perception Anschauungen der Realität, indem es materielle Gegebenheiten zu strukturellen Relationen konfiguriert. Wenn die Bewegung in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt ist, bildet sich ein image-action, das im dialektischen Prozess zwischen Spannung und deren Auflösung den Kontakt zwischen dem Bild und dessen Umwelt konstituiert, welche so gegenseitig auf sich einwirken können.« (Ebd., S. 36; Hervorh. im Orig.) Entscheidend sei nun die Volte, die Deleuze anhand des Bewegungs- und Zeitbildes in Bezug auf Virtualität schlage: »[…] das image-mouvement [enthält] jedes dieser Momente virtuell und stellt so eine Verbindung zwischen der Affektivität des Körpers, der Darstellung von Anschauung und der Handlung dar. Wird nun der Aspekt der Virtualität der bedeutsamste, spricht Deleuze vom image-temps, das die reine Intransitivität des Bildes vorstellt, als reines Ereignis des Bildes, das weder auf den Augenblick der Affektivität und der Unterbrechung, noch auf den subjektiven der Wahrnehmung oder auf den objektiven des Handelns bezogen ist, sondern als reines optisch-akustisches Ereignis die Virtualität des Ganzen als Suspension von Anschauung zur Darstellung bringt.« (Ebd. S. 36 f.; Hervorh. im Orig.)

  96. 96.

    Vgl. ebd., bes. S. 37.

  97. 97.

    Ebd.

  98. 98.

    Ebd.

  99. 99.

    Maturana/Varela: Der Baum der Erkenntnis, S. 23 (Hervorh. im Orig.).

  100. 100.

    Vgl. Deleuze: Differenz und Wiederholung, S. 186 f.

  101. 101.

    Maturana/Varela: Der Baum der Erkenntnis, S. 23.

  102. 102.

    Friedrichs: Passagen der Pädagogik, S. 169.

  103. 103.

    Vgl. ebd., S. 171.

  104. 104.

    Ebd.

  105. 105.

    Mahler: Stadttexte – Textstädte, S. 14.

  106. 106.

    Der Wissenstransfer des ›deterministischen‹ Chaos auf die Literatur erfolgt z. B. in Hayles (Hg.): Chaos and Order.

  107. 107.

    Vgl. Kafka: Das Schloß, S. 7.

  108. 108.

    Lukács: Die Theorie des Romans, S. 65.

  109. 109.

    Rölli: Begriffe für das Ereignis, S. 339 (Hervorh. im Orig.).

  110. 110.

    Maturana/Varela: Der Baum der Erkenntnis, S. 23 (Hervorh. im Orig.).

  111. 111.

    Zierold: Das Virtuelle im Realen, S. 117.

  112. 112.

    Borsò: Topologie als literaturwissenschaftliche Methode, S. 292.

  113. 113.

    Doetsch: Intervall, S. 35. Von der Seite eines Unbestimmtheitsdiskurses her schreibt sich letztlich auch die Rezeptionsästhetik nach Wolfgang Iser, die auf die Produktivität der Leerstelle hingewiesen hat (vgl. z. B. Iser: Die Appellstruktur der Texte). Da der Ansatz der vorliegenden Studie in Bezug auf das Problem der Unbestimmtheit ein anderer ist, wird der Zugang über die Rezeptionsästhetik im Vorliegenden nicht weiter verfolgt.

  114. 114.

    Auch Sascha Seiler konstatiert, dass der Prozess des Verschwindens mit Raumfragen korreliere, wenn er folgende Variante der Konfiguration des Verschwindens festhält: »Ein Verschwinden im Raum, wobei dieser – sei er offen oder geschlossen – stets konstituierend für den Prozess des Verschwindens sein muss.« (Seiler: Zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, S. 22)

  115. 115.

    Lotman: Die Struktur literarischer Texte, S. 22 (Hervorh. im Orig.).

  116. 116.

    Zu den komplementären Teilräumen der erzählten Welt nach Jurij M. Lotman vgl. Abschn. 3.1 in der vorliegenden Studie.

  117. 117.

    Lotman: Die Struktur literarischer Texte, S. 301.

  118. 118.

    Zum Ereignisbegriff vgl. ebd., S. 329–340; zur Figur vgl. ebd., S. 340–347.

  119. 119.

    Ebd., S. 330.

  120. 120.

    Ebd., S. 332 (Hervorh. im Orig.).

  121. 121.

    Joseph Vogl hat die Bedeutung des Ereignisses für die Theoriebildung von Deleuze pointiert hervorgestrichen: »Wie kein anderer hat Gilles Deleuze eine Verteidigung des Ereignisses unternommen, vergleichbar darin vielleicht nur Heidegger in seinen späten Schriften.« (Vogl: Was ist ein Ereignis?, S. 67)

  122. 122.

    Beck/Gleyzon: Introduction, S. 329.

  123. 123.

    Baudrillard: Viralität und Virulenz, S. 91.

  124. 124.

    Vogl: Was ist ein Ereignis?, S. 69 (Hervorh. im Orig.).

  125. 125.

    Ebd. S. 72.

  126. 126.

    Ebd.

  127. 127.

    Ebd., S. 75.

  128. 128.

    Ebd. (Hervorh. im Orig.)

  129. 129.

    Leibniz: Die Theodizee, S. 265.

  130. 130.

    Ebd., S. 267.

  131. 131.

    Deleuze: Die Falte, S. 135.

  132. 132.

    Vogl: Was ist ein Ereignis?, S. 69 (Hervorh. im Orig.).

  133. 133.

    Rölli: Begriffe für das Ereignis, S. 340.

  134. 134.

    Zur Zeitstruktur des »infinitesimale[n], endlos teilbare[n] Augenblick[s]« vgl. Vogl: Was ist ein Ereignis?, S. 76 f.

  135. 135.

    Foucault verwendet die Metapher des leeren Raums etwa in »Das Denken des Außen«, wenn er schreibt: »Der Satz ›Ich spreche‹ bezieht sich in der Tat auf einen Diskurs, der ihm ein Fundament schafft, indem er ihm ein Objekt bietet. Aber dieser Diskurs ist nicht da; Souveränität erlangt das ›Ich spreche‹ nur in Abwesenheit jeglichen anderen Sprechens, der Diskurs, von dem ich spreche, existiert nicht, bevor ich diesen nackten Satz ausspreche, und er verschwindet, sobald ich verstumme. […] In welcher äußersten Zartheit, auf welcher einzigartigen und winzigen Spitze sammelte sich eine Sprache, die sich in der nackten Form des ›Ich spreche‹ wieder fassen möchte? Es sei denn, die Leere, in der sich die inhaltslose Zuspitzung des ›Ich spreche‹ manifestiert, wäre eine absolute Öffnung, durch die sich die Sprache ins Unendliche ausbreiten kann, während das Subjekt, das sprechende ›Ich‹, sich teilt, sich auflöst, sich zerstreut und in diesem leeren Raum [Hervorh. K. S.] vollends verschwindet.« (Foucault: Das Denken des Außen, S. 672) In »Die Sprache des Raumes« (1964) spricht Foucault »von der Rückfaltung der Zeit«, die »einen leeren Raum, eine Distanz, die noch nicht benannt ist und in die sich die Sprache hineinstürzt«, erzeuge (Foucault: Die Sprache des Raumes, S. 535).

  136. 136.

    Foucault: Das Denken des Außen, S. 673.

  137. 137.

    Ebd.

  138. 138.

    Ebd., S. 672.

  139. 139.

    Ebd.

  140. 140.

    Ebd., S. 672 f.

  141. 141.

    Ebd., S. 673.

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Schuchmann, K. (2022). Displacement: Zur literarischen Verräumlichung der Absenz. In: Entleerte Räume. Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, vol 9. J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-64025-8_4

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-64025-8_4

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  • Publisher Name: J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg

  • Print ISBN: 978-3-662-64024-1

  • Online ISBN: 978-3-662-64025-8

  • eBook Packages: J.B. Metzler Humanities (German Language)

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