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Einleitung: »Das Thema dieses Buches ist nicht eigentlich die Leere …«

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Entleerte Räume

Part of the book series: Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ((KSDG,volume 9))

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Zusammenfassung

Die vorliegende Studie geht von der Annahme aus, dass Absenz-Phänomene sich nicht in einer primordialen Leere ereignen, sondern dass ihnen eher mit Vorstellungen vom Unbestimmten, Unverfügbaren und Möglichen beizukommen ist. Dies zeigen in besonderem Maße literarische Inszenierungen einer paradoxalen Absenz, deren Strategien und Formen der Vermittlung nicht hinter theoretische Modelle zurückfallen: Vor allem Erzähltexte von Thomas Bernhard und Christoph Ransmayr lassen Absenz nicht in der Vorstellung einer fundamentalen Abwesenheit aufgehen, sondern führen sie an Möglichkeitsformen wie die der Virtualität heran, ohne dabei auf die heuristische Funktion der Leere zu verzichten. Dabei rekurrieren diese literarischen Texte auf Formen der Verräumlichung, um Absenz als relationales Gefüge textphänomenal auf der Ebene der aisthesis zu veranschaulichen, sichern sie jedoch nicht im (topo-)graphischen containment, d. h. in der Logik einer stabilen Repräsentation, ab, sondern eröffnen eine Topologie, die auf Strategien des displacement beruht. Auf diese Weise werden komplexe Vorstellungen von Absenz literarisch verhandelt, kommuniziert und der Wahrnehmung zugeführt.

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Notes

  1. 1.

    Ransmayr: Der fliegende Berg, S. 24. Der fliegende Berg wird im Folgenden mit der Sigle ›FB‹ und Seitenzahl im Haupttext nachgewiesen.

  2. 2.

    Barad: Was ist das Maß des Nichts?, S. 29.

  3. 3.

    Vgl. ebd., bes. S. 19–31.

  4. 4.

    Das Verhältnis von ›Aktualität‹ und ›Virtualität‹ durchzieht Gilles Deleuze’ philosophische Theoriebildung. Für eine Konturierung der Begriffe und ihres Zusammenhangs vgl. besonders Deleuze: Differenz und Wiederholung, S. 264–279; sowie Ders.: Das Aktuelle und das Virtuelle.

  5. 5.

    Vgl. Voss: Die Neuentdeckung der Leere, bzw. den vollständigen Publikationstitel: »Die Neuentdeckung der Leere. Zum ›Amor Vacui‹ in Ästhetik und Dichtung der ›klassischen‹ Moderne«.

  6. 6.

    Schmitz-Emans: Schrift und Abwesenheit, S. 41.

  7. 7.

    Ebd.

  8. 8.

    Pethes: Mnemographie, S. 108.

  9. 9.

    Vgl. Hartmann: Vacuum, S. 527.

  10. 10.

    Clarke: Der Briefwechsel mit G. W. Leibniz von 1715/1716, S. 28.

  11. 11.

    Vgl. Einstein: Raum, Äther und Feld in der Physik, bes. S. 97–101.

  12. 12.

    Dies bedeutet allerdings nicht, dass sich in kulturellen Codierungsformen des Raums wie etwa in geopolitischen Denkmustern nicht auch Bestände einer ›Containerlogik‹ aufdecken lassen.

  13. 13.

    Schroer: Räume, Orte, Grenzen, S. 13.

  14. 14.

    Giddens: Konsequenzen der Moderne, S. 30.

  15. 15.

    Rotman: Die Null und das Nichts, S. 98.

  16. 16.

    Perec: Träume von Räumen, S. 11.

  17. 17.

    Ebd.

  18. 18.

    Stephan Günzel hat die Begriffe ›Raum‹ und ›Räumlichkeit‹ für den wissenschaftlichen Diskurs wie folgt unterschieden: »Für kultur- und medienwissenschaftliche Fragestellungen relevant ist nicht der Raum als Begriff einer physikalischen Entität, sondern die Möglichkeit einer Beschreibung räumlicher Verhältnisse hinsichtlich kultureller und medialer Aspekte. – Dies bedeutet, dass der Blick gewendet wird von dem, wie Raum bedingt, hin zu dem, wie Räumlichkeit bedingt ist.« (Günzel: Raum – Topographie – Topologie, S. 13; Hervorh. im Orig.) Für die Untersuchung von Räumlichkeit sieht er den methodischen Vorteil der Topologie darin, dass diese »zugleich die Konsequenz aus dem Reflexivwerden der Raumdebatte« ziehe, »die sich insbesondere aus der generellen Thematisierung des Raumbegriffs (spatial turn) sowie einer Problematisierung der Repräsentationsformen von Raum (topographical turn) ergeben« habe (ebd.; Hervorh. im Orig.).

  19. 19.

    Von den zahlreichen Forschungsbeiträgen, die zum Thema Raum und Räumlichkeit erschienen sind, seien einige ausgewählte genannt. Vgl. u. a. Hallet/Neumann (Hg.): Raum und Bewegung in der Literatur; Simons: Raumgeschichten; Günzel (Hg.): Topologie; Günzel: Raum; Dünne/Mahler (Hg.): Handbuch Literatur & Raum; Dünne: Die kartographische Imagination; Warning: Heterotopien als Räume ästhetischer Erfahrung; Maresch/Werber: Permanenzen des Raums; Werber: Die Geopolitik der Literatur; sowie Doetsch: Intervall.

  20. 20.

    Zur Proklamation des spatial turn im Kontext der Studie Postmodern Geographies (1989) von Edward W. Soja vgl. Döring/Thielmann: Einleitung, S. 7–9.

  21. 21.

    Vgl. Weigel: Zum ›topographical turn‹.

  22. 22.

    Vgl. Günzel: Spatial Turn – Topographical Turn – Topological Turn, S. 224–230.

  23. 23.

    Vgl. Dünne/Günzel (Hg.): Raumtheorie.

  24. 24.

    Günzel: Raum, S. 26.

  25. 25.

    Vgl. ebd., S. 30 f. Zur sogenannten Raumantinomie »Verschwinden vs. Erstarken« vgl. ebd., S. 26–35. Zum Begriff der ›Enträumlichung‹ vgl. Seitter: Technischer Raum.

  26. 26.

    Schroer: Räume, Orte, Grenzen, S. 10.

  27. 27.

    Vgl. Virilio: Rasender Stillstand.

  28. 28.

    Foucault: Die Geburt der Klinik, S. 9.

  29. 29.

    Simons: Raumgeschichten, S. 20.

  30. 30.

    Günzel: Raum, S. 23 (Hervorh. im Orig.).

  31. 31.

    Schmitz-Emans: Schrift und Abwesenheit, S. 41.

  32. 32.

    Serres: Hermes V, S. 62.

  33. 33.

    Höller: ›Ortschaft‹ bei Thomas Bernhard und Peter Weiß, S. 19.

  34. 34.

    Bernhard: Auslöschung, S. 158.

  35. 35.

    Vgl. Nienhaus: Architekturen und andere Räume, S. 54.

  36. 36.

    Gottschling: Verloren Gehen in den Polargebieten der Literatur, S. 304 (Hervorh. im Orig.).

  37. 37.

    Schroer: Räume, Orte, Grenzen, S. 13.

  38. 38.

    Böhme: Das Volle und das Leere, S. 61 [FN 7].

  39. 39.

    In einem anderen Kontext verwenden auch Anja Lemke und Alexander Weinstock den Begriff des ›Möglichkeitsraums‹, und zwar als »das Reich der Ideen, der verborgen im Individuum schlummernden, und nutzbar zu machenden Potentiale, die verlässlich zu quantifizieren, um das Risiko des ungedeckten Wechsels auf die Zukunft möglichst effektiv zu minimieren, sich als ebenso notwendig wie unmöglich zu gestalten scheint« (Lemke/Weinstock: Einleitung, S. 15).

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Schuchmann, K. (2022). Einleitung: »Das Thema dieses Buches ist nicht eigentlich die Leere …«. In: Entleerte Räume. Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, vol 9. J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-64025-8_1

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-64025-8_1

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  • Publisher Name: J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg

  • Print ISBN: 978-3-662-64024-1

  • Online ISBN: 978-3-662-64025-8

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