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»… sondern vielmehr das, was drum herum oder darin ist«: Zur epistemologischen und ästhetischen Dimension der Absenz

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Entleerte Räume

Part of the book series: Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ((KSDG,volume 9))

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Zusammenfassung

Die Konturen der Faszinationsgeschichte des Vakuums zeigten, dass die augenscheinliche Leere nicht in der Vorstellung vom absoluten, wenngleich in der Neuzeit als unendlich gedachten Raum aufgeht. In der quantenmechanisch vermittelten Vorstellung vom Nichts als Chaos und als Unbestimmtheit vor jeglicher raumzeitlichen Ausdehnung zeichnet sich im Sinne Karen Barads eine grundsätzlichere Offenheit ab, für die das Unendliche nur eine Vermittlungsfigur darstellt. Der Bezug zum Vorstellungskreis von Chaos und Unbestimmtheit war in der vorliegenden Studie entscheidend, um die Linien des Diskursproblems in einem spezifischeren Begriff von ›Absenz‹ zusammenlaufen zu lassen. Die epistemologische Dimension dieses Begriffs beinhaltet zwei Annahmen, um Absenz von der Vorstellung der fundamentalen Abwesenheit abzugrenzen und zugleich für den präferierten Zugang zu einer literarischen Ästhetik zu öffnen. Erstens verweist der Begriff auf ein ›Fehlendes‹, das paradoxerweise nur dadurch anwesend ist, dass es in einem Bezugssystem als Abwesendes wahrgenommen wird. Daher bezeichnete Absenz in dieser Studie zweitens nicht nur ein sich der Anschaulichkeit entziehendes Phänomen im Allgemeinen, sondern sie steht im Zusammenhang mit ebendem Vorstellungsfeld des Unbestimmten, Unverfügbaren und Möglichen. Im Rekurs auf Ansätze von Michel de Certeau sowie von Gilles Deleuze und Félix Guattari wurden für die weitere Untersuchung Denkfiguren aufgegriffen, die sich in Beschreibungsformen überführen ließen und als solche für Wissensbestände der Topo-Graphie und der Topologie anschlussfähig sind. Gerade die differenzierte Verknüpfung des Vorstellungskreises der Absenz mit der auch literaturtheoretisch fundierten Modalität der Verräumlichung kann neue Perspektiven auf Thomas Bernhards und Christoph Ransmayrs Erzähltexte eröffnen, deren Lektüren über die Untersuchung ihrer Erscheinungsräumlichkeit hinausgingen.

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Notes

  1. 1.

    Vgl. Barad: Was ist das Maß des Nichts?, S. 33.

  2. 2.

    Böhme: »Nur leerer Raum und Schatten«, S. 88.

  3. 3.

    Perec: Träume von Räumen, S. 11.

  4. 4.

    Schmitz-Emans: Schrift und Abwesenheit, S. 41.

  5. 5.

    Schroer: Räume, Orte, Grenzen, S. 13.

  6. 6.

    Bernhard: Drei Tage, S. 153 (Hervorh. im Orig.).

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Schuchmann, K. (2022). »… sondern vielmehr das, was drum herum oder darin ist«: Zur epistemologischen und ästhetischen Dimension der Absenz. In: Entleerte Räume. Kontemporär. Schriften zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, vol 9. J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-64025-8_10

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  • Publisher Name: J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg

  • Print ISBN: 978-3-662-64024-1

  • Online ISBN: 978-3-662-64025-8

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