Advertisement

Erste Schritte zum Urban Mining

  • Angelika Mettke
  • Viktoria ArnoldEmail author
  • Stephanie Schmidt
Chapter

Zusammenfassung

Heutzutage wohnt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Ballungsräumen; Mitte des 20. Jahrhunderts waren es nur 30 %; in 2050 werden es voraussichtlich 80 % sein. Eine derartige Verdichtung ist einerseits nachhaltig, weil weniger Naturfläche in Anspruch genommen und weniger Energie für Heizung und Warmwasseraufbereitung verbraucht wird. Andererseits bestehen die Nachhaltigkeitsziele darin, die menschlichen Bedürfnisse und den Wohnkomfort nicht einzuschränken. Die Anforderungen an die Wohnqualität ändern sich ständig. Immer mehr in den Blickpunkt rückt das gesunde Wohnen. Vorhandene Gebäude erfüllen oftmals diese Anforderungen nicht oder sind nicht mehr zeitgemäß und müssen deshalb abgebrochen bzw. zurückgebaut und durch neue Bauten ersetzt werden. Demzufolge kann man große Städte als permanent laufende Baustellen bezeichnen. Mit dem selektiven Rückbau von Gebäuden wird primär das Ziel verfolgt, die anfallenden Abbruchmaterialien sortenrein zu gewinnen, um sie gezielt zu gütegesicherten Sekundärrohstoffen aufbereiten zu können. Bereits genutzte Rohstoffe werden auf diesem Weg im Wirtschaftskreislauf gehalten, primäre Rohstoffe geschont und Deponieraum eingespart. Gegenwärtig können etwa 12 % der jährlich benötigten mineralischen Baustoffe durch Sekundärrohstoffe ersetzt werden. Deren Einsatz ist jedoch oftmals nicht ressourceneffizient. Noch zu viele Mengen an Bauschutt werden direkt, ohne Aufbereitung in Recyclinganlagen, z. B. für Verfüllmaßnahmen, verwendet. Beim Einsatz von Recyclingbaustoffen im Hoch- und zum Teil im Tiefbau bestehen in etlichen Kommunen immer noch Akzeptanzprobleme, obwohl mineralische Recyclingbaustoffe seit mehr als 30 Jahren verwendet werden. Städtische Ballungsräume bieten besonders ideale Voraussetzungen für den Einsatz von rezyklierten Gesteinskörnungen zur Betonherstellung aufgrund der räumlichen Nähe von Anfallort der Bau- und Abbruchmengen (Abbruch-/Rückbau-Baustelle) und dem Einsatzort in Neubaumaßnahmen. Zukünftig müssen große Städte als geschlossene Systeme betrachtet werden: Dort, wo das Material anfällt, ist es wieder einzusetzen. Ein riesiger Vorteil aus Kostensicht und Umweltgesichtspunkten besteht in den sehr kurzen Transportwegen. Um den vorhandenen Baubestand – auch als anthropogen geschaffenes Lager bzw. unter „Urban Mining“ diskutiert – zu nutzen, sind vorhandene bautechnische und -technologische Lösungen weiterzuentwickeln und Strategien auszubauen. „Urban Mining“ ist ein langfristig angelegtes Projekt, welches mehrere Generationen bearbeiten werden müssen. Der Grundstock für das zukünftige Baustoffrecycling muss bereits bei Gebäudeplanung gelegt werden.

Schlüsselwörter

Urban Mining Nachhaltige Stadtentwicklung Wiederverwendung von Bauteilen Baustoffrecycling Ballungsraum 

Literatur

  1. BBS, Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V. (2016) Zahlenspiegel 2016, Struktur- und Konjunkturdaten der Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie. Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V., BerlinGoogle Scholar
  2. BBS, Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V (2017) Kreislaufwirtschaft Bau, Mineralische Bauabfälle Monitoring 2014, Bericht zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabfälle im Jahr 2014. BBS, Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V, BerlinGoogle Scholar
  3. BImSchG – Bundes-Immissionsschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Mai 2013 (BGBl. I S. 1274), das zuletzt durch Artikel 3 des Gesetzes vom 18. Juli 2017 (BGBl. I S. 2771) geändert worden istGoogle Scholar
  4. BMUB – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Hrsg) (2016) Deutsche Ressourceneffizienzprogramm II. Programm zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen. Berlin. https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/progress_ii_broschuere_bf.pdf. Zugegriffen: 22. März 2018
  5. BMZ – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2014) Perspektiven der Urbanisierung – Städte nachhaltig gestalten. BerlinGoogle Scholar
  6. Brunner PH (2011a) Urban mining – a contribution to reindustrializing the city. J Ind Ecol.  https://doi.org/10.1111/j.1530-9290.2011.00345.xCrossRefGoogle Scholar
  7. Brunner PH (2011b) „… mehr als nur alter Wein in neuen Schläuchen“. Online Artikel. http://urbanmining.at/alter-wein-in-neuen-schlaeuchen/29. Zugegriffen: 25. März 2018
  8. Buchert M, Sutter J, Alwast H, Schütz N, Weimann K (2017) Ökobilanzielle Betrachtung des Recyclings von Gipskartonplatten. Endbericht. Umweltbundesamt, BerlinGoogle Scholar
  9. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2010) Rohstoffstrategie der Bundesregierung. Sicherung einer nachhaltigen Rohstoffversorgung Deutschlands mit nicht-energetischen mineralischen Rohstoffen. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, BerlinGoogle Scholar
  10. Dechantsreiter U, Horst P, Mettke A, Asmus S, Schmidt S, Knappe F et al (2015) Instrumente zur Wiederverwendung von Bauteilen und hochwertigen Verwertung von Baustoffen, Umweltbundesamt-Texte 93/2015. FKZ 3712(32):319Google Scholar
  11. Die Bundesregierung (Hrsg) (2016) Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Berlin. https://www.bundesregierung.de/Content/DE/_Anlagen/Nachhaltigkeit-wiederhergestellt/2017-01-11-nachhaltigkeitsstrategie.pdf?__blob=publicationFile&v=22. Zugegriffen: 22. März 2018
  12. Die Welt (Hrsg) (2014) Im Jahr 2030 soll es weltweit 41 Megastädte geben. https://www.welt.de/130026417. Zugegriffen: 23. Nov. 2018
  13. BMZ – Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016) Städte nachhaltig gestalten. Berlin. https://www.eda.admin.ch/agenda2030/de/home/agenda-2030/die-17-ziele-fuer-eine-nachhaltige-entwicklung/ziel-11-staedte-und-siedlungen-inklusiv-sicher.html. Zugegriffen: 21. März 2018
  14. DNR EU-Koordination (2011) Die europäische Ressourcen- und Rohstoffpolitik. Steckbrief. https://www.dnr.de/publikationen/steckbriefe-factsheets/steckbrief-europaeische-ressourcen-und-rohstoffpolitik/. Zugegriffen: 21. März 2018
  15. Europäisches Parlament (2011) Verordnung (EU) Nr. 305/2011 des europäisches Parlamentes und des Rates vom 9. März 2011 zur Festlegung harmonisierter Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten und zur Aufhebung der Richtlinie 89/106/EWG des Rates (EU-Bauprodukteverordnung – EU-BauPVO, ABI. L 88/5 ffGoogle Scholar
  16. European Commission (Hrsg) (2014) European ressource efficiency platform (EREP). Manifesto & policy recommendations. http://ec.europa.eu/environment/resource_efficiency/re_platform/index_en.htm. Zugegriffen: 21. März 2018
  17. GewAbfV – Gewerbeabfallverordnung vom 18. April 2017 (BGBl. I S. 896), die durch Artikel 2 Absatz 3 des Gesetzes vom 5. Juli 2017 (BGBl. I S. 2234) geändert worden istGoogle Scholar
  18. ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (2015) Stoffstrom-, Klimagas- und Umweltbilanz für das Jahr 2014. Abfallentsorgung. BerlinGoogle Scholar
  19. Krauß O, Werner T (2016) Potenziale eines hochwertigen Recyclings im Baubereich, 3. Aufl. VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH, BerlinGoogle Scholar
  20. Kreutzberg W (2016) Rahmenbedingungen für die Entsorgung mineralischer Abfälle im Land Brandenburg. Vortrag beim Brandenburgischen Baustoff-Recyclingtag am 16.02.2016 in CottbusGoogle Scholar
  21. KrWG – Kreislaufwirtschaftsgesetz vom 24. Februar 2012 (BGBl. I S. 212), das durch Artikel 2 Absatz 9 des Gesetzes vom 20. Juli 2017 (BGBl. I S. 2808) geändert worden istGoogle Scholar
  22. Mettke A (2009) Material- und Produktrecycling am Beispiel von Plattenbauten. BTU, CottbusGoogle Scholar
  23. Mettke A, Schmidt S, Heyn S (2018) Ressourceneffizienz und Umweltkommunikation: Nutzung von mineralischen Sekundärrohstoffen am Beispiel des Landes Berlin, Abschlussbericht – Teil 1Google Scholar
  24. Mettke A, Heyn S, Arnold V, Faßmann J, Schmidt S (2017) Untersuchungen zur ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft – Das selektierbare Bauwerk. Endbericht zum Forschungsprojekt „Der selektive Rückbau – Voraussetzung für eine ressourceneffiziente Krei slaufwirtschaft“Google Scholar
  25. Nationale statistische Ämter (2018) Europäische Union: Die zehn größten Städte/Agglomerationen im Jahr 2018Google Scholar
  26. Popp M (2014) Abfall als Rohstoff – Das Potenzial von Urban Mining für die Nachhaltigkeit. Ludwig-Maximilians-Universität München, MünchenGoogle Scholar
  27. Schweizerische Eidgenossenschaft (Hrsg) (2017) Ziel 11: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen. Online Artikel. https://www.eda.admin.ch/agenda2030/de/home/agenda-2030/die-17-ziele-fuer-eine-nachhaltige-entwicklung/ziel-11-staedte-und-siedlungen-inklusiv-sicher.html. Zugegriffen: 25. März 2018
  28. Statistisches Bundesamt (2017) Urbanisierungsgrad von 2006 bis 2016. Europäische Union & Eurozone: Statistisches BundesamtGoogle Scholar
  29. Statistisches Bundesamt (2018a) Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung in Deutschland in den Jahren von 2000 bis 2016, Statistisches BundesamtGoogle Scholar
  30. Statistisches Bundesamt (2018b) Anteil von Stadt- und Landbewohnern in Deutschland von 1990 bis 2010 und Prognose bis 2050. Statistisches BundesamtGoogle Scholar
  31. Umweltbundesamt (2010) Nachhaltiges Bauen und Wohnen. Ein Bedürfnisfeld für die Zukunft gestalten. Umweltbundesamt, Leimen-St.IlgenGoogle Scholar
  32. Umweltbundesamt (2016) Die Nutzung natürlicher Ressourcen. Bericht für Deutschland 2016. Umweltbundesamt, Dessau-RoßlauGoogle Scholar
  33. Umweltbundesamt (Hrsg) (2017) Urban mining. Online Artikel. https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/abfallwirtschaft/urban-mining#textpart-2. Zugegriffen: 23. März 2018
  34. Umweltbundesamt (Hrsg) (2018) Flächenverbrauch für Rohstoffabbau. Online Artikel. https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaechennutzung/flaechenverbrauch-fuer-rohstoffabbau. Zugegriffen: 22. März 2018
  35. UN-Habitat Global Activities Report (2015) Increasing synergy for greater national ownership. https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/1726Habitat%20Global%20Activties%202015.pdfGoogle Scholar
  36. Vereinte Nationen (2015) Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/21252030%20Agenda%20for%20Sustainable%20Development%20web.pdf. Zugegriffen: 18. Jan. 2018
  37. WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2016) Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte. Zusammenfassung. WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, BerlinGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Angelika Mettke
    • 1
  • Viktoria Arnold
    • 1
    Email author
  • Stephanie Schmidt
    • 1
  1. 1.Institut für Umwelt- und VerfahrenstechnikBrandenburgische Technische Universität Cottbus-SenftenbergCottbusDeutschland

Personalised recommendations