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Ein globales Geoinformationsmanagement für die Agenda 2030

  • Zaccheddu Pier-GiorgioEmail author
  • Thaller Daniela
  • Bouman Johannes
  • Afflerbach-Thom Sabine
  • Kretz Jeanette
Chapter

Zusammenfassung

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung beinhaltet einen Indikatorensatz zur Messung der 17 Nachhaltigkeitsziele. Die „Geo-Dimension“ der Nachhaltigkeitsziele zu erkennen und Geodaten zur nachhaltigen Entwicklung und zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele einzusetzen, wird derzeit in einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zu den Nachhaltigkeitsindikatoren herausgearbeitet. Deutschland ist in dieser Arbeitsgruppe durch das Statistische Bundesamt und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) vertreten. Nationale Geodaten in das europäische und internationale Umfeld einzubinden, rückt immer häufiger in den Fokus. Um vor Naturkatastrophen besser gewappnet zu sein, müssen Geodaten u. a. über die Veränderungen des Meeresspiegels oder der Erdkrustenbewegungen vorliegen. Dafür ist ein einheitlicher globaler geodätischer Referenzrahmen notwendig. Dieser kann nur erreicht werden, wenn alle Staaten weltweit in einer koordinierten Art und Weise zusammenarbeiten und insbesondere die wirtschaftlich starken Staaten ihren Beitrag leisten. In den Mitgliedsstaaten muss deshalb bei den politischen Entscheidungsträgern das Bewusstsein geweckt werden, dass die Nachhaltigkeitsziele und deren Umsetzung nur mit Unterstützung von validen und aktuellen Geodaten und einem einheitlichen globalen geodätischen Referenzrahmen erreicht werden können. In diesem Zusammenhang muss das „United Nations Global Geospatial Information Management (UN-GGIM)“ genannt werden: die Initiative der Vereinten Nationen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das globale Geoinformationsmanagement zu koordinieren. Wichtige Themen bei UN-GGIM sind u. a. die Integration von statistischen und geografischen Informationen, insbesondere in ihrer Bedeutung für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Als beachtlicher Erfolg für UN-GGIM kann die UN-GGIM-Resolution „Global Geodetic Reference Frame for Sustainable Development (GGRF)“ gewertet werden. Die UN-Generalversammlung (General Assembly), das höchste UN-Gremium, verabschiedete sie am 26. 02. 2015. GGRF ist damit die erste UN-Resolution mit Geobezug. Das Abkommen in seiner jetzigen Form hat das BKG aktiv mitgestaltet und damit einen entscheidenden Beitrag geleistet. Auch an der weiteren Ausgestaltung der Resolution ist das BKG aktiv beteiligt und gestaltet den Weg zur Realisierung des GGRF maßgeblich mit, insbesondere auch im Rahmen der Arbeiten des neu gegründeten UN-Subkomitees Geodäsie. Bei der Realisierung des GGRF kann auf die seit über 150 Jahren existierende globale Zusammenarbeit unter dem Dach der IAG (Internationale Assoziation für Geodäsie) aufgebaut werden. Da die Beiträge zur IAG aber bisher nicht über Staaten abgesichert sind, sondern auf dem Engagement einzelner Personen und Institutionen basieren, ist die nachhaltige Absicherung dieser bereits existierenden Kooperationen ein wichtiger Schritt zur Sicherstellung des globalen Referenzrahmens. Das BKG hat sich in UN-GGIM strategische Schlüsselpositionen gesichert, z. B. durch die Leitung von Arbeitsgruppen, um die Verbesserung eines globalen Geodatenmanagements mitzugestalten und die Erfüllung der 17 Nachhaltigkeitsziele sowie die Analyse der Geo-Dimension der SDGs und des Indikatorensets zu unterstützen sowie die IAG-Aktivitäten zum globalen geodätischen Referenzrahmen in eine nachhaltige Struktur zu überführen. Für den internationalen Agenda-2030-Prozess sind in Deutschland das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) politisch federführend. Von diesen wurde das Statistische Bundesamt im Jahr 2016 im Rahmen der nationalen Berichterstattung beauftragt, nationale Zeitreihen zu den globalen SDG-Indikatoren zusammenzustellen. Das Statistische Bundesamt ermittelt im Auftrag des Bundeskanzleramtes, inwiefern Daten von nationalen Stellen schon für die Erstellung der globalen Nachhaltigkeitsindikatoren geeignet sind bzw. bereits von internationalen Institutionen verwendet werden. Das BKG bietet sich an, neben seiner intensiven internationalen Einbindung bei der Analyse der Geo-Dimension bei den SDGs auch national ein kompetenter Partner im SDG-Monitoring für die geodatenrelevanten Indikatoren zu sein. Dabei können die Geodaten des BKG genutzt und Bundesbehörden bei der Entwicklung von Methoden zur Berechnung der SDG-Indikatoren – auch aus Fernerkundungsdaten – unterstützt werden.

Schlüsselwörter

UN-GGIM GGRF Geodaten Geodatenmanagement Data Integration 

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Authors and Affiliations

  • Zaccheddu Pier-Giorgio
    • 1
    Email author
  • Thaller Daniela
    • 1
  • Bouman Johannes
    • 1
  • Afflerbach-Thom Sabine
    • 1
  • Kretz Jeanette
    • 1
  1. 1.Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, BKGFrankfurt a. M.Deutschland

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