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Zukunftsweisende Perspektiven einer nachhaltigen Ersatzteilgewinnung durch Demontage von Altgeräten. Ein Ansatz zur Unterstützung der Inklusion im Handlungsfeld der Werkstätten für Menschen mit Behinderung

  • Susanne KochEmail author
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Zusammenfassung

Nicht nur durch aktuelle Pressemitteilungen rückt die Ersatzteillogistik wieder verstärkt in den Fokus eines breiten Interesses. Kostendruck, zunehmender Wettbewerb, immer kürzer werdende Produktlebenszyklen und die Forderung nach Schonung der Ressourcen zwingen die Unternehmen, nach neuen Wegen zu suchen, die die Funktionsfähigkeit abgesetzter Primärprodukte auch nach Ende der Produktion sicherstellen. Gängige Praxis ist es in den letzten Jahren, Altgeräte zu Demontagebetrieben in Entwicklungs- bzw. Schwellenländer zu verschicken, um dort die benötigten Ersatzteile zu gewinnen. Dieser Prozess wird zunehmend durch die sich verschärfenden Gesetze der beteiligten Länder zum Import von Schrott und Abfall erschwert. Eine Demontage der Altgeräte in Deutschland oder Europa ist in der Regel aufgrund der hohen Kosten für die größtenteils manuellen Tätigkeiten unwirtschaftlich. Die zunehmenden Transportkosten und der für Kunden immer wichtiger werdende Aspekt der Nachhaltigkeit verschärfen dieses Problem zusätzlich. Nur wenig im Fokus stehen für viele dieser Unternehmen die ca. 700 Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit mehr als 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (vgl. Winkelmann, Statistiken zu Behinderung und Beruf, https://www.rehadat-statistik.de/de/berufliche-teilhabe/WfbM/BAG_WfbM/index.html, 2018), die sich im Dienstleistungsbereich in den letzten Jahren verstärkt engagieren und sich den marktwirtschaftlichen Anforderungen durch Kooperationen im Sinne einer gelebten Inklusion stellen müssen und möchten. Es wird gezeigt, dass die Einbindung von Werkstätten für Menschen mit Behinderung eine interessante Möglichkeit bietet, die Versorgung insbesondere schnelllebiger Produkte mit Ersatzteilen speziell in der Nachbevorratungsphase zu gewährleisten. Auch aus Sicht der Werkstätten kann gezeigt werden, dass es einen Markt für das Angebot einer solchen Dienstleistung gibt und hier die Fähigkeiten der Menschen mit Behinderung identitätsstiftend (vgl. Keupp und Höfer, Identitätsarbeit heute: klassische und aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung, Suhrkamp, Frankfurt a. M, 1997) eingesetzt und weiterentwickelt werden können.

Schlüsselwörter

Ersatzteillogistik Demontage Recycling Nachhaltigkeit Werkstätten für Menschen mit Behinderung 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Frankfurt University of Applied SciencesFrankfurt am MainDeutschland

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