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Trauma und Arbeit

  • Stephanie HartungEmail author
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Zusammenfassung

Trauma gibt es, seitdem Menschen Kriege führen. Kriegstraumata wirken unmittelbar, mittelbar und transgenerational – genetisch wie sozial – und sie führen zu weitreichenden Folgestörungen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Anlässe für Trauma, seien es einzelne Momente wie Unfall, Mord, Tod, Vergewaltigung etc., oder seien es anhaltende Zustände wie z. B. Verwahrlosung, Desinteresse, Lieblosigkeit, Grausamkeit, Gewalttätigkeit o.ä. Als offene Systeme können nicht nur einzelne Menschen traumatisiert werden. Trauma wirkt auch auf Gruppen von Menschen sowie auf von Menschen gebildete soziale Strukturen, wie z. B. Organisationen, denn auch sie sind offene Systeme. Das Ergebnis von Trauma sind Zustände der Gespaltenheit, der Übererregtheit und der Lähmung. In diesen Zuständen gestalten traumatisierte Menschen unbewusst ihre privaten und beruflichen Beziehungen und Umfelder. Die Folge sind gespaltene und spaltende, übererregte und übererregende sowie gelähmte und lähmende Strukturen und Beziehungen, die wiederum zu Retraumatisierungen führen können. Trauma birgt einen positiven Rückkopplungseffekt, d. h. es wirkt sich verstärkend auf sich selbst aus. Über individuelles Trauma und die Folgen ist bereits viel geschrieben worden. Zu System-, bzw. Organisationstrauma, ebenso wie zur Bedeutung von Trauma in der Arbeitswelt und die mögliche gegenseitige Beeinflussung gibt es hingegen im deutschsprachigen Raum so gut wie keine Literatur. Diese Verbindung stelle ich in meinem Text dar. Im ersten Teil skizziere ich die Entwicklungsgeschichte und wesentliche Erkenntnisse der Traumaforschung. Vor diesem Hintergrund begründe ich, warum ich für eine weit gefasste Definition von Trauma plädiere, die den genannten Prämissen gerecht wird. Im zweiten Teil beschreibe ich die grundlegenden und existenziellen Aspekte von Arbeit. Im dritten Teil lege ich dar, welche Verbindung zwischen Trauma und Arbeit besteht, und wie sie einander beeinflussen. Der Text will die weite Verbreitung von Trauma und dessen so umfassende wie entscheidende Bedeutung für unsere Arbeitswelt darlegen. Zugleich will er Anregung für vertiefte Traumaforschung im organisationalen Bereich sein.

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Authors and Affiliations

  1. 1.KölnDeutschland

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