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Modernisierung

  • Dieter Unger
Chapter
Part of the VDI-Buch book series (VDI-BUCH)

Zusammenfassung

In diesem Kapitel wird anhand eines Beispiels eine Modernisierung beschrieben und welche Richtlinien und Normen hierbei zu berücksichtigen sind. Bei der Modernisierung von Aufzugsanlagen gibt es mehrere Möglichkeiten und Ansatzpunkte. Viele Aufzugsbetreiber nehmen nur optische Veränderungen vor. Bei diesen optischen Veränderungen wird meistens nur der Fahrkorb neu ausgekleidet oder die Schachttüren werden modernisiert.

In diesem Kapitel wird anhand eines Beispiels eine Modernisierung beschrieben und welche Richtlinien und Normen hierbei zu berücksichtigen sind. Bei der Modernisierung von Aufzugsanlagen gibt es mehrere Möglichkeiten und Ansatzpunkte. Viele Aufzugsbetreiber nehmen nur optische Veränderungen vor. Bei diesen optischen Veränderungen wird meistens nur der Fahrkorb neu ausgekleidet oder die Schachttüren werden modernisiert.

Man kann aber auch eine Modernisierung aufgrund sicherheitstechnischer Gesichtspunkte durchführen. Hierzu zählt zum Beispiel der Austausch einer alten Steuerung, die in Funktion und Bedienung nicht mehr dem Stand der Technik entspricht. Man kann auch nur den Antrieb austauschen gegen einen neuen Antrieb mit einer Frequenzregelung. In diesem Fall spielen Aspekte des Energieverbrauchs eine Rolle. Nebenbei kann man mit einem neuen Antrieb auch den Fahrkomfort erhöhen.

Bei der Modernisierung einer Aufzugsanlage handelt es sich immer um eine Änderung einer Anlage. In diesem Fall ist die TRBS 1121 „Änderung von Aufzugsanlagen“ zu beachten. Nach der BetrSichV sind bei Änderungen an Aufzugsanlagen vor der Inbetriebnahme die Anlagen zu prüfen. Der Stand der Technik sollte beachtet werden.

Folgendes Beispiel soll verdeutlichen, welche Aspekte bei einer Modernisierung zu beachten sind und welche Auswirkungen kleine Ursachen haben können. Hinweise zum Umgang mit Anlagen, die geändert werden, konnten in der TRBS 1121 entnommen werden. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Manuskripts war die TRBS 1121 jedoch noch nicht überarbeitet und an die neue BetrSichV angepasst worden. Aus diesem Grund ist es nicht abschätzbar, wie eine neue TRBS inhaltlich aussieht. Unabhängig davon, wie die Bearbeitung und die Empfehlungen der überarbeitenden TRBS 1121 aussehen, können trotz allem nach Ansicht des Autors die nachfolgenden beschriebenen Punkte sinngemäß angewendet werden. Eine Empfehlung kann an dieser Stelle auch das vom DAfA veröffentlichte Papier „Änderung von Aufzugsanlagen“ geben.

Wir nehmen einmal an, dass an einer Aufzugsanlage der Fahrkorb neu ausgekleidet werden soll. Hierzu sollen die Wände mit einem neuen Edelstahldekor beklebt werden. Als Annahme soll der Fahrkorb eine Nutzlast von 630 kg haben.

Ein Fahrkorb mit einer Grundfläche von 1100 mm × 1400 mm hat ein Gewicht von ca. 900 kg. Eine zusätzliche Auskleidung mit Edelstahl wiegt etwa 250 kg bis 300 kg. Somit erhöht sich das Fahrkorbgewicht auf etwa 1200 kg.

Durch die Gewichtserhöhung des Fahrkorbs müssen alle anderen relevanten Komponenten überprüft werden. Hierbei ist zu untersuchen, ob die Grenzwerte und Eckdaten noch übereinstimmen. Deshalb sollten folgende Komponenten untersucht oder nachberechnet werden:
  • Fangvorrichtung

  • Führungsschienen

  • Puffer

  • Tragmittel

  • Triebwerk

  • Rollenträger

  • Hydraulikheber

  • Steuerblock

  • Druckleitungen

  • Leitungsbruchventil

In der Annahme, es handelt sich um einen Seilaufzug mit 4 Haltestellen, mit Maschinenraum oben über, kann man auf die Überprüfung der hydraulischen Komponenten wie Hydraulikheber, Steuerblock, Druckleitungen und Leitungsbruchventil verzichten.

Überprüfung der Fangvorrichtung

Fangvorrichtungen werden bis zu einem bestimmten Grenzwert im Fangfall eingesetzt. Dieser Grenzwert ist vom Fahrkorbgewicht und der Nutzlast abhängig. Bei einer Erhöhung des Fahrkorbgewichtes kann dieser Grenzwert überschritten werden.

Aus diesem Grund muss die vorhandene Fangvorrichtung mit dem geänderten Fahrkorbgewicht neu berechnet werden. Wird der Grenzwert überschritten, so muss eine neue Fangvorrichtung für den nächst höheren Grenzwert eingebaut werden. Beim Einbau einer neuen Fangvorrichtung ist darauf zu achten, dass man eine Schutzeinrichtung für die Übergeschwindigkeit in Auf- und Abwärtseinrichtung vorsieht.

Überprüfung des Geschwindigkeitsbegrenzers

Zusätzlich muss im Maschinenraum der einfach wirkende Geschwindigkeitsbegrenzer gegen einen doppelwirkenden ausgetauscht werden.

Überprüfung der Führungsschienen

Die Führungsschienen sind an der Schachtwand montiert. Durch das zusätzliche Gewicht des Fahrkorbs wird die Knickbeanspruchung im Fangfall verändert. Das bedeutet, dass zu gering dimensionierte Schienen die zusätzlichen Lasten im Fangfall nicht schadlos widerstehen können. Unzureichende Führungsschienen müssen demzufolge ausgetauscht werden.

Überprüfung des Gegengewichtes

Das Gegengewicht muss nur durch das zusätzliche Fahrkorbgewicht angepasst werden.

Überprüfung der Puffer

Eine Erhöhung des Fahrkorbgewichts kann ein Austausch des Puffers verursachen, denn der Puffer muss den Fahrkorb nach unten abfedern. Hier spielt das Gewicht des Fahrkorbs eine große Rolle.

Überprüfung der Tragmittel und des Triebwerkes/Rollenträger

Bei einer Erhöhung des Fahrkorbgewichtes um 300 kg, muss demzufolge das Gegengewicht ebenfalls um 300 kg erhöht werden. Das bedeutet, dass der Antrieb und die Antriebswelle um zusätzliche 600 kg belastet werden. Hierbei muss zum einen die Antriebswelle der Belastung standhalten und der Antriebsmotor muss die nötige Kraft haben, dass zusätzliche Gewicht bewegen zu können. Weiterhin müssen die Tragmittel überprüft werden, ob diese nicht zu gering dimensioniert sind. Sollte der Antrieb ausgetauscht werden, so ist der Austausch der Seile und der Treibscheibe zu empfehlen.

Überprüfung der Steuerung

Die Überprüfung der Steuerung ist nicht zwingend notwendig. Wenn sie noch dem Stand der Technik entspricht, muss sie nicht ausgetauscht werden. Sollte sich jedoch bei der Überprüfung ergeben haben, dass der Antrieb durch einen Antrieb mit einem größeren Anschlusswert ausgetauscht werden muss, sollte die Steuerung überprüft werden.

Ein Betreiber, der auf technische Beratung angewiesen ist, kann die Auswirkungen seines Wunsches nach einer neuen Fahrkorbauskleidung nicht abschätzen. Bei einem seriösen Aufzugsunternehmen wird man aber immer die oben genannten Untersuchungen durchführen.

Eine kostengünstige Alternative zu dem eben beschriebenen Beispiel ist der Austausch des kompletten Fahrkorbs. Hierbei besteht die Möglichkeit durch den Einsatz geeigneter Materialien das Fahrkorbgewicht konstant zu halten, im günstigsten Fall sogar zu verringern. Beim Einsatz eines neuen Fahrkorbs wird zusätzlich eine neue Fahrkorbtür benötigt, inkl. der geforderten elektrischen Einrichtungen auf dem Fahrkorbdach.

Zusätzlich ist der Austausch der Fangvorrichtung zu empfehlen, wenn diese nicht mehr dem Stand der Technik entspricht, da gerade ältere Anlagen keinen Schutz gegen die unkontrollierte Aufwärtsbewegung haben. Hierdurch würde man auch die Sicherheit der Aufzugsanlage erhöhen. Alternativ ist auch der Einbau einer Seilbremse im Maschinenraum oder unterhalb der Schachtkopfdecke möglich.

Unabhängig davon, welche Komponenten man austauscht und dem Stand der Technik anpasst, sollte man folgende drei Punkte einer Modernisierung beachten:

Eine Modernisierung sollte man stets
  • Hören (durch moderne und leise Komponenten)

  • Fühlen (durch ein ruhiges Fahrverhalten)

  • Sehen (durch Verschönerung von Fahrkorb, Türen)

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Dieter Unger
    • 1
  1. 1.RodgauDeutschland

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