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Goldregen

Hülsenfrüchtler, Fabaceae
  • Fritz Schade
  • Harald Jockusch
Chapter

Zusammenfassung

Die Gifte des Goldregens sind Alkaloide, die in allen Pflanzenteilen, besonders konzentriert aber in den Blüten und den reifen Früchten vorkommen, wie das Cytisin (nach Cytisus, dem früheren Gattungsnamen des Goldregens) und das Laburnin (nach dem heutigen Gattungsnamen Laburnum). Die Vergiftungserscheinungen beginnen mit Brennen im Rachen, Durst und Übelkeit und setzen sich unbehandelt mit Würgen bis zu blutigem Erbrechen, Lähmungen, Krämpfen, Halluzinationen, Kollaps bis zum Tod durch Atemlähmung fort – ein höllisches Szenario! Drei bis vier Hülsen oder 15 bis 20 Samen sollen für Kinder tödlich sein. Es gibt Berichte über ganze Gruppen von Kindern mittleren Alters, die „Bohnen“ des Goldregens gegessen hatten und mit schweren Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Sehr giftig!

Eine der vier Urgroßmütter des Textautors, eine sehr kurzsichtige Dame, die in Berlin gelebt hat, rief in einem Juni vor 150 Jahren: „Wie herrlich der Goldregen wieder blüht!” Es handelte sich allerdings um den gelben Postwagen, der hinter einem Gebüsch stand. Noch immer ist leuchtendes Gelb die Farbe der Post in Deutschland.

Die hängenden, traubigen Blütenstände des Goldregens sind nicht von ungefähr den blauen des Blauregens (Kap.  17) und den weißen der Robinie (Kap.  25) in der Form sehr ähnlich. In allen drei Fällen sind auch die Einzelblüten typische „Schmetterlingsblüten”, weshalb man Bäume, Sträucher und Kräuter mit solchen Blüten Schmetterlingsblütler, Papilionaceae, genannt hat. Mit den neuen Namensgebungen für die Pflanzenfamilien schwindet auch hier die Poesie: Jetzt sind es die Fabaceae, die Bohnenartigen. Im Volksmund heißt der Goldregen zuweilen auch Bohnenbaum – das verweist auf die Verwandtschaft zu den einjährigen Bohnenpflanzen, die ebenfalls Schmetterlingsblüten haben (Kap.  43). Es deutet aber auch auf die Gefährlichkeit des zierlichen Goldregenbaums hin: Aus den Blüten werden grüne Hülsen, die wie Miniaturbohnen aussehen und gerade die richtige Größe für die Puppenstube haben. Und diese Böhnchen sind wie alle Teile des Goldregens sehr giftig.

Die Gifte des Goldregens sind Alkaloide, die in allen Pflanzenteilen, besonders konzentriert aber in den Blüten und den reifen Früchten vorkommen, wie das Cytisin (nach Cytisus, dem früheren Gattungsnamen des Goldregens) und das Laburnin (nach dem heutigen Gattungsnamen Laburnum). Die Vergiftungserscheinungen beginnen mit Brennen im Rachen, Durst und Übelkeit und setzen sich unbehandelt mit Würgen bis zu blutigem Erbrechen, Lähmungen, Krämpfen, Halluzinationen, Kollaps bis zum Tod durch Atemlähmung fort – ein höllisches Szenario! Drei bis vier Hülsen oder 15 bis 20 Samen sollen für Kinder tödlich sein. Es gibt Berichte über ganze Gruppen von Kindern mittleren Alters, die „Bohnen“ des Goldregens gegessen hatten und mit schweren Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Der heftige Brechreiz, den die Goldregenalkaloide auslösen, ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers, die meist einen schlimmen Vergiftungsverlauf verhindert.

Der Baum ist eine goldgelbe Augenweide, aber nur aus der Entfernung zu genießen – und sollte keinesfalls an Kindergärten oder auf Kinderspielplätzen und Schulhöfen stehen, solange keine giftfreie Sorte zur Verfügung steht (vgl. Kap.  14)!
Abb. 21.1

Goldregen, Blüte und unreife Früchte, wiss. Laburnum anagyroides, engl. Golden chain, franz. Cytise; 4/5 nat. Größe. Zeichnung © Fritz Schade

Abb. 21.2

Goldregen, reife Früchte, wiss. Laburnum anagyroides, engl. Golden chain, franz. Cytise; 4/5 nat. Größe. Zeichnung © Fritz Schade

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.HamburgDeutschland
  2. 2.Universität BielefeldFreiburgDeutschland

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