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Risiken und Nebenwirkungen. Unbehagliche Begegnungen zwischen Forschenden und Beforschten

  • Bettina Bruns
  • Dorit Happ
  • Kristine Beurskens
Chapter

Zusammenfassung

Während Feldforschungen sind die Forschenden oft mit unvorhersehbaren Situationen konfrontiert, die jenseits ihrer Kontrolle liegen und die mit Gefahren und Risiken für die eigene Unversehrtheit verbunden sein können. Am Beispiel des lokalen Umgangs mit Alkohol im Feld zeigt der Beitrag auf, welchen Herausforderungen sich Feldforschende gegenüber sehen können und wie schwierig der Balanceakt zwischen persönlicher Abgrenzung und Annehmen der Situationen in der Feldforschung sein kann.

15.1 Wenn Alkohol ins Spiel kommt

Die in der qualitativen Feldforschung unabdingbare direkte Nähe zu den untersuchten Personen und ihren jeweiligen alltäglichen Handlungskontexten erfordert von dem/der Forschenden Anpassungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zwischen Forscher/in und Beforschten entstehen zu lassen, die wiederum die Grundlage für eine erfolgreiche Datensammlung bietet. Gleichzeitig bleiben Forschende unabhängige, dem Feld externe Persönlichkeiten mit eigenen Wertmaßstäben und Prägungen. Er oder sie ist also mit dem Spannungsfeld zwischen möglichst tiefem Eintauchen in das Feld, das auch Risiken mit sich bringen kann, und der eigenen Abgrenzung von diesen Risiken und der Wahrung der eigenen Sicherheit konfrontiert. Als explizites Beispiel dieses Dilemmas thematisiert dieser Beitrag den Umgang mit Alkohol sowohl während konkreter Interviewsituationen als auch bezüglich organisatorischer Aspekte von Feldforschungen.

15.2 Erfahrungen mit Alkohol im Feld

Begegnung 1: Zur widerspenstigen Gastfreundschaft alkoholisierter Gastgeber

Unser erstes Beispiel ist eine Interviewsituation, die im Rahmen einer Feldforschung in der Ukraine im Jahr 2012 stattgefunden hat. Das übergeordnete Ziel der Feldforschung war in diesem Fall die Analyse des Einflusses von EU-finanzierten Projekten auf lokale und regionale Strukturen. Dafür wurden qualitative Interviews mit an EU-Projekten beteiligten Experten/Expertinnen und anderen lokalen Stakeholdern durchgeführt. Das hier betrachtete Interview fand aufgrund der persönlichen Vermittlung durch einen Interviewpartner statt. Dieser ursprüngliche Gesprächspartner Oleg hatte einen weiteren Gesprächspartner Ivan,1 einen Bürgermeister in einem kleinen Dorf in der Westukraine, nicht nur empfohlen und den Gesprächstermin arrangiert. Oleg hatte auch die Anreise mit seinem Privatauto in das abgelegene Dorf organisiert und uns, zwei Forscherinnen, zum Gespräch begleitet.

Kurz nach der Ankunft begrüßt Ivan, unser potenzieller Gesprächspartner, vor dem Rathaus unseren kleinen Trupp. Nach einer kurzen Begrüßung führt uns Ivan in einen Festsaal und dort treffen wir überraschenderweise auf einen mit vielfältigen Speisen gedeckten Tisch und werden zum Abendessen eingeladen (s. Abb. 15.1). Bereits während wir unser Forschungsvorhaben vorstellen, unterbricht uns Ivan und bittet uns, erst einmal zu essen und dann das Interview zu führen. Darauf gehen wir ein, stellen unsere Interviewfragen zurück und essen gemeinsam mit den Anwesenden. Zu den warmen Speisen wird Alkohol – Wein und Wodka – angeboten. Während des Essens werden vor allem private Themen besprochen.
Abb. 15.1

Aufnahme des Tisches mit Aufnahmegerät (rechte untere Ecke) (Foto: D. Happ 2012)

Nach einer Weile starten wir einen zweiten Versuch, das Interview zu beginnen. Abermals unterbricht uns Ivan und besteht darauf, dass wir erst einmal mit Alkohol auf unser Treffen anstoßen müssten. Auf diesen ersten Trinkspruch folgen in kurzen Abständen weitere Toasts aller Anwesenden. Unsere Versuche, nochmals das Interview aufzunehmen, werden durch den Bürgermeister immer wieder unterbrochen beziehungsweise vereitelt. Obwohl er zuvor zwar in das Interview eingewilligt und auch der Aufnahme des Gespräches mit einem Diktiergerät zustimmt hat, antwortet er auf unsere Fragen einsilbig oder gar nicht. Als wir selbst keinen Alkohol mehr trinken wollen und das automatische Nachfüllen durch den Gastgeber freundlich ablehnen, stellt Ivan offen die Bedingung, dass wir weiter Alkohol trinken müssten, damit wir Fragen stellen dürften. Obwohl wir scherzhaft darauf verweisen, dass wir doch schon viel getrunken hätten und als Frauen nicht so viel vertrügen, insistiert er, dass wir weiter gemeinsam trinken müssten. Nachdem er in einer dominanten Art zudem sagt, dass er keine Widerworte akzeptiere, entscheiden wir, keine weiteren Fragen zu stellen und nach Beendigung des Essens ohne ein Interview das Dorf wieder zu verlassen.

Begegnung 2: Zur existenziellen Gefährdung Forschender durch alkoholisierte Fahrer

Neben der konkreten Interviewsituation lassen auch ganz profane Tätigkeiten während eines Feldaufenthaltes, wie der Transport der Forschenden von A nach B, Raum für durch Alkohol hervorgerufene Risiken. Auch diese eher unscheinbaren riskanten Momente organisatorischer Natur erfordern von dem/der Forschenden eine Positionierung zwischen Eintauchen ins und Abgrenzung vom Feld. So fanden wir uns als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in einem Forschungsprojekt auf einer Straße im karelischen Wald Russlands wieder – mit einem alkoholisierten Fahrer, der uns durch unsere Kooperationspartner/innen vermittelt worden war.

In eher ländlichen, abseits von großen Zentren gelegenen Regionen wie in den Grenzgebieten der Republik Karelien Interviews zu führen bedeutet, teils lange Strecken zu kleinen, weit entfernten Orten zurücklegen zu müssen. Die schlecht entwickelte Verkehrsinfrastruktur und niedrige Frequenz von Personenbeförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln lassen uns nur die Wahl, uns in der Transportfrage auf lokale Fahrer zu verlassen. Als wir an einem Morgen für eine stundenlange Fahrt durch den karelischen Wald wieder ins Auto steigen, bemerken wir nach einiger Zeit: Unser Fahrer ist stark alkoholisiert. Inzwischen haben wir unseren vorherigen Interviewort verlassen und befinden uns auf einer wild angelegten, holprigen Straße weit entfernt von Siedlungen. Was tun? Hilft hier noch aussteigen, oder ist es doch sicherer, im Auto zu bleiben? Und würden wir durch das Ansprechen der Situation und gegebenenfalls den Abbruch der Fahrt nicht unweigerlich unseren mühsam arrangierten Interviewtermin des Tages riskieren? Niemals würden wir ohne diese Fahrmöglichkeit rechtzeitig im nächsten Ort ankommen. Wir entschließen uns, all unser Vertrauen aufzubringen, verwickeln den Fahrer ab und zu in leichte Gespräche, um sein Einschlafen zu verhindern, und kommen letztendlich wohlbehalten, wenn auch merklich erschöpft, am nächsten Interviewort an.

Was hilft in solchen Situationen bei der Gewichtung der eigenen Sicherheit und der Verantwortung für das Gelingen der Feldforschung? Wie kann die Entscheidung ausfallen, welche Rolle spielen Menschenkenntnis oder Naivität im Alltag der Feldforschung?

15.3 Dynamiken im Spannungsfeld von Alkohol und Forschung

In einer ethnographischen Feldforschung eingebettete qualitative Interviews sind als aktiv initiierte encounter in ihrer Anbahnung, Durchführung und Verwertbarkeit im hohen Maße von der Beziehung zwischen Interviewenden und Interviewten abhängig (vgl. McDowell 2010, S. 162). Das heißt, der Erfolg der Feldforschung beruht im besonderen Maße auf der Beziehung zwischen Interviewer/in und Interviewten. Hierbei stellen die Kontaktaufnahme und die Schaffung einer freien und offenen Gesprächsatmosphäre eine besondere Herausforderung dar.

In der beschriebenen Situation der Begegnung 1 zeigt sich gleich zu Beginn das ambivalente Verhältnis zwischen den Interviewenden und dem Interviewvermittler Oleg. In dem beschriebenen Fall war eine selbstständige Kontaktaufnahme mit dem Interviewpartner nicht möglich, da dessen Kontaktdaten nicht öffentlich zugänglich waren. Es ist also davon auszugehen, dass ein Gespräch ohne das soziale Kapital von Oleg – dem Gesprächsvermittler oder auch gatekeeper – nicht zustande gekommen wäre: Die hohe Bedeutung von solchen persönlichen Kontakten und dem damit verbundenen Vertrauen für eine Interviewzusage ist für den Erfolg der Forschung nicht zu unterschätzen (vgl. Przyborski und Wohlrab-Sahr 2014, S. 59 ff). Die Dankbarkeit der Forschenden aufgrund der geleisteten Unterstützung des Forschungsvorhabens geht dabei allerdings mit einem hohen Grad an Abhängigkeit und dem Gefühl der Verpflichtung gegenüber der Vermittlungsperson einher, was es in den Kontaktsituationen auszuhalten gilt (vgl. Breidenstein et al. 2013, S. 53).

Alkohol fungiert in dieser Begegnung zum einen als Machtinstrument: Der Interviewpartner will die Rahmenbedingungen bestimmen. Zum anderen kann Alkohol auch eine vertrauensbildende Funktion ausüben: Der Interviewpartner nimmt uns, die außenstehenden Interviewerinnen, in einer Art von Initiationsritus in die Dorfgemeinschaft beziehungsweise in die Gesprächssituation auf. Auch kann hier eine bestimmte kulturelle Gesprächstradition festgestellt werden, in der dem professionellen, beruflichen Gespräch ein privater, persönlicher Austausch vorausgeht. Dies kann wiederum als ein Instrument betrachtet werden, Vertrauen aufzubauen. Der Bürgermeister nimmt durch sein Bestehen auf der skizzierten Trinkkultur aktiv Einfluss auf die Gesprächssituation und möchte die Regeln für das Gespräch bestimmen. Das gesamte Setting – der Festsaal in einem administrativen Gebäude, die reichhaltige Tafel und der Alkohol – kann als ein Versuch des Bürgermeisters gesehen werden, seine soziale Stellung im Dorf einzuführen und zu reproduzieren. Das in Osteuropa verbreitete Sprichwort auf russisch „Пить без тоста – это пьянка.“ auf Deutsch „Trinken ohne einen Toast/Trinkspruch – das ist Sauferei“ zeigt zudem die den Trinksprüchen zugesprochene zivilisatorische Bedeutung als Mittel zur Abgrenzung von einer unkontrollierten Trinkerei. Durch die Aufforderung, einen Toast zu sprechen, werden auch wir, die beiden Interviewerinnen, in die Tischgemeinschaft integriert.

Das hartnäckige Bestehen des Bürgermeisters auf dem gemeinsamen Trinken kann aber zugleich auch als eine Form der indirekten Interviewabsage oder Interviewverweigerung gesehen werden. Wir als Interviewerinnen verzichteten jedoch darauf, den scheinbaren Alkoholzwang zu thematisieren, da wir keine kritische oder gar eskalierende Aussprache initiieren wollten. Wir folgten also nicht unserem Bedürfnis, das Gespräch abzubrechen und selbstbestimmt das Dorf zu verlassen, sondern verhielten uns eher passiv. Dies geschah auch, da wir uns unserem Gesprächsvermittler Oleg verpflichtet fühlten, der uns als Gäste eingeführt hatte. Auch waren wir für zukünftige Interviews auf weitere Kontaktempfehlungen von Oleg angewiesen und wollten durch ein mögliches ablehnendes Verhalten keine Hindernisse für zukünftige Gesprächsvermittlungen schaffen. Das grundlegende notwendige und beständige Bemühen in der Feldforschung, Vertrauen aufzubauen (vgl. Breidenstein et al. 2013, S. 60), führte hier zu einem Handeln, welches im Widerspruch zu unserem eigenen Wohlbefinden im Interviewkontext stand.

Die skizzierte Erfahrung aus der Feldforschung zeigt, dass in Gesprächssituationen, in denen der/die Forschende auf unerwartete, veränderte Rahmenbedingungen für das Interview trifft, er/sie schnell und spontan eine Entscheidung über den weiteren Gesprächsverlauf oder einen möglichen Gesprächsabbruch treffen muss. In der beschriebenen Begegnung hat es uns geholfen, dass wir uns kurz der Situation entzogen haben, das heißt den Raum und den Gesprächspartner aufgrund einer Ausrede (zum Beispiel ein Toilettengang, wichtiges Telefonat) verlassen haben, um kurz die veränderten Rahmenbedingungen zu reflektieren. Folgende Fragen können dabei helfen: Was mache ich hier? Wie fühle ich mich? Möchte ich so ein Interview führen? Kann ich auf die Rahmenbedingungen Einfluss nehmen? Ist das Gesprächsmaterial unter diesen Umständen brauchbar? Welche Konsequenzen hätte ein Gesprächsabbruch?

Abhängigkeiten und Verpflichtungsgefühle spielten auch bei Begegnung 2 eine entscheidende Rolle. Erstens gab es die Verpflichtung gegenüber dem kommenden Termin. Ein langwieriger Prozess der Interviewanbahnung war vorausgegangen, offizielle Schreiben waren per Post ausgetauscht worden, die Kosten der Anreise waren hoch. Zweitens wollten wir die Kontakte zu und die weitere Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern/-partnerinnen vor Ort nicht aufs Spiel setzen. Ganz besonders entscheidend aber war die umfassende Abhängigkeit von diesem einen Transportmittel, was man bestenfalls als eine etwas leichtfertige Planung der Feldforschungsreise betrachten kann – eine Situation, die sicher nicht selten besteht und auf die man sich nicht im Vorhinein fachlich vorbereiten kann. Hinweise zu der Frage, mit welcher Wertigkeit in solchen nicht vorhersehbaren Situationen die eigene Gesundheit der Forschenden verhandelt wird, scheinen in der Methodenliteratur zu Feldzugängen unauffindbar, ganz im Gegensatz zu Themen wie der Optimierung der Kontaktaufnahme, Vertrauensaufbau, soziale Netzwerke usw. Forschende müssen in Situationen wie der beschriebenen in Windeseile Entscheidungen treffen, die möglicherweise Konsequenzen für ihre persönliche Integrität besitzen. Dabei muss gleichzeitig eine Abwägung zwischen dem eigenen Wohlergehen und Schutz, den gewohnten Sicherheitsstandards und der Effizienz der Datenerhebung getroffen werden. Auch hier zeigen sich deutlich die Grenzen des Gestaltungsspielraums, der uns als Forscherinnen zur Verfügung stand und somit die äußeren Zwänge, die uns wiederum in ungewollte Entscheidungszwänge brachten. Wir hatten mitnichten eine Kontrolle über die Situation, in der wir uns befanden und merkten, dass sie eher von Handlungen und Absichten der lokalen Beteiligten als von unserem Eingreifen gesteuert wurde – ein Paradebeispiel für eine „effektive teilnehmende Beobachtung“ (Nilan 2002, S. 364), in der die Forschenden die Situation nicht kontrollieren, sondern lediglich „natürlich“ entstehende Phänomene beobachten (ebd.).

Unsere Lösung der Situation war eine passive, allenfalls vorsichtig mitsteuernde Anpassung, die ein großes Risiko barg. In der Retrospektive betrachtet werden gemeinhin übersehene Risiken deutlich – im Moment der Entscheidung allerdings bleibt oft nicht viel Zeit zur Reflexion und Abwägung. Das gilt auch, wenn es sich um organisatorische Dinge handelt, die die Datenerhebung an sich sicherstellen sollen.

15.4 Das Wohlergehen der Forschenden sichern

Forschende sind im Feld gezwungen, spontan auf Gesprächspartner/innen, Kontaktsituationen und praktische Umstände der Feldforschung einzugehen. Oftmals muss flexibel und schnell die Entscheidung, unter welchen Bedingungen ein Interview sinnvoll und für die Forschung gewinnbringend ist, getroffen werden; Aspekte eigener Gesundheit oder Sicherheit rücken dabei nicht selten in den Hintergrund. Dies hängt damit zusammen, dass die Forschenden trotz ihrer eigenverantwortlichen Planung des Feldaufenthaltes äußeren Zwängen unterworfen sind, die ihre Entscheidungsfreiheit einschränken, wie die zwei erläuterten Situationen illustrieren.

Begegnung 1 zeigt, dass die vermeintliche Dichotomie von Forschern/Forscherinnen und Beforschten als aktiver und passiver Teil in Bezug auf die Bestimmung und Gestaltung der Gesprächssituation oftmals nicht existiert, stattdessen im Feld sogar umgekehrt auftreten kann. In Begegnung 2 werden vielfältige Abhängigkeiten der Forschenden während der Feldforschung deutlich, denen sie unterworfen sind und die sie mit Unbehaglichkeit und oft sogar Risiken für ihre eigene Gesundheit konfrontieren.

Zwar ist eine robuste Verfassung der Forschenden einer erfolgreichen Feldforschung äußerst dienlich, wie auch Girtler erkannt hat:

Gebot 10: Du brauchst eine gute Konstitution, um dich am Acker, in stickigen Kneipen, in der Kirche, in noblen Gasthäusern, im Wald, im Stall, auf staubigen Straßen und auch sonst wo wohl zu fühlen. Dazu gehört die Fähigkeit, jederzeit zu essen, zu trinken und zu schlafen. (Girtler 2009, S. 85)

Jedoch darf nicht vergessen werden, dass Forschende neben der hier thematisierten Anpassungsfähigkeit und Flexibilität auch eine Achtsamkeit und Verantwortung sich selbst gegenüber besitzen müssen, damit die Feldforschung zu einem positiven Ergebnis kommt und alle Beteiligten wohlauf bleiben. In beiden beschriebenen Beispielen haben sich die Forschenden in für sie unangenehme, zum Teil objektiv riskante Situationen begeben, die durch einen leichtfertigen Umgang mit Alkohol von weiteren in der Feldforschung beteiligten Personen hervorgerufen wurden, mit denen die Forschenden auf unterschiedliche Art und Weise in einem Abhängigkeitsverhältnis standen. Um diese herausfordernden Situationen zu meistern, hilft nur die Anwendung gesunden Menschenverstands jenseits von allem methodischen Know-how. Es wäre niemandem geholfen, weder der Forschung noch den beteiligten Personen, stellte der/die Forschende seinen/ihren wissenschaftlichen Ehrgeiz und die „Jagd“ nach fundierten Daten über seine/ihre eigene körperliche und psychische Unversehrtheit. Es gilt für Diskussionen über das physische und psychische Wohlergehen der Forschenden im Feld, die Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit bei Gefahren jedweder Art immer noch die Aussage von Sluka (1990, S. 114), dass eben diese Diskussionen meist nicht stattfinden. Wenn man jedoch der Auffassung von Diphoorn folgt, dass emotionale Erfahrungen der Forschenden im Feld selbst eine bestimmte Form von Daten darstellen, die entscheidende Bestandteile der eigentlich erhobenen Daten im Sinne der Wissensgenerierung sind (vgl. Diphoorn 2013, S. 203), so stellt die Reflexion darüber auch ein Qualitätsmerkmal qualitativer Studien dar.

Fußnoten

  1. 1.

    Die Namen wurden aus Anonymisierungsgründen geändert.

Literatur

  1. Breidenstein, G., S. Hirschauer, H. Kalthoff, und B. Nieswand. 2013. Ethnografie: Die Praxis der Feldforschung. Stuttgart: UTB.Google Scholar
  2. Diphoorn, T. 2013. „The Emotionality of Participation: Various Modes of Participation in Ethnographic Fieldwork on Private Policing in Durban, South Africa.“ Journal of Contemporary Ethnography 42(2): 201–225.CrossRefGoogle Scholar
  3. Girtler, R. 2009. 10 Gebote der Feldforschung. Berlin [u. a.]: LIT-Verlag.Google Scholar
  4. McDowell, L. 2010. „Interviewing. Fear and Liking in the Field.“ In The SAGE Handbook of Qualitative Geography, Hrsg. D. DeLyser, S. Herbert, S. Aitken, M. Crang, und L. Mc Dowell, 156–171. Los Angeles: Sage.CrossRefGoogle Scholar
  5. Nilan, P. 2002. „‚Dangerous Fieldwork‘ Re-examined: The Question of Researcher Subject Position.“ Qualitative Research 2(3): 363–386.CrossRefGoogle Scholar
  6. Przyborski, A., und M. Wohlrab-Sahr. 2014. Qualitative Sozialforschung: Ein Arbeitsbuch. München: Oldenbourg Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  7. Sluka, J. 1990. „Participant Observation in Violent Social Contexts.“ Human Organization 49(2): 114–126.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Leibniz-Institut für LänderkundeLeipzigDeutschland
  2. 2.BerlinDeutschland
  3. 3.Leibniz-Institut für LänderkundeLeipzigDeutschland

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