Zum 1. Mai – Walpurgisnacht und Wonnemonat

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Zusammenfassung

Seit dem Mittelalter hat der Mai im jahreszeitlichen Erleben einen besonderen Stellenwert – eventuell zurückgehend auf eine unter Pippin III. (um 715–768) im Jahre 755 begründete fränkische Tradition einer Heeresversammlung, die angesichts des Frühlingserwachens von allerhand heiteren Spielen und Turnieren begleitet wurde. Die winterliche Ruhepause in der Natur ist nun endgültig vorüber. Sichtbares Zeichen ist das frische Grün in der Flur und die spätestens jetzt auch im Bergland einsetzende Obstblüte, die eine verschwenderische Fülle inszeniert. Das hat auch nachhaltig die Vorstellungswelt der Römer beflügelt: Mit Flora bezeichneten sie ihre für Blüten und Gärten zuständige Göttin. Nachweislich errichteten sie ihr schon im Jahre 238 v. Chr. im antiken Stadtzentrum Roms nahe beim Circus Maximus einen eigenen Tempel. Konsequenterweise hatte die göttliche Flora im Frühjahr auch ihre eigenen und – glaubt man den antiken Quellen – meist sogar ziemlich heftig begangenen Festtage: Die Floralia fanden jedes Jahr zwischen April und Mai statt, wenn auch im mediterranen Süden fast alles in Blüte steht. Nach römischer Auffassung soll die blumige Göttin Flora mit der seinerzeit ebenfalls hochverehrten Ceres verwandt sein, der wachsamen Göttin des Ackerbaus und aller der Ernährung dienenden Pflanzen. Das wäre eine durchaus treffliche verwandtschaftliche Linie. Weil nun der Mai so unverkennbar den Neubeginn in der Natur markiert, führen manche Kulturhistoriker bzw. Volkskundler die Maifeier(n) sogar auf antike Ursprünge zurück. Dafür spricht auch der Monatsname: Er ist benannt nach dem Jupiter Maius, dem Wachstum bringenden Jupiter.

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Authors and Affiliations

  1. 1.WachtbergDeutschland

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