Zusammenfassung
Belle de jour, ein Spätwerk von Luis Buñuel, wird häufig als ein Film wahrgenommen, der die masochistischen Neigungen einer wohlhabend verheirateten Pariserin thematisiert, die ein Doppelleben als Prostituierte führt. Der vorliegende Beitrag widerlegt diese Auffassung durch eine minutiöse Analyse der Komposition des Films und weist auf diesem Weg nach, dass der Regisseur ein offenes Kunstwerk geschaffen hat. Es spielt mit dem Wunsch der Betrachter nach einer eingängigen Geschichte, deren Genuss sie sich überlassen können. Sexualität und Erotik erweisen sich zwar als wesentliche Aspekte der Filmkomposition, werden jedoch fortschreitend zu Irritationen, die die Betrachter auf sich selbst verweisen. Über ihre psychologische Dimension hinaus gewinnen diese Irritationen politische, religiöse, ja metaphysische Bedeutung.
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Notes
- 1.
Zum theoretischen Hintergrund dieser methodologischen Position vgl. Wimsatt/Beardsley 1946 sowie dies. 1949.
- 2.
Zeitliche Angaben zum Film richten sich stets nach der deutschen Ausgabe des Films. Vgl. Belle de jour (Luis Buñuel, Frankreich 1966), 01:34:13–01:34:19. Der originale französische Text wird nur zitiert, sofern erhebliche Abweichungen vorliegen.
- 3.
Sämtliche Schloss- und Parkszenen des Films beziehen sich auf denselben Drehort, das Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Château de Rosny-sur-Seine.
- 4.
Belle de jour, 00:02:07–00:02:4.
- 5.
Belle de jour, 00:03:09.
- 6.
Belle de jour, 00:03:27.
- 7.
Belle de jour, 00:03:33–00:03:4.
- 8.
Belle de jour, 00:04:48.
- 9.
Belle de jour, 00:05:9. Die deutsche Fassung lässt die dritte, höchst signifikante Wiederholung des Vornamens weg.
- 10.
In der deutschen Fassung ist ein leichtes Stöhnen Séverines zu hören, das im Original fehlt.
- 11.
Belle de jour, 00:05:20.
- 12.
Belle de jour, 00:05:26–0:05:36. Im französischen Original ist vom Landauer die Red.
- 13.
Belle de jour, 00:06:01–00:06:2.
- 14.
Belle de jour, 00:35:42–00:35:50. Im französischen Original heißt es: Pierre: »Est-ce qu’on donne un nom aux taureaux comme aux chats?« Henri: »Mais oui. La plupart de ceux-là s’appellent Remords. Excepté le dernier, qui s’appelle Expiation.«
- 15.
Belle de jour, 00:36:14–00:36:3.
- 16.
Belle de Jour, 00:56:03–00:56:49.
- 17.
Belle de Jour, 01:16:08–01:16:30.
- 18.
Belle de Jour, 01:10:40.
- 19.
Belle de jour, 01:12:59.
- 20.
Belle de jour, 00:01:49.
- 21.
21 In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wird die Antibabypille zu einem gängigen Verhütungsmittel.
- 22.
Belle de jour, 00:07:33–00:07:3.
- 23.
In seiner Autobiografie berichtet Luis Buñuel von seiner Faszination für die Hypnose, die anzuwenden er in jungen Jahren gelernt hatte (vgl. ebd.: S. 96 ff.).
- 24.
Belle de jour, 00:49:08.
- 25.
Auch in seiner Autobiografie weist der Regisseur darauf hin, dass die Streichung der Messe die Stimmung der Sequenz in erheblichem Maße geändert habe (vgl. Buñuel 2004, S. 357).
Literatur
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Buñuel L (2004) Mein letzter Seufzer. Erinnerungen. Mit einem Vorwort von Jean-Claude Carrière und einer Besprechung von Jörg Fauser. Alexander, Berlin
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LaRochefoucauld F de (2012) Maximes et réflexions morales. Maximen und Reflexionen. Hrsg. und aus dem Französischen übers. von Stackelberg J (= Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 18877). Philipp Reclam jun., Stuttgart
Göttler F (2004) Ein Puppenheim, ein Haikukästchen. Fundsachen für Séverine. In: Farin M, Schmid H (Hrsg) Belle de Jour. Schöne des Tages. Belleville, München, S 209–235
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Wimsatt WK, Beardsley MC (1946) The intentional fallacy. The Sewanee Review 54(3):468–488
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Lamott, F., Astroh, M. (2017). Entz auberung der Lust. In: Laszig, P., Gramatikov, L. (eds) Lust und Laster. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-53715-2_5
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