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Zwei Söhne einer Mutter

  • Mathias Hirsch

Zusammenfassung

Die Ambivalenz der Protagonisten sich selbst und ihrem Sosein gegenüber zeigt sich in den subtil angedeuteten Sehnsüchten, anders zu leben und anders zu sein. Ein karges, kleinbürgerliches Landleben ist mit »normal« erscheinender Heterosexualität verbunden, die Freiheit des Stadtlebens gestattet dagegen das Ausleben einer homosexuellen Identität. Zwei Söhne einer Mutter (einen Vater gibt es nicht) repräsentieren die zwei Welten. Der eine wurde und wird von ihr aggressiv unterdrückt, was ihn umso abhängiger macht, er kann sich von der Mutter nicht trennen und verbindet seine Heterosexualität mit Aggression und Beziehungsunfähigkeit. Der andere wurde von der Mutter bevorzugt, allerdings in sexualisierter Weise, sodass Homosexualität und Weggehen in die Stadt wie eine Flucht vor dieser Mutter erscheinen. Dieser Sohn ist verstorben, und sein Gefährte kommt aufs Land, um dem Begräbnis beizuwohnen; kaum angekommen, wird er von der Mutter wie ein Ersatz ähnlich idolisiert wie der Sohn, während der Bruder sein deutlich erotisch gefärbtes Interesse, dass er dableiben soll, brutal durchsetzen will. Aber auch der Fremde fühlt sich nach und nach wie hypnotisiert zum einfachen Leben, zur Natur, hingezogen, in seiner Ambivalenz scheitern seine Versuche zu entkommen mehrfach, bis es ihm nach einem heftigen Zweikampf mit dem Bruder gelingt zu fliehen.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2017

Authors and Affiliations

  • Mathias Hirsch
    • 1
  1. 1.DüsseldorfGermany

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