Gibt es denn eine bessere Farbe als Blau?

  • Beate West-Leuer

Zusammenfassung

Durch seine homoerotischen Sexszenen hat Abdellatif Kechiches Gewinnerfilm des Goldenen Löwen in Cannes 2013 Blau ist eine warme Farbe wie kaum ein anderer Publikum, Filmschaffende, Kritiker und Medien polarisiert. Die künstlerische Auseinandersetzung mit lesbischer Liebe und Lust provozierte nicht nur einen Schlagaustausch zwischen konservativen und progressiven Kräften, sondern im Nachhinein – und das ist ungewöhnlich – auch einen öffentlich ausgetragenen Streit zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen auf der einen und dem Regisseur auf der anderen Seite sowie zusätzlich zwischen den Filmbeteiligten und der Autorin der Filmvorlage: ein Hinweis, wie sehr das Liebesdrama auch den Mitwirkenden unter die Haut ging und ein immer noch aktuelles gesellschaftliches Tabu berührt. Dass die »Auflösung« der Sexszenen, sozusagen ihre Legitimation, erst im letzten Drittel des Films erfolgt, mag die heftigen Reaktionen des Publikums erklären: Denn erst in dieser späten Phase des Leinwanddramas offenbart sich die verstörende Beziehungsgeschichte eines lesbischen Paars in ihrer ganzen kathartischen Dimension.

Literatur

  1. Kernberg O (1998) Liebesbeziehungen. Normalität und Pathologie. Klett-Cotta, StuttgartGoogle Scholar
  2. Maroh J (2016) Blau ist eine warme Farbe. Splitter Verlag, BielefeldGoogle Scholar
  3. Morgenthaler F (1994) Homosexualität, Heterosexualität, Perversion. Psychosozial, GießenGoogle Scholar
  4. Quindeau I (2008) Verführung und Begehren. Die psychoanalytische Sexualtheorie nach Freud. Klett-Cotta, StuttgartGoogle Scholar
  5. Rauchfleisch U (2002a). Historischer Abriß. In: Rauchfleisch U, Frossard J, Waser G, Wiesendanger K, Roth W (Hrsg) Gleich und doch anders. Psychotherapie und Beratung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und ihren Angehörigen. Klett-Cotta, Stuttgart, S 15–37Google Scholar
  6. Rauchfleisch U (2002b) Coming-out, ein lebenslanger Prozeß. In: Rauchfleisch U, Frossard J, Waser G, Wiesendanger K, Roth W (Hrsg) Gleich und doch anders. Psychotherapie und Beratung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und ihren Angehörigen. Klett-Cotta, Stuttgart, S 38–51Google Scholar
  7. Roth W (2002) Übertragung und Gegenübertragung in der therapeutischen Beziehung. In: Rauchfleisch U, Frossard J, Waser G, Wiesendanger K, Roth W (Hrsg) Gleich und doch anders. Psychotherapie und Beratung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und ihren Angehörigen. Klett-Cotta, Stuttgart, S 124–135Google Scholar
  8. Schäfer J (1999) Vergessene Sehnsucht: Der negative weibliche Ödipuskomplex in der Psychoanalyse. Vandenhoeck & Ruprecht, GöttingenGoogle Scholar
  9. Sedgwick E Kosofsky (1999) A Dialogue on Love. Beacon Press, Boston MAGoogle Scholar
  10. Sevens H (2011) »Wehe, wehe Klarsehn!« Mark Rothko und der Schmerz der Erkenntnis – Eine mögliche Lesart. Agora 17(20)45–50Google Scholar
  11. West-Leuer B (2007) »New Realities«. eXistenZ von David Cronenberg und Mulholland Drive von David Lynch: Wenn äußere Realität und psychische Realität nicht unterschieden werden. Psyche – Z Psychoanal 61:1241–1254Google Scholar
  12. West-Leuer B (2009) Brokeback Mountain von Ang Lee (2005). Eine psychoanalytische Rekonstruktion des Kriminalfalls: »Who´s done it?« Psyche – Z Psychoanal 63:1231–1243Google Scholar

Internetquellen

  1. Feige M (2004) Überlegungen zu den Farben Blau und Gelb in Träumen – Die Bedeutung der Farben in Äußerungen des Unbewussten. http://www.uni-koeln.de/zentral/senioren/AK_Archiv/Vortrag_Feigel_13.12.pdf. Zugegriffen am 15. Aug 2016
  2. Lehnartz S (2013) »Er wollte sehr intensive Sexszenen machen.« http://www.welt.de/kultur/kino/article123197639/Er-wollte-sehr-intensive-Sexszenen-machen.html Zugegriffen am 16. Aug 2016
  3. Wikipedia a. https://de.wikipedia.org/wiki/Blau_ist_eine_warme_Farbe. Zugegriffen am 15. Aug 2016
  4. Wikipedia b. https://de.wikipedia.org/wiki/Queer_Studies. Zugegriffen am 5. Sept 2016

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2017

Authors and Affiliations

  • Beate West-Leuer
    • 1
  1. 1.NeussGermany

Personalised recommendations