Sexualitäten in David Cronenbergs Filmen

  • Joachim F. Danckwardt

Zusammenfassung

Mit dem gewaltrünstigen Film Crash, einem Typus von Filmen, der dem Splatterkino, dem Kino der Grenzerfahrungen, nahesteht, schien David Cronenberg 1996 seine kontinuierlichen Filmentwicklungen über Sexualitäten abgeschlossen zu haben. Er überraschte 2011 erneut mit A dangerous Method. Darin übertrug er seine finsteren Visionen der Lustsuche mit »Neuem Fleisch und Creative Cancer« (The Brood, 1979), mit neuen erogenen Topografien (Videodrome, 1983), neuen Körperzugängen mit Bio-Ports im Rückenmark (eXistenZ, 1999), neuen psychoplasmatischen Therapien (The Brood, 1979) auf die psychoanalytische Therapiemethode. Mit der als »Psycho-Port« zweckentfremdeten Psychoanalyse könne eine neue erogene Zone dunkler Begierde geschaffen werden, exemplifiziert am Beispiel der entgleisten Beziehung von C. G. Jung und seiner Patientin Sabina Spielrein (A Dangerous Method, 2011). Nirgendwo als in Crash hat er die dafür verantwortliche Synchronisierung der seelischen und der filmischen Prozesse anschaulicher und überzeugender dargestellt. An ihm lässt sich eine psychoanalytische (Film-)Prozess-Ästhetik fundieren.

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Authors and Affiliations

  • Joachim F. Danckwardt
    • 1
  1. 1.TübingenGermany

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