Privatjustiz und öffentliche Rechtlosigkeit

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Zusammenfassung

Ein wichtiger Grund für das Versagen der öffentlichen Rechtssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Investition in private Sicherheitsfirmen. Der Justizsektor ist in diesen Ländern seit langem funktionsunfähig und erweist sich nicht nur für die Armen als korrupt und unfähig. Infolgedessen investieren große Wirtschaftsunternehmen und reiche Privatleute, die sich u.a. dank billiger Arbeitskräfte und großer Rohstoffvorkommen zunehmend in diesen Ländern etablieren, in private Sicherheitsunternehmen, die sie persönlich sowie ihre Firmen schützen. Das hat zu einem immensen Wachstum des privaten Sicherheitssektors insbesondere in Afrika geführt. Dies steigert zwar das Bruttoinlandsprodukt der betroffenen Länder, aber zugleich führen diese Investitionen zur völligen Verkümmerung des öffentlichen Rechtswesens. Das Zahlen von Bestechungsgeldern ist billiger und einfacher für Betriebe, als Missstände anzuprangern und Reformen einzufordern. Der Aufbau eines privaten Parallelsystems für reiche Eliten führt dazu, dass die allgemeine (arme) Bevölkerung von der Rechtsdurchsetzung in einem Land ausgeschlossen wird. Diese Entwicklung raubt die Hoffnungen auf Reformen zur Etablierung von Rechtsschutz für Menschen ohne die nötigen finanziellen Mittel, um sich Schutz (private Sicherheitsfirmen) oder Rechtsprechung (Bestechungsgelder) zu erkaufen.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.International Justice MissionWashingtonUSA
  2. 2.U.S. Department of JusticeWashingtonUSA

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