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Fließen – Tropfen – Stille

Notizen zu Musik und Wasser
  • Janina KlassenEmail author
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Zusammenfassung

Wenn von Musik und Wasser gesprochen wird, dann in den meisten Fällen vom musikalischen Fluss, das heißt vom nicht revidierbaren zeitlichen Verlauf. Da Musik eine Zeitkunst ist, trifft die Beobachtung für einen großen Teil auch jener Musik zu, die nichts mit Wasser zu tun hat. Die Metaphorik des Fließens ist bei der Beschreibung von Musik so geläufig, dass andere Vorstellungen erst bewusst gemacht werden müssen. Wenn Wasser musikalisch ausgedrückt werden soll, dann in einem ästhetischen Abstrahierungs- und Übersetzungsvorgang. Das gilt selbst bei akustischen Field Recordings von Wasserquellen. Wasser wird sensorisch durch Geruch, Geschmack sowie durch Feuchte-, Temperatur- und Druckempfindung über die Haut wahrgenommen. Sehen und hören kann man Wasser nur aufgrund der Einwirkung von Licht und durch Bewegung, evoziert durch Wind, Gezeiten, Gefälle oder mechanische Eingriffe, kanalisiert in Verlaufsformen (wie Flussbetten), umgrenzt von Gefäßen oder begrenzt von Ufern (Wassersaum, Strand). Die zur Musikbeschreibung herangezogenen Bewegungsmetaphern richten sich nach der sinnlichen akustischen und visuellen Erfahrung mit Wasser in der natürlichen und in der zivilisierten Umgebung. Sie reicht vom Rinnsal und tropfenden Wasserhahn bis zu Stromschnellen, Platzregen, Meeresrauschen und stillen Gewässern. Dabei beeinflussen Geschwindigkeit, Masse, Temperatur und Umgebung sowohl das empfundene Tempo als auch den Lautstärkepegel.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Hochschule für MusikFreiburg im BreisgauDeutschland

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