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Scheidung der Eltern als Risikofaktor für die kindliche Entwicklung

  • Martina ZempEmail author
  • Guy Bodemann
Chapter
Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Eine Scheidung der Eltern gehört neben destruktiven Paarkonflikten innerhalb der familiären Risikofaktoren zu den bedeutendsten Prädiktoren für psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Für alle betroffenen Familienmitglieder bedeutet eine Scheidung meist den schmerzhaften Zerfall eines Lebensentwurfs, der als hochgradig destabilisierend und belastend erlebt wird. Für die Partner ist eine Scheidung ein wesentlicher Risikofaktor für körperliche Krankheiten und frühzeitigen Tod. Die Effektstärken sind dabei vergleichbar oder fallen gar höher aus als die prominentesten Bestimmungsgrößen für Mortalität wie bspw. Rauchen, Fettleibigkeit oder körperliche Inaktivität (Holt-Lunstad et al., PLoS Medicine 7(7). doi:10.1371/journal.pmed.1000316, 2010). Dies ist insofern besonders alarmierend als gegenwärtige Scheidungsraten auf eine nie dagewesene Unbeständigkeit in Ehen hinweisen; in den vergangenen 40 Jahren hat sich das Scheidungsrisiko mehr als verdoppelt. In den westlichen Industriestaaten wird derzeit rund jede zweite Ehe geschieden. Während in den 1960er Jahren in den USA noch 90 % der Kinder mit beiden biologischen Eltern aufgewachsen sind, waren dies 40 Jahre später nur noch 40 % (Bryner, The Journal of the American Board of Family Practice 14(3):201–210, 2001). Der Umstand, dass jährlich bei etwa jeder zweiten Scheidung auch minderjährige Kinder betroffen sind, unterstreicht die Relevanz der Frage, wie Kinder die Scheidung ihrer Eltern erleben und welche psychosozialen Auswirkungen dies auf ihr Wohlbefinden und ihr späteres Leben haben wird.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Psychologisches InstitutUniversität ZürichZürichSchweiz

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