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Virtuelles NSA-Gefängnis

Aus dem Spähkästchen geplaudert – und warum Snowden Dinge enthüllt, die schon immer zur Datenverarbeitung gehören
  • Gerald Lembke
  • Ingo Leipner
Chapter

Zusammenfassung

Gestern hatte Sandra ihr erstes Date mit einem Apotheker, mit dem sie sich virtuell prima verstanden hat. Das war bei anderen Kandidaten ähnlich, die sich später aber als dumme Testosteronnieten entpuppten. Zum Beispiel der Typ mit dem geborgten Porsche … Das Smartphone des Apothekers liegt auf dem Tisch, er selbst ist für eine Zigarette vor die Tür gegangen. Sandra hat sich im Internet schlau gemacht, schnappt sich das Gerät: Rasch ein Jailbreak‐Programm über den Browser runterladen, um herstellerfremde Apps auf das Smartphone zu zaubern. Dann unsichtbar im Hintergrund die Spionage‐App aufspielen … fertig! Ob dieses James‐Bond‐Tempo realistisch ist? Egal, entscheidend ist, dass Sandra vor dem nächsten Treffen perfekt „gebrieft“ sein wird – oder gleich das Date absagt. Sie öffnet ihren Account auf der Website von PrivateSpy, das Dashboard erscheint. Sandra kennt sofort die letzten Standorte des Apothekerhandys und die zehn häufigsten Anrufpartner. „Klasse“, freut sie sich und klickt weiter: Anrufaufzeichnungen! Dauer, Zeitpunkt und Mitschnitte … Sandra hört mal rein, und schon fällt ihr die Kraft aus dem Gesicht: So ein Casanova und Parallel‐Dater! Derselbe Text am Telefon wie bei ihr, nur ein anderer Frauenname! „Glück gehabt, auf den falle ich nicht mehr rein“, denkt sich Sandra. Nach dem ersten Schrecken checkt sie noch den Rest seiner Daten: Kontakte, E‐Mails, Fotos, SMS und Videos; Browser‐Verlauf, Facebook‐Aktivitäten … Ein Apotheker aus Glas, der keine Geheimnisse mehr vor Sandra hat.

Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Digitale Medien – Medienmanagement und KommunikationDuale Hochschule Baden-WürttembergMannheimDeutschland
  2. 2.EcoWordsLorschDeutschland

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