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Ueber die Bedeutung des Darmes für die Pathogenese der echten Urämie

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Siebenunddreissigster Kongress

Part of the book series: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin ((VDGINNERE))

Zusammenfassung

Das klinische Bild der echten Urämie beobachtet man bei der Niereninsuffizienz der akuten Nephritis, solange es nicht zu völliger Anurie kommt, seltener und weniger deutlich ausgesprochen als bei der Niereninsuffizienz der Schrumpfnieren. Die Blutuntersuchung ergibt wesentliche Unterschiede: Bei der Niereninsuffizienz der akuten Nephritis sind auch bei hohem Blut-RN, Harnstoff und Harnsäure die aromatischen von der Fäulnis der aromatischen Aminosäuren im Darm stammenden Gruppen nicht oder nur wenig retiniert, während sie bei der Niereninsuffizienz der Schrumpfnieren früh und stark retiniert gefunden werden. Das Verhalten des Indikans im Blut ist schon von Haas und von Rosenberg eingehend untersucht worden; über den Indikangehalt der Gewebe habe ich früher berichtet. Ich fand bei der Niereninsuffizienz der akuten Nephritis die Phenole in Blut und Oedemen nicht oder nur wenig vermehrt, bei der Niereninsuffizienz der Schrumpfnieren und besonders bei echter Urämie dagegen stark vermehrt. Die Phenole sind in gebundenem Zustand vorhanden, nur bei schwerster Niereninsuffizienz können Spuren von flüchtigen, die Millonsche Reaktion gebende Substanzen auch in freiem Zustande vorkommen. Der grössere Teil der Blutphenole besteht, wie ich gemeinsam mit Dr. Täglich feststellen konnte, aus p-Kresol, der kleinere Teil aus Phenol selbst. Ich konnte im Blut bei echter Urämie auch eine Fraktion isolieren, die ihren chemischen Eigenschaften nach Diphenole, Brenzkatechin und Hydrochinon enthalten kann. Das Zusammentreffen von hohen Blutphenolwerten und von Symptomen der echten Urämie liess daran denken, dass den Blutphenolen auch eine pathogenetische Bedeutung für das Zustandekommen der echten Urämie zukommen könnte. Das Bild der chronischen Phenolvergiftung, wie es bei Chirurgen der Listerschen Zeit und in Karbolfabriken öfter beobachtet wurde, erinnert an das der echten Urämie. Symptome der chronischen Phenolvergiftung sind: Abmagerung, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Hautausschläge und Nierenschädigungen. Nach Untersuchungen von Haas und Schlesinger wirkt bei der künstlichen, akuten Phenolvergiftung nur das freie Phenol giftig. Es ist aber nicht anzunehmen, dass das gebundene Phenol völlig ungiftig ist; bei der chronischen Phenolvergiftung gelangen so kleine Phenolmengen ins Blut, dass die Bindung an Schwefel- und Glukuronsäure ohne weiteres vollständig erfolgen kann. Trotzdem treten die Giftwirkungen auf. Es gelang mir, gemeinsam mit Dr. Koch die Blutphenole durch rektale Gaben von Aminosäuren bei der niereninsuffizienten Schrumpfniere zu steigern, dabei kam es ohne Anstieg des Blut-RN zu einer deutlichen Verschlechterung der urämischen Symptome, während andererseits starke Steigerung des Blutharnstoffspiegels durch Harnstoffgaben das klinische Bild nicht nennenswert änderten. Die Phenole gehen merkwürdigerweise nicht, oder erst kurz vor dem Tode in geringen Mengen in den Liquor über im Gegensatz zu den intermediären Eiweissschlacken.

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Becher, E. (1925). Ueber die Bedeutung des Darmes für die Pathogenese der echten Urämie. In: Géronne, A. (eds) Siebenunddreissigster Kongress. Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. J.F. Bergmann-Verlag, Munich. https://doi.org/10.1007/978-3-662-42919-8_57

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-42919-8_57

  • Publisher Name: J.F. Bergmann-Verlag, Munich

  • Print ISBN: 978-3-662-42642-5

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