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Allgemeine Vorbemerkungen zur Erbpathologie der Nervenkrankheiten

  • Friedrich Curtius
Part of the Handbuch der Inneren Medizin book series (INNEREN, volume T. 2)

Zusammenfassung

Auf keinem Gebiet der Medizin wurde die Erblichkeitsfrage früher und nachdrücklicher aufgegriffen als auf dem der Nervenheilkunde. Man lese etwa Charcots berühmte Dienstagsvorlesungen, um festzustellen, wie außerordentlich groß das Interesse und wie umfangreich die Erfahrungen des Pariser Klinikers auf diesem Gebiet waren. Kennzeichnend und von programmatischer Bedeutung ist sein Ausspruch: «Le clinicien n’a entre ses mains qu’une épisode s’il veut se borner à l’étude du malade lui-même et n’embrasse pas l’histoire de la famille entière.» Auch auf das Buch seines Schülers Féré über die neuro-pathische Familie ist hier hinzuweisen. In Deutschland hat sich besonders Möbius schon frühzeitig diesen Fragen zugewandt, ferner wiesen u. a. Erb und Oppenheim immer wieder auf die ausschlaggebende Bedeutung der erblichen Veranlagung für die verschiedensten endogenen und exogenen Nervenkrankheiten hin. Es wäre verfehlt, in diesen und manchen anderen einschlägigen Schriften keine brauchbaren erbpathologischen Gesichtspunkte zu erwarten: die theoretischen Deutungen der vormendelistischen Ära mußten fallen; der Begriff der transformierenden Vererbung, demzufolge die Erbanlagen variabel sein und ohne Regel ineinander übergehen sollten, konnten nach der Erkenntnis von der weitgehenden Konstanz und züchterischen Isolierbarkeit der Gene nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die klinischen, erb- und konstitutions-pathologischen Beobachtungen der älteren Forscher stellen aber auch heute noch eine unerschöpfliche Fundgrube von Anregungen dar, deren Auswertung mit den Hilfsmitteln der modernen Erbpathologie sehr zu wünschen wäre.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1939

Authors and Affiliations

  • Friedrich Curtius
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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