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Vom Beginn der volkswirthschaftlichen Bewegung bis zum Jahre 1862

  • H. Boettger

Zusammenfassung

Es war gegen das Ende der 30er Jahre, als sich auf Grundlage der Adam Smith’schen volkswirthschaftlichen Theorien in Manchester unter Führung von Cobden und Bright ein Verein bildete, mit der Absicht, die damals in England bestehenden Getreidezölle, überhaupt eine Reform des Zolltarifs im Sinne des Freihandels, herbeizuführen. Dieser Verein, dessen Mitglieder man schlechthin die Manchesterschule nannte, löste sich nach Erreichung seines Zweckes am 22. Juli 1846 auf. Aber die Männer, welche in demselben vorzugsweise thätig gewesen waren, suchten für eine Befreiung des auswärtgen Handels von der Beschränkung der Schutz- und Finanzzölle und für die Herstellung der Freiheit der productiven Kräfte im Binnenverkehr weiter zu wirken. Sie kämpften rüstig weiter für Gewerbefreiheit, Aufhebung der Wuchergesetze, Freiheit des Grundeigenthums etc. Diese wesentlich practische Bewegung übertrug sich auch auf Dsutschland, sie fand in den norddeutschen Seestädten zuerst Anhänger und es bildete sich auch auf deutschem Boden eine Manchesterschule, welche anfänglich in der Presse, später (von 1858 an) in dem von ihr geschaffenen, volkswirthschaftlichen Congresse für freiheitliche Reformen wirkte. Der Verein erzielte, namentlich in seiner Propaganda für das Prinzip der Gewerbefreiheit namhafte Erfolge, zumal fast sämmtliche deutsche Staaten in den Jahren 1860, 61, 62 und später, neue auf diesem Grundsatz beruhende Gewerbeordnungen einführten. Auch Preussen, das nach langjährigem und erfolgreichem Bestehen der Gewerbefreiheit 1845 und 1849 wieder zu den früheren Zuständen zurückgekehrt war, führte 18611) einige zeitgemässe Aenderungen auf dem Gebiete des Gewerbewesens herbei. Dem Apothekergewerbe indess verblieb auch jetzt, nachdem, wie schon bemerkt, der Grundsatz der Gewerbefreiheit in fast alle Gewerbegesetzgebungen übergegangen war, seine bisherige Exclusivstellung unter den Gewerben streng gewahrt, indem der Betrieb desselben nach wie vor von einer staatlichen Approbation und Concession abhängig war. Auch trat, wie in der Vorrede bemerkt, der Gedanke einer Gleichstellung desselben mit den übrigen Gewerben nirgends hervor. Im Jahre 1861 constatirte der volkswirthschaftliche Congress, „dass die Gewerbefreiheit ihren Siegeszug gehalten und sich bewährt habe“ und sprach die Hoffnung aus, „auch die übrigen Ziele zu erreichen“, worunter, wie der Referent bemerkte, auch die Befreiung der sogenannten gelehrten Berufsstände von der staatlichen Bevormundung gehörte. Ein Jahr später stand auf der Tagesordnung des Congresses deutscher Volkswirthe die Frage „über die Anwendung der Grundsätze der Gewerbefreiheit auf die gelehrten Berufsstände“, und damit war der erste Anstoss zur Betrachtung des Apothekergewerbes unter dem bisher völlig vernachlässigten wirthschaftlichen Gesichtspunkte gegeben.1)

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Literatur

  1. 1).
    Gesetz vom 21. Juni 1561, betr. die Abänderung einiger Be-stimmungen der Allg. Gew.-Ordg. v. 17. Jan. 1845.“ Die wichtigsten Bestimmungen desselben sind: die Aufhebung der bisherigen Beschrän-kung, wonach Ausländern der Gewerbebetrieb in Preussen nur mit Er-laubniss des Ministeriums gestattet war (§ 18), und die Festsetzung genau bestimmter Grenzen an Stelle des bisherigen weiten Spielraumes für die Ertheilung oder Versagung der Erlaubniss der Polizei zum Wiederbeginn des durch richterliches Erkeuntniss untersagten Gewerbebetriebes (§ 21).Google Scholar
  2. 1).
    Die Verhandlungen des 5. Congresses deutscher Volkswirthe zu Weimar 1862. p. 187 ff.Google Scholar
  3. 2).
    Die Stellung der Apotheker zum allg. deutschen Handelsgesetz-buche. Vom wiirttemberg. Apothekerverein. Stuttgart 1863.Google Scholar
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    Diese Auslegung des Art. 4. des Handelsgesetzbuches ist bis auf den heutigen Tag die geltende geblieben. (Böttger, Ap.-Gesetzbg., I, 128.)Google Scholar
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    Pharm. Ztg. 1875. p. 29, 105, 113.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1882

Authors and Affiliations

  • H. Boettger

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