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Die Quellenkumulierung

  • Rudolf Blühdorn

Zusammenfassung

Damit man den Bestand einer konkreten Regel des Völkerrechtes annehmen kann, müßte man eigentlich feststellen können, daß diese Regel aus einer der eben genannten Quellen eindeutig fließt. In der Praxis der Staaten und der internationalen Gerichte ist aber der Vorgang ein anderer. Es kommen Fälle vor, in welchen die Regel sozusagen aus verschiedenen Quellen zusammengesucht wird: eine konkrete Rechtsregel wird mehr oder minder entschieden von einigen Völkerrechtslehrern vertreten, es gibt einen Präzedenzfall, der an diese Regel erinnert, in manchen nationalen Rechten finden sich Anklänge daran, kurz und gut: Staatskanzleien und internationale Gerichte erlangen die Überzeugung, daß die Staaten an diese Regel gebunden sein wollen, nicht aus einer eindeutigen Stellungnahme der Staaten auf einem Quellengebiete, sondern durch das Zusammenfassen des Eindruckes, den verschiedene Quellen hinterlassen. Dieser Vorgang tritt meist derart in Erscheinung, daß die Behauptung aufgestellt wird, die Regel entspringe zwar einer einzigen Quelle, der Nachweis ihres Bestandes werde aber „auch“ durch andere Quellen gestützt. Dabei kann man aber sicher sein, daß die erste Behauptung nie aufgestellt worden wäre, wenn nicht die Stützungen durch die anderen Quellen vorhanden gewesen wären. Dies ist ein ähnlicher Vorgang, wie wir ihn bei der Verwendung der Präzedenzfälle festgestellt haben.

Literatur

  1. 1.
    Siehe auch hier die grundsätzlichen Ausführungen, §§22 und 25 (3) b.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1934

Authors and Affiliations

  • Rudolf Blühdorn
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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