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Das Wesen der Menschen

  • Rudolf Blühdorn

Zusammenfassung

Wenn man die verschiedenen Eigenheiten der Lebewesen, der Menschen, Tiere und Pflanzen untersucht, kommt man zum Ergebnisse, daß allen Lebewesen eine Eigenschaft zukommt: der Wille zum Leben, der sich im Selbsterhaltungstriebe äußert (Spinoza: „conatus sese conservandi“; Pufendorf: „se ipsum conservare“). Hier soll nicht untersucht werden, woher dieser Wille stammt und welche Zwecke er verfolgt, sondern es soll nur die bloße Tatsache festgestellt werden, die an sich so bekannt ist, daß sie wohl keinen Beweis erheischt.1 Aus diesem Selbsterhaltungstriebe ergibt sich notwendigerweise für alle Lebewesen, also auch für die Menschen, ihre egoistische Einstellung zu der gesamten Umwelt. Für jeden Menschen ist grundsätzlich die Erhaltung seines individuellen Lebens, die Wahrung seiner individuellen Interessen, das Wichtigste. Interessen für Ideale zeigen die Menschen erst, bis ihre materiellen Interessen gesichert sind. Primum vivere, deinde philosophari.2 Man kann daher ruhig sagen, daß im allgemeinen die Menschen ihr Tun und Lassen, ihre Gedanken und Wünsche nach dem richten, was ihnen nützt, wenn sich auch der einzelne nicht immer dessen voll bewußt ist, sondern glaubt, aus anderen, idealen Motiven zu handeln. Dies ist die natürliche Art, wie sich der Selbsterhaltungstrieb beim Menschen äußert. Wer sich mit Erscheinungen beschäftigt, die, wie das Recht, Beziehungen zwischen Menschen und Völker betreffen, muß mit diesem Egoismus als der Grundeigenschaft der Menschen rechnen.1

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Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1934

Authors and Affiliations

  • Rudolf Blühdorn
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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