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Die Erfindung des Druckes in China und seine Verbreitung in Ostasien

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Zusammenfassung

Die hergebrachte, auch heute noch nicht ganz überwundene Anschauung, daß China stets ein gegen alle fremden Kultureinflüsse bis in die jüngste Zeit streng abgeschlossenes Gebiet gewesen sei, ist durch die Ergebnisse der neueren Chinaforschung als unhaltbar erwiesen. Wir wissen heute, daß China große Kulturperioden erlebt hat, in denen es gebend und empfangend in reichem Austausch mit anderen Kulturen stand. Einen reichen geschichtlichen Überblick über diese Beziehungen und Wirkungen Chinas hat der Leipziger Sinologe Professor Aug. Conrad y gegeben in den wertvollen Beiträgen zu dem Werke des russischen Sinologen W. P. W assilj ew „Die Erschließung Chinas“1). Hier weist Conrad y auch nachdrücklich. auf zwei der wichtigsten Kulturmittel hin, auf das Papier und den Druck. Beide sind in China entstanden und haben dort in ähnlicher Weise auf das geistige Leben gewirkt wie in Europa. Sie verbünden sich mit der aufwärtsstrebenden Sehnsucht des „dritten Standes“ des Volkes, das am Wissen nicht minder Anteil begehrt wie an Besitz und Macht. Papier und Buchdruck sind aus demokratischem Geist erwachsen und haben demokratisierend gewirkt. Der Druck hat in China die Neubelebung und das endgültige Durchdringen des Konfuzianismus im 12. Jahrhundert wesentlich gefördert, wie er bei uns eines der wesentlichen Hilfsmittel in dem großen Geisterkampf der Reformation gewesen ist. In der klassischen Periode der chinesischen Demokratie, in der Han-Zeit (216 v. bis 204 n. Chr.) haben Papier und Druck ihren Ursprung. Im Jahre 105 n. Chr. hat Tsai Lundas Papier aus Pflanzenstoffen, vor allem aus Lumpen, hergestellt. Er übertrug auf diese Stoffe eine Technik, die den mongolischen Nomaden längst bekannt war, nämlich die Fabrikation von Filzdecken aus Tierhaaren. Chinesische Arbeiter haben die Papierfabrikation 751 nach Samarkand gebracht, wo die Araber sie kennenlernten. Durch sie ist dann das Papier nach Europa gelangt. In diese Zeit geht auch der Druck mit seinen letzten Wurzeln zurück. Im Jahre 175 n. Chr. begann man mit Hilfe des Papiers Abdrucke zu machen von den in Stein gehauenen Texten der klassischen Schriften, die in der Kaiserlichen Akademie zu Loh-yan (in Ho-nan) aufgestellt waren. Als dann — wenigstens im 6. Jahrhundert — der Druck von Holzplatten hinzutrat, erfuhr der Buchdruck eine große Verbreitung und kam besonders in der Zeit der konfuzianischen Reform zur Geltung. Endlich ist in China auch der Druck mit beweglichen Typen durch den Schmied PiScheng (zwischen 1041 und 1049) erfunden worden, der sich freilich sehr langsam durchgesetzt und den Holzplattendruck bis heute nicht völlig verdrängt hat.

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Stübe, R. (1918). Die Erfindung des Druckes in China und seine Verbreitung in Ostasien. In: Matschoss, C. (eds) Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-26621-2_5

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