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Analyse der erwarteten ökonomischen Effekte einer EWWU

  • Helmut Wagner
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Es geht in diesem Kapitel darum, die Chancen und Risiken einer EWWU abzuwägen, und zwar in der Form, daß die oben erläuterten Hoffnungen und Befürchtungen wirtschaftstheoretisch hinterfragt werden. Dementsprechend sind die zentralen (ersten drei) Abschnitte dieses Kapitels überschrieben mit
  • Wachstumseffekte

  • Stabilitätseffekte

  • entwicklungspolitische Effekte.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. hierzu z.B. die oben schon erläuterten EG-Gutachten zum Binnenmarkt und zu einer EWWU, sprich den “Cecchini-Bericht” und das “Emerson-Gutachten”.Google Scholar
  2. 2.
    Ich unterscheide hier nicht explizit zwischen Binnenmarkt und Wirtschaftsunion (siehe hierzu im 1. Teil oben), da historisch gesehen die Vollendung des Gemeinsamen oder Binnenmarkts in der EG mit dem Entschluß zur Bildung einer Wirtschaftsunion einherging. Rein systematisch läßt sich der Unterschied einer Wirtschaftsunion gegenüber einem Gemeinsamen Markt durch die (stärkere) Politikkoordinierung ausdrücken.Google Scholar
  3. 3.
    Siehe näher z.B. Dichtl (1992).Google Scholar
  4. 6.
    Der Ecu würde neben Dollar und Yen zu einer der Hauptweltwährungen und könnte die Funktion einer Verkehrswährung in Handel und Finanzen für die EU-Bürger wie auch für Gebietsfremde erlangen. Dies könnte weitere Einsparungen bei den Transaktionskosten bewirken. Außerdem würde es zusätzliche Einnahmen aus internationaler Seigniorage (Geldschöpfungsgewinne; siehe näher in Abschnitt 2 unten) mit sich bringen.Google Scholar
  5. 7.
    Dies könnte natürlich kompensiert werden durch einen Währungsunion-bedingten Rückgang des Reallohns. Siehe hierzu (allerdings) näher in Abschnitt IV.2.3 unten.Google Scholar
  6. 9.
    Allerdings trifft die Theorie, die daraus folgert, daß es keinen Zusammenhang gibt, die Annahme, daß Wechselkursvariabilität ohne Konsequenzen bleibt, wenn das Kursrisiko abgesichert ist, oder die Diversifizierung der Unternehmen so groß ist, daß Wechselkursschwankungen unerheblich werden. In der Realität ist jedoch nur ein Teil des Handels durch Termingeschäfte abgesichert. Auch ist die Streuung des Wechselkursrisikos aufgrund von Daten über internationale Portfolio-Diversifizierung nicht erkennbar (vgl. Emerson u.a. 1991, S. 81). Weiterhin machen Unternehmensbefragungen deutlich, daß im Gegensatz zum Fehlen theoretischer und empirischer Begründungen die Unternehmer in der Wechselkursvariabilität den größten investitionshemmenden Faktor sehen (vgl. ebda, S. 92).Google Scholar
  7. 1.
    Vgl. als “klassische” Literatur hierzu Oi (1961) oder Pindyck (1982).Google Scholar
  8. 11.
    Als ebenfalls unsicher kann der Wohlfahrtsgewinn für die Volkswirtschaft insgesamt angesehen werden, der aus einem Abbau der Wechselkursunsicherheit entsteht, da Wechselkursunsicherheit auch als ein Schutzschild gegen Spekulationstätigkeit betrachtet werden kann. Siehe hierzu näher in den Abschnitten V.2 und 3 unten.Google Scholar
  9. 12.
    Vgl. Emerson u.a. (1991), S. 92ff.Google Scholar
  10. 13.
    Wenn der Wechselkurs nicht langfristig zu einem Gleichgewicht findet, kann gezeigt werden, daß Unternehmen bei “sunk costs” selbst schon durch eine sehr geringe Wechselkursvariabilität dazu veranlaßt werden können, nicht auf spürbare Veränderungen der Wechselkurse zu reagieren. Der Grund ist, daß immer noch eine geringe Wahrscheinlichkeit besteht, daß die Investition verloren sein könnte oder daß die Bedingungen zu einem zukünftigen Zeitpunkt noch besser sein könnten. Vgl. Dixit (1989) fir einen analytischen Rahmen.Google Scholar
  11. 13.
    Dieses Argument wurde in der oben (im 1. Teil) zitierten HWWA-Studie (Scharrer 1993) angeführt.Google Scholar
  12. 14.
    Schon aufgrund der verstärkten Arbeitsteilung durch Integrationsprozesse sind Gewinne zu erwarten, wie bereits Adam Smith seinerzeit betonte: “Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern.” (Smith 1974, S. 9) Die Marktgröße begrenze jedoch die Arbeitsteilung (vgl. ebda, S. 19), so daß eine Markterweiterung durch die Wirtschaftsunion diese Grenzen nach außen schiebt.Google Scholar
  13. 16.
    Der Risikoaufschlag kennzeichnet hier eine “Prämie” fir die Übernahme allgemeiner Unsicherheit im Zusammenhang mit zukunftsgerichteten Investitionen. Anders gesagt: Beteiligungskapital ist nur zu erhalten, wenn Risikozuschläge für die Übernahme der allgemeinen Investitionsunsicherheit entrichtet werden.Google Scholar
  14. 17.
    Vgl. näher irgend ein gutes Makroökonomie-Lehrbuch.Google Scholar
  15. 18.
    Unterstellt ist dabei ein gegebenes oder zumindest ein schwächer abnehmendes Geldangebot. Theoretisch könnte natürlich eine Zentralbank durch besonders restriktive Geldangebotspolitik der obigen Tendenz eines Realkassenanstiegs entgegenwirken.Google Scholar
  16. 19.
    Daneben können natürlich noch eine Reihe anderer - modellexogener - Spezifika auf der Nachfrage-oder der Angebotsseite oder im Politiksektor (Gegensteuern der Zentralbank beispielsweise) diesen Prozeß konterkarieren. Siehe näher Wagner (1989), 2. Kap.Google Scholar
  17. 20.
    Ausgangspunkt auf dem Geldmarkt ist ein Gleichgewicht, beschrieben durch die Bedingung: M/P = L(i,Y). Zur Symbolik: M = nominelle Geldmenge (exogen); P = Preisniveau (exogen); i = Zinssatz; Y = Output; L = reale Geldnachfrage.Google Scholar
  18. 21.
    Ausgangspunkt auf dem Gütermarkt ist ein Gleichgewicht, beschrieben durch die Bedingung: Y = C + I, wobei C = C(V/P) und I = I(V/P). Zur Symbolik: D = nominelle Verschuldung; V = nomineller finanzieller Vermögensbestand.Google Scholar
  19. 23.
    Insgesamt ist die Darstellung allerdings immer noch recht kompakt gehalten. Ausführlicher siehe z.B. Aghion und Howitt (1993), Wagner (1993, 2. Kap.), Gahlen u.a. (Hrsg., 1991), das Winter-1994-Heft des “Journal of Economic Perspectives”, oder Barro und Sala-I-Martin (1995).Google Scholar
  20. 24.
    Vgl. näher beispielsweise Grossman und Helpman (1991), S. 35ff.Google Scholar
  21. 25.
    Zur Symbolik: u = Nutzen; c = Konsum pro Kopf; t = Zeitfaktor; r = Abzinsungsfaktor. Zu den Lösungsalgorithmen siehe z.B. Romer (1989); siehe auch Wagner (1993), S. 82ff.Google Scholar
  22. 26.
    Dies ist möglich, weil in solch einem Modell unvollkommener Konkurrenz die Faktoren Kapital und Arbeit von den unvollkommenen Konkurrenz-Benutzern dieser Faktoren nicht ihr Grenzprodukt bezahlt bekommen.Google Scholar
  23. 27.
    Hieraus wird dann häufig die Notwendigkeit staatlicher Ergänzungsmaßnahmen abgeleitet. Siehe näher im 3. Teil der Arbeit, dort Abschnitt 1V.1.Google Scholar
  24. 28.
    Vgl. näher Aghion und Howitt (1993) oder auch Wagner (1993), S. 87f.Google Scholar
  25. 29.
    “Steady State” ist ein Zustand, in dem die endogenen Variablen alle ihr geplantes Niveau erreicht haben, so daß es zu keinen Fehlerwartungen und zu keinen Anpassungsprozessen (mehr) kommt.Google Scholar
  26. 30.
    Danach ist es sehr wohl zulässig und angebracht, der empirischen Fundierung von Prämissen keine Beachtung zu schenken, gehe es doch lediglich darum, bestmögliche Voraussagen zu treffen. Da theoretische Aussagen ohnehin empirischen Tests zu unterwerfen sind, zeige sich dabei, was die Prämissen wert sind. Der Prognoseerfolg dominiert sozusagen die Herangehensweise. Die grundlegenden Annahmen sollen keine Aussagen über die Realität darstellen, sondern “Als-ob-Aussagen”. Vgl. z.B. Friedman (1959); kritisch dazu Samuelson (1963).Google Scholar
  27. 31.
    Solow (1991), S. 16. Solow betont metaphernhaft, die Modelle der Neuen Wachstumstheorie seien “ingenious and suggestive and valuable, but I do occasionally wonder why I should buy a car with so much horsepower to drive on such a dark and winding road.” (ebda)Google Scholar
  28. 32.
    Siehe z.B. Azariadis und Drazen (1990).Google Scholar
  29. 33.
    “Trajektorien” geben die zeitliche Entwicklung (Entwicklungspfade) der Variablen eines Differentialgleichungssytems in einem Phasendiagramm an.Google Scholar
  30. 34.
    Die Verbindung zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum läßt sich sinnvollerweise auch nur in einem Theorierahmen analysieren, in dem Wirtschaftswachstum und Regierungspolitik endogen sind. Vgl. zu einem solchen Ansatz z.B. Alesina und Rodrick (1991).Google Scholar
  31. 35.
    Vgl. hierzu Dixit (1993).Google Scholar
  32. 36.
    Diese Vergangenheitsbezogenheit ist angesichts der in der “Hysteresis-Theorie” angeführten Argumente entscheidend fir die Reputationsbildung und damit für die Gleichgewichtsinflation eines Landes. Siehe näher weiter unten.Google Scholar
  33. 37.
    Graphisch ausgedrückt kann man in Figur 7a unten von Punkt A* aus - je nach der Stärke des Reputationsimports - zu Punkt M, B* oder (theoretisch sogar zu) X gelangen, ohne die sonst gravierenden Desinflationskosten hinnehmen zu müssen. Siehe detaillierter im folgenden.Google Scholar
  34. 38.
    Zu einer ausführlichen und ausgewogenen Diskussion dieses Punktes mit gewichtigen Gegenargumenten siehe Abschnitt V.3 unten.Google Scholar
  35. 39.
    Als “Niedriginflationsländer” werden hier die Länder innerhalb der EU bezeichnet, deren Inflationsrate während der letzten 10–20 Jahre vor der Einführung einer EWWU im Durchschnitt signifikant unter der durchschnittlichen Inflationsrate der EU-Länder gelegen hat. Hierzu zählt in erster Linie die Bundesrepublik Deutschland.Google Scholar
  36. 42.
    Diese Phillipskurve symbolisiere eine Inflationserwartung ne von Null; d.h. die Wirtschaftssubjekte erwarten Preisniveaustabilität. Eine positive Inflationserwartung würde hingegen annahmegemäß nicht den Verlauf (die Steilheit) der Phillipskurve, wohl jedoch ihre Lage verändern entsprechend der allgemeinen Form n = f(UN-U) + ne. Das heißt, die Phillipskurve würde sich um den Betrag ne parallel nach oben verschieben. Vgl. Friedman (1968).Google Scholar
  37. 44.
    D.h., die Unternehmen versuchen in diesem Fall, Lohnkostenanstiege über den Preis so auszugleichen, daß sie einen Rückgang ihrer Gewinnquote verhindern können. Siehe hierzu auch die übernächste Fußnote.Google Scholar
  38. 45.
    “Preisstabiler” bezieht sich hier auf die höhere “optimale” oder erwünschte (jedoch nicht realisierbare) Inflationsrate in Land 1. q wird dabei als konstant oder exogen bestimmt unterstellt.Google Scholar
  39. 46.
    Es wird hierbei davon ausgegangen, daß die Verteilungsgruppen ihre Verteilungsanteile verteidigen (können), so daß u.a. eine konstante Lohnquote vorherrscht. Die Lohnquote ist definiert als WN/PY, wobei W = Geldlohn, N = Arbeitseinsatz (in Stunden), P = Preisniveau, Y = reales Volkseinkommen. Daraus folgt, daß bei einer konstanten (auf 1 normierten) Lohnquote gilt: P = W/(Y/N) bzw. - durch Wachstumsratenbildung - n = w - q. Ein unterschiedliches q bedeutet graphisch gesehen, daß der Nullpunkt (Ursprung) im Phillipskurvendiagramm in Figur 4 fir das Land mit der höheren Arbeitsproduktivitätszuwachsrate q höher als fir das Land mit dem niedrigeren Arbeitsproduktivitätszuwachs liegt.Google Scholar
  40. 47.
    Wenn wir die Differenzenbildung über (4) ausführen, erhalten wir ja: nl-ir2=(wl-W2)-(g11 g2).Google Scholar
  41. 48.
    Vgl. hierzu z.B. Bruno und Sachs (1985) sowie Calmfors und Driffill (1988).Google Scholar
  42. 49.
    Siehe hierzu näher Wagner (1993), 3. Kap.Google Scholar
  43. 50.
    Zu einer Diskussion der möglichen Ursachen einer solchen Abweichung siehe Wagner (1990a).Google Scholar
  44. 51.
    “Seigniorage” ist ein bestimmter Betrag an Einkommen, den eine Regierung erzielt aus der Geldproduktion bzw. aus der Ausgabe unverzinslicher oder niedrig verzinslicher Schuldtitel, die vom Publikum in Form von Geld oder von Geschäftsbanken in Form von Reserven bei der Zentralbank gehalten werden. Seigniorage mißt so den aktuellen Wohlstandstransfer, den der private Sektor einer Volkswirtschaft zu erbringen hat, um Notenbankgeld zu erhalten. Siehe näher z.B. Wagner (1992) oder Klein und Neumann (1990).Google Scholar
  45. 55.
    “Crowding-out” bedeutet: Verdrängung privater Nachfrage durch eine staatliche Nachfragesteigerung. Staatliche Schuldenfinanzierung erhöht das Zinsniveau und macht dadurch vorher noch rentable private Grenzinvestitionen unprofitabel.Google Scholar
  46. 56.
    Dies kann man auch als Warnung vor den Inflationsgefahren der derzeit insbesondere in den Entwicklungsländern sichtbaren regionalen Integrationsbestrebungen ansehen.Google Scholar
  47. 57.
    “Zeitinkonsistenz” (oder “dynamische Inkonsistenz”) bedeutet, daß eine zukünftige Handlung, die Teil eines heute formulierten optimalen Plans ist, vom Blickwinkel eines zukünftigen Zeitpunkts nicht mehr optimal ist - und dies, obwohl inzwischen keine wichtigen neuen Informationen aufgetreten sind. Siehe zu einer kurzen, lexikalisch-übersichtlichen Erläuterung des Zeitinkonsistenzproblems z.B. Wagner (1993, S. 159–161) oder etwas ausführlicher Wagner (1990b) oder Fischer (1990).Google Scholar
  48. 58.
    Hier besteht allerdings ein gewisses Kausalitätspoblem, wenn man wie Romer höchstentwickelte Länder nicht zuletzt durch eine niedrige Inflationsrate (z.T. begründet über geringe politische Instabilität und geringe Zentralbankabhängigkeit) kennzeichnet. Es wäre hier vielleicht besser, von einem Problem multipler Inflationsgleichgewichte zu sprechen, wobei das untere Inflationsgleichgewicht stabil und das obere Inflationsgleichgewicht instabil ist (Wagner 1992). Siehe näher weiter unten.Google Scholar
  49. 59.
    Siehe oben in Abschnitt 1 des 1. Teils.Google Scholar
  50. 60.
    Siehe Krägenau und Wetter (1993), Dokumentenanhang 67, S. 357ff.Google Scholar
  51. 61.
    Überhaupt sinken dadurch die Diversifizierungsmöglichkeiten der Vermögensanleger, was tendenziell zu Wohlfahrtsverlusten führt.Google Scholar
  52. 62.
    Dies wird manchmal auch mithilfe des “Exit-Voice”-Kriteriums von Hirshman (1970) erläutert (vgl. z.B. Vaubel 1994), S. 231.Google Scholar
  53. 63.
    Siehe z.B. Fratianni und von Hagen (1992), S. 164ffGoogle Scholar
  54. 64.
    Voraussetzung für die “Rationalität” solchen Handelns ist, wie oben schon erwähnt, eine relativ hohe Zeitpräferenzrate der Politik(er) sowie asymmetrische Informationen bzw. Reaktionsmuster. Vgl. näher Wagner (1989).Google Scholar
  55. 65.
    “Verzerrungseffekte” beziehen sich hier sowohl auf die Allokation knapper Ressourcen, d.h. auf die Abweichung der Allokationsentscheidungen der Wirtschaftssubjekte gegenüber dem Fall ohne Steuern, als auch auf Verteilungswirkungen. So besteht z.B. der bekannteste Verzerrungseffekt der Inflationssteuer darin, daß die Kosten der Geldhaltung bei Inflation steigen, was wiederum Allokationseffekte wie auch Verteilungswirkungen mit sich bringt. Vgl. näher z.B. Wagner (1985).Google Scholar
  56. 66.
    Vgl. z.B. Klein (1978), S. 81.Google Scholar
  57. 67.
    Solange keine gemeinsame Geldbehörde existiert, sondern mehrere nationale Zentralbanken mit Geldausgabemöglichkeit bestehen bleiben, entsteht ein anderes Trittbrettfahrerproblem. Die einzelnen Länder werden nämlich dann einen starken Anreiz haben, ein Überangebot der gemeinsamen Währung zu produzieren. Ein Land gewinnt ja eine Einheit an Seigniorageeinnahmen aus der Ausgabe jeder Einheit an Währung. Dagegen werden die Inflationskosten auf alle Länder der Währungsunion verteilt. Die Bestrafung über den Verlust von Devisen existiert bei einer gemeinsamen Währung nicht mehr. Der beschriebene Anreiz zur Überproduktion der Währung ist dabei für kleine Mitgliedsländer tendenziell stärker als für große, da die ausgelösten Inflationskosten für das Gesamtsystem kleiner, die Gegenreaktionen der anderen folglich weniger wahrscheinlich sein werden.Google Scholar
  58. 68.
    Vgl. Fratianni und von Hagen (1992), S. 169f.Google Scholar
  59. 69.
    Siehe aber auch Abschnitt III.4 in diesem Teil.Google Scholar
  60. 70.
    Vgl. z.B. Mankiw (1987).Google Scholar
  61. 71.
    - beide hier in logarithmischer Schreibweise -Google Scholar
  62. 72.
    Dies wurde oben schon erläutert.Google Scholar
  63. 73.
    Letztere Annahme dient nur der Vereinfachung, ist jedoch keine Voraussetzung für die Ableitung des folgenden Arguments.Google Scholar
  64. 74.
    Für nützliche strukturierende Vorarbeiten zu diesem Abschnitt sei Herrn Attila Pinkerton gedankt.Google Scholar
  65. 75.
    In der EU wird als Indikator zur Bestimmung der unterentwickelten Länder/Regionen (“Ziel-l-Regionen”) das BIP-pro-Kopf der Bevölkerung in Kaufkraftparitäten (KKP) verwendet. Zweck der KKP-Gewichtung ist es, Preisniveauunterschiede zwischen den Ländern sowie Verzerrungen auszuschalten, die sich daraus ergeben, daß im Laufe der Zeit die Entwicklung der Wechselkurse einerseits und die Inlandspreise andererseits divergieren. Die Grundlage für die Berechnung der KKP bilden Angaben über die Preise bestimmter Güter, die für die Mitgliedsländer repräsentativ und von Land zu Land vergleichbar sind. Vgl. hierzu z.B. Scheurer (1993).Google Scholar
  66. 76.
    Dort war von einer gleichmäßigen Wirtschaftsentwicklung und einem schrittweisen Abbau von Wohlstandsunterschieden zwischen den “Regionen” die Rede. Man kann nun den Begriff “Region” nach unterschiedlichen Gesichtspunkten definieren. Bei einer Definition nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten kann man die Regionen nach Maßgabe der Homogenität oder des höchsten Grades an Interdependenz innerhalb eines Gebietes abgrenzen. Da nun aber die mit am stärksten unterentwickelten Regionen der EU (die sogenannten Ziel-l-Regionen) mit den Ländern Griechenland, Portugal, Irland und Spanien (außer den Gebieten Madrid, La Rioja und die Balearen) identisch sind, können die Begriffe Regionen und Länder synonym verwendet werden. Vgl. hierzu näher z.B. Reuter (1992).Google Scholar
  67. 77.
    Auch in den Maastrichter Beschlüssen wurden für die EWWU Ziele festgesetzt, die sich im wesentlichen auf die Verwirklichung der wirtschaftlichen Konvergenz innerhalb der EU beziehen. Vgl. Kommission der EG, Auszüge aus der Mitteilung der Kommission an den Rat und das Parlament vom 24.3.1992, Kom (92) 84 endg., Brüssel 1992, S. 48.Google Scholar
  68. 78.
    Die Begriffe “unterentwickelt” und “Entwicklungsländer” mögen hier überzogen erscheinen, da auch die vier ärmsten EU-Länder nicht (mehr) das übliche Kriterium, das die Entwicklungsausschüsse der Vereinten Nationen für die Kennzeichung eines Entwicklungslandes aufstellen, erfüllen (vgl. hierzu auch Wagner 1993, 1. Kap.). Nach diesem Kriterium werden nur die Länder als Entwicklungsländer eingestuft, deren durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen nicht mehr als 25% des Pro-Kopf-Einkommens der hochentwickelten Länder beträgt. Wie jedoch aus der Tabelle 1 ersichtlich ist, betrug selbst das Pro-Kopf-Einkommen des ärmsten EU-Landes - Griechenland - 1993 schon knapp die Hälfte des EU-Durchschnitts (und 37% des Pro-Kopf-Einkommens des reichsten EU-Landes). Nichtsdestoweniger werden diese Begriffe mangels prägnanter Alternativen - synonym zu dem Begriff “weniger entwickelte Länder” - verwendet, um die wirtschaftlichen Entwicklungsunterschiede zwischen den besagten vier ärmeren EU-Ländern und den ursprünglichen Kernländern der EG auszudrücken.Google Scholar
  69. 79.
    Es wird dabei von dem Gedankenspiel (Szenarium) ausgegangen, daß die unterentwickelten EU-Länder in die EWWU aufgenommen werden, entweder weil sie die Konvergenzkritierien zum Stichtag erfüllen oder aus politischen Gründen.Google Scholar
  70. 80.
    Vgl. Braun (1988).Google Scholar
  71. 81.
    Vgl. z.B. Axt (1991).Google Scholar
  72. 82.
    Vgl. hierzu Emerson u.a. (1991), S. 82f.Google Scholar
  73. 83.
    Zu einer ausführlichen Kennzeichnung der Neuen Wachstumstheorie vgl. Wagner (1993), Kap. 2.Google Scholar
  74. 84.
    Vgl. Wagner (1993), S. 58f.Google Scholar
  75. 85.
    Die vier unterentwickelten EU-Länder sind bei Direktivestitionen innerhalb der EU durchweg Empfänger. Die BRD und die Niederlande sind hingegen Netto-Direktinvestoren. Die übrigen EU-Länder sind gleichermaßen Empfänger und auch Geber von Direktinvestitionen, sogenannte “crossroad”-Länder. Vgl. näher hierzu Morsink und Molle (1991), S. 44.Google Scholar
  76. 86.
    Direktinvestitionen sind unmittelbar mit Ausrüstungsinvestitionen verbunden. Dies gilt hauptsächlich im produzierenden Gewerbe. Dabei ist anzunehmen, daß die Güter dem neuesten technischen Stand entsprechen und von daher in das Investitionsland eingefiihrt werden, da diese Güter vom dortigen Industriesektor nicht angeboten werden können. Zwischen Ausrüstungsinvestitionen und wirtschaftlicher Entwicklung besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Zum einen erhöhen die Investitionen langfristig das Bruttoinlandsprodukt, und zum anderen sind die Spillovers größer als in Wirtschaftssektoren, die keine oder kaum Ausrüstungsinvestitionen benötigen. Vgl. De Long und Summers (1991).Google Scholar
  77. 87.
    Es gibt vielfältige Formen der Übertragung von Spillovers. Die einfachste ist das Inspizieren und Kennenlernen des “neuen” Produkts. Eine andere ist die durch das Beobachten des Produktionsprozesses. Vgl. hierzu näher z.B. Grossman und Helpman (1991).Google Scholar
  78. 88.
    Letzteres ist ja - wie oben beschrieben - in der traditionellen neoklassischen Wachstumstheorie im Regelfall nicht möglich.Google Scholar
  79. 89.
    Vgl. Wagner (1993), S. 78; vgl. auch Young (1993).Google Scholar
  80. 90.
    Vgl. ebda; dort wird die dynamische Interaktion zwischen Lernen und Erfindung näher erläutert.Google Scholar
  81. 91.
    Verglichen mit den traditionellen Entwicklungsländern hingegen sind die infrastrukturellen Bedingungen - bezogen auf einen Teil des Humankapitals, nämlich die Schulbildung - in den vier unterentwickelten EU-Ländern gut. Vgl. hierzu näher Brettschneider (1992).Google Scholar
  82. 92.
    Das heißt, hochindustrialisierte EU-Länder dürften bei einem Abbau der Beschränkungen des Handels und der Faktormobilität für Direktinvestoren vergleichsweise noch attraktiver werden. Der Grund hierfür ist eben die bereits vorhandene gute Infrastruktur, die sich u.a. in besseren Forschungs-und Entwicklungsbedingungen niederschlägt Dadurch würde auch technisches “Know-how” auf relativ engem Raum kumuliert, was dort tendenziell zu verstärkten innovativen Prozessen und damit zur befürchteten Entwicklungsdivergenz führt. Letzteres wird noch verstärkt, wenn/dadurch daß es bei Faktormobilität auch zu einer Abwanderung leistungsfähiger und hoch-qualifizierter Arbeitskräfte von der “Peripherie” in die “Zentren” kommt. Das heißt, die effizienten und hochqualifizierten Arbeitskräfte folgen dem produktiven Kapital. Dadurch sinkt der Anreiz für Direktinvestitionen in die EU-Entwicklungsländer.Google Scholar
  83. 93.
    Vgl. zu einem empirischen Nachweisversuch z.B. Barro (1991).Google Scholar
  84. 94.
    Charakteristisch für Infrastrukturgüter ist, daß sie einen gewissen Grad an Öffentlichen-Gut-Charakter aufweisen, folglich staatlicher Unterstützung bei der Bereitstellung oder zumindest bei der Finanzierung bedürfen.Google Scholar
  85. 95.
    Einiges deutet dabei auch darauf hin, daß dies durch die Wahlgeschenkstrategien vor allem in noch nicht hinreichend gefestigten paralamentarischen Demokratien zusätzlich erschwert wird. Zur Diskussion der Probleme siehe Wagner (1993), 5. Kap.Google Scholar
  86. 96.
    Die EIB ist die Hausbank der EU, deren Kapital von den Mitgliedstaaten getragen wird. Sie hat 1994 fast 20 Mrd. ECU fir die Finanzierung von Anlageinvestitionen ausgegeben. Davon entfielen 12 Mrd. ECU auf EU-Regionen mit Entwicklungsrückstand oder mit Umstellungsproblemen. Die Bank nahm auf den Kapitalmärkten 14 Mrd. ECU in 17 Währungen auf. Sie ist der bedeutendste Emittent an den Kapitalmärkten der Welt. Durch den Beitritt Finnlands, Schwedens und Österreichs 1995 stieg das Kapital von 57,6 Mrd. ECU auf 62 Mrd. ECU.Google Scholar
  87. 97.
    Vgl. Axt (1991), S. 196.Google Scholar
  88. 98.
    Vgl. ebda, S. 198.Google Scholar
  89. 99.
    Daß einige EU-Mitgliedsländer - die sogenannten “Nettozahler” - die Ausstattung des Kohäsionsfonds möglichst gering halten woll(t)en, ist verständlich. Dies wurde allerdings nicht nur finanzpolitisch, sondern auch wirtschaftstheoretisch begründet. Es wird angefiihrt, daß Transferzahlungen den Wettbewerb verzerren und zu Effizienzverlusten fuhren. Sie würden somit den Anpassungsdruck der weniger entwickelten Staaten der Union verringern und ökonomisch eher kontraproduktiv wirken. Desweiteren könne es innerhalb der Union zu Produktivitätsverlusten kommen, die die Kosteneinsparungen einer gemeinsamen Währung leicht übersteigen können. Vgl. hierzu z.B. Müller (1993), S. 27.Google Scholar
  90. 100.
    Im Vergleich zu den Transferzahlungen im Zuge der deutsch-deutschen WWU sind die hier erwartbaren Mittelaufkommen allerdings gering. So summierten sich die öffentlichen Transferzahlungen von West-nach Ostdeutschland von 1991 bis 1994 auf 774 Milliarden DM (Quelle: IDW). Allerdings sind auch die Transformationsnotwendigkeiten in Ostdeutschland wesentlich höher gewesen als in den derzeitigen EU-Entwicklungsländern.Google Scholar
  91. 101.
    Zumindest deuten die bisherigen Erfahrungen darauf hin. Vgl. Wagner (1993) sowie Fischer (1993). Siehe hierzu näher auch in Abschnitt III.6 unten.Google Scholar
  92. 102.
    In der Literatur wird der Begriff Konvergenz gelegentlich in “reale Konvergenz” und “nominale Konvergenz” eingeteilt. Unter “realer Konvergenz” wird dabei die Angleichung des Lebensstandards, gemessen durch das BIP pro Kopf der Bevölkerung, verstanden. “Nominale Konvergenz” bezeichnet hingegen die Angleichung der Inflationsraten auf niedrigem Niveau. Vgl. Grosser (1992), S. 404. Wie in Kapitel V näher erläutert, wird der Begriff der nominalen Konvergenz jedoch auch noch weiter gefaßt.Google Scholar
  93. 103.
    Vgl. ebda, S. 404f.Google Scholar
  94. 104.
    Vgl. Perlitz (1993), S. 1855ff.Google Scholar
  95. 105.
    Vgl. hierzu näher z.B. Haller (1993).Google Scholar
  96. 106.
    Die mangelnde Haushaltsdisziplin zahlreicher EU-Mitgliedsstaaten unterliegt seit geraumer Zeit heftiger Kritik seitens der Vertreter einer restriktiven Ausrichtung der Konvergenzkriterien. Kritisiert wird die übermäßige Beanspruchung der Kapitalmärkte, die zu allokativen Verwerfungen und zum Anstieg der Realzinsen beiträgt. Außerdem entsteht durch die mangelnde Haushaltsdisziplin ein derart großes Potential an Störimpulsen, daß das ganze Vorhaben einer EWWU daran zu scheitern drohe. Vgl. Duwendag (1992).Google Scholar
  97. 107.
    Eine wichtige Frage ist in diesem Zusammenhang, welche Implikationen eine Währungsunion für die Zinsbildung und -entwicklung, d.h. für die Kreditkosten, haben wird. Unter den bisherigen EWS-Bedingungen hatten “inflationäre” Mitgliedstaaten zum Teil sehr hohe wechselkursbedingte, d.h. auf Abwertungserwartungen beruhende, Zinszuschläge zu zahlen. Vgl. ebda.Google Scholar
  98. 108.
    Vgl. auch Illing (1992) sowie Wagner (1992).Google Scholar
  99. 109.
    Zur allgemeinen wirtschaftstheoretischen Begründung siehe Wagner (1993), 3. Kap.Google Scholar
  100. 11.
    Eine der wichtigsten institutionellen Voraussetzungen für die Stabilität einer Währung besteht in der Unabhängigkeit der Zentralbank, wie in Abschnitt IV.2.1 noch näher erläutert werden wird. Dieser Einsicht wurde im Maastricht Vertrag in dreierlei Hinsicht Rechnung getragen: (1) Eine Einflußnahme nationaler Institutionen auf die EZB ist verboten. (2) Die nationalen Notenbanken müssen spätestens bei Eintritt in die dritte Stufe der Währungsunion ihre Unabhängigkeit erlangt haben. Zumindest müssen die gesetzgeberischen Maßnahmen hierfür geschaffen sein. (3) Die Mitglieder des Direktoriums des Zentralbankrates werden weitgehend unabhängig bestellt. Die Amtszeit beträgt 8 Jahre, und eine Wiederernennung ist nicht möglich. Zudem wurde vertraglich festgelegt, daß Notenbankkredite zur Finanzierung von öffentlichen Krediten verboten sind. Jeder Kredit muß am Kapitalmarkt aufgenommen und zu Marktbedingungen bedient werden. Die Unabhängigkeit und der klare Stabilitätsauftrag der EZB versetzen die Geldpolitik rechtlich und politisch in die Lage, Versäumnisse einer unsoliden Finanzpolitik nicht kompensieren zu müssen. Zu einer ausführlichen Behandlung der Thematik EZB und ihrer Ausgestaltung siehe in Abschnitt IV unten; vgl. auch z.B. Bean (1992).Google Scholar
  101. 111.
    Letzteres hängt, wie in den Abschnitten III.2 und IV.2 erläutert, von der Reputationsbildung der neugeschaffenen EZB ab. (B* ist, zur Erinnerung, die Gleichgewichtsinflationsrate des “preisstabilsten” Landes bei unabhängiger Politik.)Google Scholar
  102. 112.
    Außerdem könnte ein mit dem EWWU-Beitritt verbundener Abbau von fiskalischen Unsicherheiten dazu führen, daß die von den Unternehmen für Beteiligungskapital zu entrichtenden Risikozuschläge sinken und es somit zu einer Ausweitung der Investitionstätigkeit kommt. Schätzungen zufolge könnte schon die Senkung der Risikozuschläge um nur 0,5 Prozentpunkte zu einer erheblichen Zunahme der Einkommen (um bis zu 5–10% langfristig) fiihren (vgl. Emerson u.a. 1991, S. 70). Da insbesondere die vier unterentwickelten Länder in der EU von der Reduktion der Risikozuschläge profitieren würden, dürften sie diesbezüglich auch die größten Einkommensgewinne verzeichnen.Google Scholar
  103. 113.
    Vgl. hierzu auch Alesina u.a. (1992).Google Scholar
  104. 114.
    Vgl. hierzu Emerson u.a. (1991), S. 25. Die typischen Anwendungsfälle betreffen länderspezifische Schocks, die die Nachfrage nach typischen Produkten eines Landes oder die Wettbewerbsfähigkeit seiner Hersteller verringern.Google Scholar
  105. 115.
    Vgl. Kommission (1991), S. 43. In Irland und Spanien dagegen hat der intra-industrielle Handel in den 70er und 80er Jahren stark zugenommen.Google Scholar
  106. 116.
    Von daher wird auch oft auf die Möglichkeit einer EWWU “zweier Geschwindigkeiten” hingewiesen. Gerade die peripheren Länder sollten - solange die Wirtschaftsstrukturen nicht mit denen der anderen EU-Länder identisch sind - das Mittel der Wechselkursanpassung nicht frühzeitig aus der Hand geben. Vgl. hierzu näher Bayoumi und Eichengreen (1992).Google Scholar
  107. 11.
    Als “Seigniorage” bezeichnet man - wie schon gesagt - die Fähigkeit des Staates, seine Ausgaben durch Geldschöpfung zu finanzieren. Der Staat erzielt SeigniorageEinnahmen durch die Ausgabe unverzinslicher oder niedrig verzinslicher Schuldtitel, die vom Publikum in Form von Geld oder von Geschäftsbanken in Form von Reserven bei der Zentralbank gehalten werden.Google Scholar
  108. 118.
    Giavazzi und Giovanni (1989) berichten, daß Seigniorage durchschnittlich 10% der gesamten Steuereinnahmen während der Periode 1979–87 in Portugal, Griechenland und Spanien ausmachte.Google Scholar
  109. 119.
    Sehr wohl besteht aber für sie die Möglichkeit, innerhalb der EU auf protektionistische Verhaltensweisen bei den Außenbeziehungen der Union hinzuwirken. Vgl. hierzu auch den Abschnitt I1I.5 unten.Google Scholar
  110. 120.
    Vgl. hierzu z.B. Schwarz (1993).Google Scholar
  111. 12.
    Zur allgemeinen wirtschaftstheoretischen Begründung siehe Wagner (1993), 3. Kapitel.Google Scholar
  112. 122.
    Letztere können sich in unterschiedlichen Risikozuschlägen niederschlagen.Google Scholar
  113. 123.
    Vgl. die Modellergänzung E-IV in Abschnitt III.2 oben.Google Scholar
  114. 124.
    Um ein Land wie Griechenland, das ein BIP pro Kopf von rund 50% des EU-Durchschnitts 1993 aufwies, innerhalb von 10 Jahren an 90% (70%) des EU-Durchschnitts heranzuführen, bedürfte es einer jährlichen Wachstumsrate, die mehr als 6 (3,5) Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt liegt. Vergleiche Tabelle 2 oben. Dies ist, wie oben schon angedeutet, wenn überhaupt dann nur mithilfe außergewöhnlich hoher finanzieller und auch sonstiger Unterstützung der anderen Mitgliedsländer vorstellbar.Google Scholar
  115. 125.
    Unterstellt ist hier, daß die Einkommenselastizität der Nettoexporte negativ ist.Google Scholar
  116. 126.
    Vgl. auch Wagner (1993), 3. Kap.Google Scholar
  117. 127.
    Der Grund ist: Handelsliberalisierung vergrößert den Markt und steigert damit den erwarteten Ertrag auf F&E-Investitionen. Zudem “zwingt” der gestiegene Konkurrenzdruck zu F&E-Investitionen in konkurrenzfähige Produkte bzw. (hier) Prozesse.Google Scholar
  118. 128.
    Vorübergehender Protektionismus kann in diesem (modellmäßigen) Fall besser als vollkommene Handelsliberalisierung sein. Allerdings gibt es auch dort bessere Alternativen, insbesondere eine direkte Subventionierung von F&E. Letztere kann allerdings bekanntlich moral hazard und Glaubwürdigkeitsprobleme aufwerfen. Siehe hierzu auch Abschnitt IV.1.3 zu “Industriepolitik”.Google Scholar
  119. 129.
    Auch hinsichtlich der Branchen kann man Gewinner und Verlierer versuchen festzumachen. So deutet einiges darauf hin, daß die Banken vorübergehende Verluste hinnehmen müssen, wenn man davon ausgeht, daß beinahe 5% der Einnahmen der Banken in der Europäischen Gemeinschaft aus dem Devisengeschäft mit Gemeinschaftswährungen stammen, das ja in einer EWWU entfällt (Emerson 1991, S. 290). Dies wird allerdings teilweise dadurch kompensiert, daß die Anlagen in Ecu weltweit steigen werden.Google Scholar
  120. 130.
    Auch innerhalb des EWS waren und sind solche Gewinner-Verlierer-Betrachtungen an der Tagungsordnung. So konnte man insbesondere von französischer Seite häufig den Vorwurf hören: das EWS sei asymmetrisch konstruiert und begünstige vor allem die Bundesrepublik. Konkret lautete der Vorwurf: Im EWS seien die Schwachwährungsländer dadurch benachteiligt, daß sie die Hauptanpassungslast im Interventionsmechanismus tragen müßten und dies selbst dann, wenn diese Länder an der Schwäche ihrer Währungen schuldlos seien. (vgl. z.B. das Balladur Memorandum, Dok. 59 in Krägenau und Wetter 1993). Siehe näher hierzu im Schlußteil, Abschnitt V.3 unten.Google Scholar
  121. 131.
    Siehe hierzu den Schlußteil.Google Scholar
  122. 132.
    Dies impliziert die Anwendung fortgeschrittener Umwelttechnologien in der Produktion in den weniger entwickelten EU-Ländern im Zuge des durch eine Währungsintegration inganggesetzten erfolgreichen Entwicklungsprogramms. Dies reduziert dann auch die grenzüberschreitende Umweltverschmutzung in den schon weiterentwickelten EU-Ländern (falls sie nicht andererseits durch die wachstumsbedingte Zunahme von Emissionen überkompensiert wird).Google Scholar
  123. 133.
    So kann man vielleicht wohlwollend die Position der Befürworter einer EWWU wie der deutschen Bundesregierung unter Kanzler Kohl interpretieren, die behauptet hat: “Der Integrationsprozeß in der EG nützt allen Mitgliedern” (Presse-und Informationsamt der Bundesregierung, 1992, entnommen der Tagespresse, FAZ vom 23.10.92, S. 29).Google Scholar
  124. 134.
    Wirtschaftstheoretisch gesagt, sind die Zeitpräferenzen der Teilnehmerländer und der Interessengruppen in diesen Ländern entscheidend. Außerdem sind natürlich die unterschiedlichen Nutzenfunktionen der einzelnen Länder/Interessengruppen bestimmend, ebenso wie die unterschiedlichen dynamischen Trade-off-Beziehungen, denen diese gegenüberstehen. Siehe näher im 3. Teil. Allgemein kann man sagen, daß das Auftreten von Gewinner-und Verliererpositionen auch von den oben in Abschnitt 2.1 beschriebenen unterschiedlichen strukturellen Ausgangspositionen abhängig ist. Allerdings verbleibt natürlich immer die grundsätzliche Unsicherheit in der Einschätzung der Wirkungen einer institutionellen Innovation, die von der Unsicherheit der Spezifikation des Referenzszenarios herrührt. Anders gesagt: Was würde (wäre) ohne eine EWWU oder ohne das Maastricht-Abkommen passieren (passiert)?Google Scholar
  125. 135.
    Die traditionelle Integrationstheorie (Viner 1950; Meade 1955) unterscheidet handelsschaffende, handelsablenkende und handelsausweitende Effekte der Integration. Diese Effekte lassen sich kurz wie folgt kennzeichnen.Handelsschaffende Wirkung: Teure heimische Produkte werden durch Importe ersetzt, die in einem anderen Mitgliedsland billiger erzeugt werden können. Handelsausweitende Wirkung: Durch die eben erläuterte Verbilligung der Produkte kann mehr verbraucht werden. Ilandelsumlenkung: Die Produktion von mit Zöllen belasteten Importen wird aus Nichtmitgliedsländern in Mitgliedsländer verlagert, obwohl sie dort ohne Berücksichtigung der Zölle eigentlich teurer ist.In einer Zollunion beispielsweise fällt der vorher erhobene Zoll für die in der Gemeinschaft produzierten Güter weg. Damit fällt der relative Preis im Vergleich zu den Produkten aus den nicht dieser Gemeinschaft angehörenden Ländern. Das führt dazu, daß es (c.p.) zu einer Reduzierung der aus Drittländern eingeführten Produkte zugunsten der Zunahme des internen Handels kommt. Der Handel wird also umgelenkt. Google Scholar
  126. 136.
    Vgl. auch Preuße (1993).Google Scholar
  127. 137.
    Zu Übersichten siehe z.B. Balassa (Hrsg., 1975) sowie Robson (1987).Google Scholar
  128. 138.
    Hinsichtlich des Freihandelsabkommens zwischen den USA und Kanada vgl. Brown und Stern (1989) sowie Markusen und Wigle (1989); und bezüglich der NAFTA vgl. Brown, Deardorff und Stern (1991).In all diesen Modellen werden sinkende Durchschnittskosten, eine Erhöhung der Wettbewerbsintensität und Wohlfahrtseffekte zunehmender Produktdifferenzierung miteinbezogen. Die so abgeleiteten Wachstumseffekte übersteigen die statischen Gewinne der traditionellen Berechnungen um ein Vielfaches.Google Scholar
  129. 139.
    Das heißt, eine notwendige Bedingung für die Entstehung der erhofften dynamischen Wachstumseffekte ist die Wahrung der Offenheit der Märkte der Integrationszonen gegenüber Drittstaaten.Google Scholar
  130. 140.
    Vgl. hierzu z.B. Greenaway und Hine (1993).Google Scholar
  131. 141.
    So war die Zustimmung zum “erfolgreichen” Abschluß der Uruguay-Runde Frankreich u.a. damit “abgekauft” worden, daß von den anderen EU-Partnern Zugeständnisse dahingehend gemacht wurden, strategische Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Drittländern zu erleichtern.Google Scholar
  132. 142.
    Vgl. z.B. “Kronberger Kreis” (1993), S. 45.Google Scholar
  133. 144.
    Vgl. z.B. Milgrom, North und Weingast (1990) oder North (1984).Google Scholar
  134. 145.
    Vgl. näher z.B. Wagner (1993), S. 108f. Vgl. auch die Ausfiihrungen in der vorvorhergehenden Fußnote.Google Scholar
  135. 146.
    Und zwar werden die Koordinationskosten auf ein Niveau gesenkt, bei dem allein es erst ökonomisch interessant wird, weitere Aktivitäten (Spezialisierungen, Arbeitsteilung)durchzufiihren.Google Scholar
  136. 147.
    Solche Diskretionarität führt dazu, daß Institutionen nicht den Charakter fester, unveränderlicher Regeln aufweisen. Dies bewirkt institutionelle Unsicherheit. Die Diskretionarität der Exekutive schafft überdies für private Akteure große Anreize, sich durch Einflußnahme auf die Bürokratie “Renten” zu sichern. (Als “Renten” werden hier jene Zahlungen an einen Produktionsfaktor bezeichnet, die über die Mindestzahlung hinausgehen, die notwendig ist, damit der Faktor angeboten wird.) Dieses “rent seeking” verschlimmert jedoch die oben angesprochene institutionelle Unsicherheit. Diese institutionelle Unsicherheit wiederum bewirkt, daß die Wirtschaftssubjekte ihr Transaktionsnetz verkleinern, was sich in geringerer Marktgröße und geringerem Wachstum niederschlägt (siehe oben). Vgl. hierzu auch De Soto (1989), der die Erfahrungen in Peru mit einem Mißbrauch der Diskretionarität des Staates beschreibt.Google Scholar
  137. 148.
    Je schwieriger es ist, eine Institution zu verändern, um so vorhersehbarer ist sie. Je schwieriger allerdings die Veränderung von Institutionen ist, um so schwerer ist es, sie neuen Rahmenbedingungen anzupassen. Hierbei ist zu beachten, daß der Wachstumsprozeß insbesondere auf neuen Technologien basiert. Solche neue Technologien verändern jedoch die Effizienz bisheriger Institutionen. Wenn eine Gesellschaft die Institutionen diesen Veränderungen nicht anpaßt, dann werden die technologisch realisierbaren Wachstumspotentiale immer weniger ausgeschöpft. In diesem Kontext ist beispielsweise auch die Entwicklung der Gesetzgebung während der letzten hundert Jahre zu sehen.Google Scholar
  138. 149.
    Dies impliziert Regeln zur Veränderung von Regeln, also politische Entscheidungsregeln. Prinzipiell kann man dabei jedoch in einen “infiniten Regreß” geraten.Google Scholar
  139. 150.
    Die Argumentation war hier allerdings etwas anders gelagert. Eine EWWU sollte demnach das Ergebnis eines Prozesses der zunehmenden Konvergenz der europäischen Länder sein. Diese Konvergenz sollte sowohl den ökonomischen als auch den politischen Bereich umschließen und durch Marktkräfte gesteuert sein. Als Krönung wird hierbei die Einführung einer gemeinsamen Währung und die Aufgabe nationaler Geldpolitiken gesehen.Als Vorläufer dieses Streits kann man in gewissem Sinne schon die Auseinandersetzung zwischen den sogenannten “Monetaristen” und “Ökonomisten” in den 60er Jahren ansehen. Damals gaben die “Monetaristen” - Frankreich und Belgien - den währungspolitischen Vorkehrungen (wie Verringerung der Bandbreiten, Schaffung eines Devisenausgleichsfonds) das Primat gegenüber der wirtschaftspolitischen Integration. Dagegen setzten die sogenannten “Ökonomisten” - damals BRD, Niederlande und Italien - Priorität auf die wirtschaftspolitische Konvergenz, verstanden als die funktionelle Voraussetzung für die Schaffung einer EWWU.Google Scholar
  140. 151.
    Vgl. hierzu z.B. Gabriel (1992).Google Scholar
  141. 152.
    Vgl. hierzu Abschnitt IV.1.1. “Subsidiaritätsprinzip” bedeutet, daß die Gemeinschaft nur eingreifen darf, wenn die Vertragsziele und die Ziele einzelner Maßnahmen “auf Ebene der Mitgliedstaaten nicht ausreichend erreicht werden können und daher wegen ihres Umfangs oder ihrer Wirkungen besser auf Gemeinschaftsebene erreicht werden können” (Art. 3b EU-Vertrag).Google Scholar
  142. 153.
    Auch kann angeführt werden, daß die EWWU selbst Teil eines Programms ist, das auch eine gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik und eine konsequente Abrüstung und Rüstungskontrolle umfaßt. Insofern sind die Annäherungsprozesse im allseitigen Kooperationszwang noch stärker bzw. breiter gelagert.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1995

Authors and Affiliations

  • Helmut Wagner
    • 1
    • 2
  1. 1.Lehrstuhl für Europäische WirtschaftspolitikHWPHamburgDeutschland
  2. 2.Lehrstuhl für VWL, insbes. MakroökonomikFernUniversität HagenHagenDeutschland

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