Advertisement

Die Philosophie der Erfahrung

Chapter
  • 19 Downloads

Zusammenfassung

Während der Materialismus sich bis auf Demokrit zurückführen läßt, ist der Positivismus viel jünger. Es gibt immer noch Personen, die Materialismus und Positivismus verwechseln, oder die zumindest diese Lehren für eng verwandt halten. Ein solcher Irrtum muß so früh wie möglich aufgedeckt werden, denn er verschleiert die Probleme, deren Studium wir uns vorgenommen haben. Zweifellos stimmt es, daß sehr viele Wissenschaftler sich zum Materialismus bekannt haben und daß viele als Positivisten aufgetreten sind. Aber wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, daß es nur sehr wenige gibt, die beide Positionen gleichzeitig vertreten haben. Und die Ausnahmen von dieser Regel sind im Lauf der Geschichte immer seltener geworden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Referenzen

  1. 1.
    Man bemerke, daß dann, wenn man die Philosophie Kants für stimmig hält, allein ihre Existenz genügt, um die Möglichkeit einer Alternative zu schaffen, weil doch in dieser Philosophie die Kausalität nichts anders ist als ein a priori Element des menschlichen Verstandes, die wir zu Unrecht den Sachen selbst zuschreiben.Google Scholar
  2. 2.
    Man sollte nicht meinen, daß das Wissen von der Existenz der Relativitätstheorie Teil der Allgemeinbildung sei (mit demselben oder doch fast demselben Anspruch wie das Wissen von der Existenz der Pyramiden! ) und daß eine Kenntnis von der Existenz der Quantenmechanik nicht Teil dieser Bildung wäre; daß es für einen Lateinlehrer oder Bankbeamten etwa beschämend sei, wenn er noch nie von der ersten gehört hat, und es fast zum guten Ton gehöre, wenn er von der zweiten nichts weiß. Diese einfache Tatsache genügt, um die Auswahlkriterien, die bei dem Erwerb der Allgemeinbildung maßgebend sind, in Mißkredit zu bringen.Google Scholar
  3. 3.
    Die Spurenkammern können für viele Zwecke verwendet werden; wir betrachten sie hier nur als eine Art photoelektrischer Zelle.Google Scholar
  4. 4.
    Das ist der Ausgangspunkt der von Louis de Broglie entwickelten Wellentheorie.Google Scholar
  5. 5.
    Die so erhaltene Theorie enthält in verborgener Weise gewisse Fernwirkungen. Man sagt, daß die verborgenen Parameter „nicht lokal“ sind.Google Scholar
  6. 6.
    Aber sie machten sich nicht klar, daß die verborgenen Parameter nicht lokalisierbar sind, wie die Untrennbarkeit, von der weiter unten gesprochen wird, beweist.Google Scholar
  7. 7.
    Auch im obigen Beispiel ist es niemals möglich gewesen, vorherzusagen, in welchem Teil der Spurenkammer das Elektron losgerissen wird; weder mit Hilfe von Theorien mit verborgenen Parametern noch mit irgendeiner anderen. Das ist die Begründung für die Behauptung, daß diese Parameter entweder „verborgen“ seien oder gar nicht existierten.Google Scholar
  8. 8.
    ... und in anderen weniger! Bohr ist nicht leicht zu lesen; als Folge davon sind seine Exegeten nicht immer einer Meinung.Google Scholar
  9. 9.
    In Louis de Broglie und die Physiker, Hamburg 1955.Google Scholar
  10. 10.
    Der Versuch, der „Youngscher Interferenzversuch“ genannt wird, besteht darin, ein Bündel von Teilchen — Photonen zum Beispiel — durch einen Schirm mit zwei nahe beieinander liegenden parallelen Schlitzen zu schicken. Auf einem zweiten Schirm, der hinter dem ersten steht, beobachtet man dann „Interferenzstreifen“, das heißt abwechselnd Schatten und Licht. Diese Streifen verschwinden, wenn man einen der beiden Schlitze verdeckt. Die Erklärung dafür ist sehr schwierig, wenn man annimmt, daß jedes Teilchen in jedem Augenblick an einem bestimmten Ort ist, denn dann muß ja jedes Teilchen durch einen bestimmten Schlitz gehen und das Bild, das man auf dem zweiten Schirm sieht, wenn beide Schlitze offen sind, sollte eine einfache Überlagerung der Bilder sein, die man erhält, wenn nur einer der beiden Schlitze offen ist: wenigstens muß man darüber hinaus zugeben, daß jedes Teilchen, das einen der beiden Schlitze passiert, in bestimmter Weise in seiner Bahn beeinflußt wird durch die Tatsache, daß der andere Schlitz offen oder geschlossen ist; diese Hypothese erscheint im Rahmen der herkömmlichen Physik als sehr künstlich.Google Scholar
  11. 11.
    Ein Beispiel ist der Gedanke, daß kein Gegenstand zur selben Zeit am selben Ort sein kann wie ein anderer Gegenstand.Google Scholar
  12. 12.
    Die Tatsache, daß es möglich ist, eine Anzahl von Objekten unabhängig von ihrer Anordnung zu definieren, wird vom Kind entdeckt, wenn es — in Wirklichkeit oder in Gedanken — eine Sammlung ähnlicher Objekte zusammenstellt, sie in einer Reihe oder in einem Kreis anordnet und herausfindet, daß diese beiden Operationen voneinander unabhängig sind. J. Piaget, Psychologie et Epistemologie, Mediations, Gonthier.Google Scholar
  13. 13.
    J. Monod, Le hasard et la nécessité, Seuil, dt. Zufall und Notwendigkeit, Piper.Google Scholar
  14. 14.
    In Einstein, Born, Briefwechsel 1916 —1955, Nymphenburger Verlagsbuchhandlung.Google Scholar
  15. 15.
    Experimente, die mit Photonen ausgeführt werden; man sehe dazu in einem Buch, das in die Physik einführt, nach.Google Scholar
  16. 16.
    Man kennt gewisse Argumente, die den Gedanken nahelegen, daß Teilchen mit einer Masse von mehr als etwa 10 14 g nicht einmal im Prinzip in Beugungsexperimenten untersucht werden können. Diese Argumente stützen sich auf die Tatsache, daß die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Lage des Schwerpunkts eines jeden Körpers mit endlicher Masse aufgrund der Existenz von Ungenauigkeitsbeziehungen Quantenfluktuationen unterworfen ist. Die allgemeine Relativitätstheorie macht nun die Krümmung des Raumes - und allgemeiner seine „Metrik“ - von der Massenverteilung abhängig. Diese Größen fluktuieren also. Das könnte bei zwei linearen Überlagerungen von Materiewellen beträchtliche zufällige Phasendifferenzen hervorrufen und damit die Kohäsion zerstören. Solche Gedanken wurden insbesondere von F. Karolyhasi entwickelt. Siehe zum Beispiel A. Frenkel in Quantum Mechanics a Half Century Later, Lopes et Paty ed. Reidel, Dordrecht 1977.Google Scholar
  17. 17.
    Zumindest dem Buchstaben nach. Es stimmt, die Philosophie der Erfahrung gibt sehr wohl bestimmten Behauptungen, die die Vergangenheit betreffen, einen Sinn: jenen nämlich, die ein Glied in einer hypothetisch deduktiven Kette sind, die Vorhersagen über zukünftige Beobachtungen erlaubt. Aber der Sinn dieser Behauptungen ist nach dieser Theorie ganz in den Vorhersagen, die die Zukunft betreffen, enthalten, das heißt in dem Zusammenhang, den sie zwischen den Wahrnehmungen der heute lebenden Menschen herzustellen erlaubt. Siehe zu diesem Thema weiter unten Seite 59.Google Scholar
  18. 18.
    W. Heisenberg, Das Naturbild der heutigen Physik, Hamburg 1955.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1983

Authors and Affiliations

  1. 1.Laboratoire de Physique Théorique et Particules Elémentaires Centre d’OrsayUniversité Paris XIOrsay CedexFrance

Personalised recommendations