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Die Stipulation

  • Heinrich Honsell
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Die Stipulation5 war ein Formalgeschäft, mit dem eine einseitige Verpflichtung begründet werden konnte. Es handelte sich um ein mündliches, förmliches Leistungsversprechen. Im Gegensatz zum heutigen Versprechen hat aber nicht der Schuldner das Versprechen gesprochen, sondern der Gläubiger in Fragefonn6. Die Form war einfach. Die Stipulation kam durch Frage des Versprechensempfängers (stipulator) und Antwort des Versprechenden (promissor) zustande7. Frage und Antwort mußten dabei formal übereinstimmen, d.h. das Verbum des Fragesatzes mußte in der Antwort wiederkehren. Wenn also die Frage lautete: sestertium decem milia dare spondes? (Versprichst Du mir zehntausend Sesterzen zu geben?), so mußte darauf mit „spondeo“ geantwortet werden. Die Stipulation erlangte im römischen Rechtsleben enorme Bedeutung. Dies beruht — ähnlich wie bei der Manzipation — auf ihrer vielseitigen Verwendbarkeit: sie konnte jeden beliebigen Inhalt aufnehmen, sofern er nur rechtlich zulässig war und nichtgegen die guten Sitten verstieß. Da das römische Recht nie zu dem heute gültigen Satz gelangt ist, daß grundsätzlich auch formlose Vereinbarungen rechtsverbindlich sind, griff man überall dort zur Stipulation, wo man eine Verpflichtung begründen wollte, die nicht schon aus anderen Gründen Rechtsschutz genoß.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1994

Authors and Affiliations

  • Heinrich Honsell
    • 1
  1. 1.Rechtswissenschaftliches SeminarUniversität ZürichZürichSwitzerland

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