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Grundsätze für die Behandlung der Lageanomalien

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Zusammenfassung

Wenn man die Lageabweichungen der Gebärmutter richtig kritisch würdigen will, insbesondere wenn man die durch Falschlage verursachten Beschwerden nicht einseitig und daher unsachgemäß behandeln, sondern mit dem Blick aufs Ganze gerichtet kurieren will, muß man sich so gut wie in jedem Falle die Frage vorlegen, ob nicht Beschwerden von Seite abwegiger Haltung der Genitalorgane nur Teilerscheinung eines allgemeinen Krankheitsbildes, nämlich des der Senkung des Eingeweideblockes, der Enteroptose, sind. Die Bedeutung der Enteroptose ist für das weibliche Geschlecht eine überragende. Bekanntlich ist die Enteroptose fast immer Teilerscheinung und Ausdruck der Asthenie, einer angeborenen schlaffen Beschaffenheit der Gewebe, der so viel genannten schlaffen Faser, welche sich einerseits im Bereiche der Brustorgane durch Tiefstand der Lungen und des Zwerchfelles, Verschwinden der Sinus pleurocostales, durch Tropfenherz kundtut, anderseits in der Senkung entweder des gesamten Eingeweideblockes oder bestimmter Organe, Magen, Niere, seltener Leber, Milz und ganz besonders in der Senkung des Genitalapparates und dem Nachgeben der vorderen Bauchwand gekennzeichnet ist. Oft genug ist bei einer solchen abwegigen Konstitution eine Reihe von Schädlichkeiten aufzuzeigen, welche bei der bestehenden Anlage das Maß des für einen so gebauten Körper Tragbaren voll machen und zu recht lästigen, das Leben zwar nicht verkürzenden, aber die Lebensfreude ebenso wie die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Zuständen führen. Neben einer besonders leichten Ermüdbarkeit sind es quälende Kreuzschmerzen, ziehende Schmerzen in den Leisten, in der Lendengegend, Schmerzen in der Gegend des Nierenlagers, die mannigfaltigsten Beschwerden von Seite des Magens, Stuhlverstopfung, das lästige Gefühl des Verlierens der Genitalorgane, das quälende Bewußtsein des wie ein Keil zwischen die Schamlefzen herabtretenden Genitales auch bei geringer Senkung desselben, Schmerzen in den unteren Gliedmaßen, schließlich und nicht zuletzt allgemeine Beschwerden, häufige Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, seelische Verstimmung u. ä. Aber auch ohne eine besondere Anlage, ohne ausgesprochene Zeichen des Infantilismus und der Asthenie können dieselben Beschwerden in erster Linie infolge mangelhafter Wochenbettpflege zur Entwicklung kommen, besonders bei schweren, operativen, aber auch nach durchaus normalen Geburten, wenn sie rasch aufeinanderfolgen und wenn nach deren Ablauf sogleich harte körperliche Arbeit ohne Schonung betrieben werden muß. Sie kommen auch als Folge unzweckmäßiger, durch schwere körperliche Arbeit bedingter, namentlich sitzender Berufsarbeit vor. Wenn sie auch in der überwiegenden Mehrzahl Frauen, die geboren haben, betrifft, so sind auch Nulliparae, besonders solche asthenischer Konstitution davor nicht gefeit. Wie Mathes, Max Hirsch und Sellheim zeigen konnten, erlahmen bei solchen Frauen mit dauernder sitzender Beschäftigung die Beckenbodenmuskeln. Auch Rücken- und Kreuzschmerzen stellen sich als Anzeichen der Lockerung der Haftapparate ein. „Der Uterus schwebt mehr oder weniger in der Luft und zerrt an den von ihm zur Beckenwand ziehenden empfindlichen Gebilden“ (Sellheim) So bildet sich als Vorstufe der Enteroptose, der Senkung und des Vorfalles ein bezeichnendes Krankheitsbild heraus, dem Sellheim den treffenden Namen „die schwebende Pein“ gegeben hat.

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© Springer-Verlag Wien 1934

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität, Bundes-Hebammenlehranstalt, Geb.-Gyn. Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in WienWienÖsterreich

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