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Die Wortbildung

  • Bernhard Karlgren
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 113)

Zusammenfassung

Fahren wir nun fort, die chinesischen Wörter, hauptsächlich die einfachen, nach ihrem Bau zu untersuchen, so zeigen sich als Folge des Monosyllabismus merkwürdige Ergebnisse. Die Zahl der aussprechbaren Silben ist nicht unbegrenzt, und je mehr Wörter die Sprache hervorbrachte (es sei daran erinnert, daß wir es mit einer Kultursprache zu tun haben, die schon zu einer frühen Zeit einen reichen Wortschatz besaß), um so weniger ließ es sich vermeiden, daß zwei oder mehrere Wörter in der Aussprache einander ähnlich, ja identisch, wurden. Diese Homophonie nahm dadurch beträchtlich zu, daß das Chinesische im Laufe seiner Entwicklung, soweit wir sie kennen, immer zur Vereinfachung der Laute neigte. Um 800 v. Chr. herrschte noch eine beträchtliche Lautverschiedenheit, so daß die Homophone nicht übermäßig zahlreich waren. Aber schon gegen 500 n. Chr. duldete die Sprache nur noch einen einfachen Konsonanten im Anlaut (mit Ausnahme der ‚Affrikaten‘ ts, dz, ch, dj, Phoneme, die als einfache Laute angesehen werden können). Wörter wie pi, p‘i, b‘i, mi, ti, t‘i, d‘i, tsi, ts‘i, li, ngi (ng wie in Gong) waren möglich, Konsonantenverbindungen wie in streng, brechen, treiben, fliegen, planen gab es nicht. Noch größere Armut herrschte im Auslaut.

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Referenzen

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1975

Authors and Affiliations

  • Bernhard Karlgren
    • 1
  1. 1.Östasiatiska MuseetSkeppsholmen, Stockholm 100Schweden

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