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Die Wiederkehr der Ungleichheit. Die Abstiegsgesellschaft von Oliver Nachtwey

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Zusammenfassung

Mit dem Begriff der ‚Abstiegsgesellschaft‘ bezeichnet Oliver Nachtwey eine historische Konstellation, in der die sozial- und tarifpolitischen Errungenschaften des koordinierten Kapitalismus der Nachkriegszeit unter Bedingungen einer neoliberalen, finanzmarktgetriebenen Globalisierung zunehmend zur Disposition gestellt werden. Dass soziale Rechte für einen Großteil der Bevölkerung ihren politischen Gehalt verlieren, bedingt, so Nachtwey, einen Rückschritt im Prozess gesellschaftlicher Entwicklung. Dass aus ‚Sozialer Moderne‘ im Übergang zum 21. Jahrhundert eine ‚Regressive Moderne‘ geworden ist, zeigt sich vor diesem Hintergrund auch in der Emergenz neuer sozialer Konflikte von links (‚Occupy‘) und rechts (‚PEGIDA‘).

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Notes

  1. 1.

    Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich Seitenzahlen im Folgenden auf diese Arbeit.

  2. 2.

    Für eine der ersten empirischen Untersuchungen, die die Grundlage der Arbeit darstellen siehe Holst et al. (2009). Weiteres empirisches Material lieferten Nachtwey im Wesentlichen zwei an den Universitäten Trier gemeinsam mit Ulrich Brinkmann durchgeführte Studien zum Wandel der deutschen Arbeitsbeziehungen (Brinkmann und Nachtwey 2017) und den sozialen Bewegungen PEGIDA und Occupy (Nachtwey und Decieux 2014).

  3. 3.

    Komplementär erschienen zwei Veröffentlichungen, die einen wesentlichen Teil der Befunde abbilden, auf denen auch die Abstiegsgesellschaft beruht (Brinkmann und Nachtwey 2017; Jörke und Nachtwey 2017). Weiterhin liegt der Text mittlerweile auch in englischer Übersetzung vor (vgl. Nachtwey 2018).

  4. 4.

    In einem Gastbeitrag für Zeit-Online schlägt Nachtwey (2016b) einen ‚linken Populismus‘ als möglichen politischen Impulsgeber vor: „Ein linker Populismus, der die Ängste der Bürger ernst nimmt und sie in einen Kampf für ein solidarisches Gemeinwesen lenkt, könnte in der europäischen Abstiegsgesellschaft sich deshalb als Glücksfall für die Demokratie erweisen.“

  5. 5.

    Ähnlich interpretierte zuletzt etwa auch der französische Historiker Pierre Rosanvallon (2017, S. 251) eine „massive Binnenerosion der Solidarinstitutionen“ als „dramatischen Rückfall in die Vergangenheit“ (ebd.: 249). Ähnliche Argumentationsverläufe finden sich prominent weiterhin auch bei Streeck (2013), Deppe (2013) oder Thelen (2014).

  6. 6.

    Die Kritik Lessenichs an Nachtwey ähnelt hierbei einem Vorwurf der „Nostalgie“, den Jürgen Habermas (2013) gegenüber Wolfgang Streecks ‚Gekaufte Zeit‘ (2013) in einer Besprechung in den Blättern für deutsche und internationale Politik geäußert hatte.

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Seeliger, M. (2023). Die Wiederkehr der Ungleichheit. Die Abstiegsgesellschaft von Oliver Nachtwey. In: Farzin, S., Laux, H. (eds) Soziologische Gegenwartsdiagnosen 3. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-41328-6_15

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  • Publisher Name: Springer VS, Wiesbaden

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