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Familiäre Dysfunktionalitäten oder gesellschaftliche Entfremdungen? Eine kritische Perspektive zur medikalisierten Überformung der Kinder- und Jugendhilfe

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Medikalisierung und Soziale Arbeit

Zusammenfassung

Der Beitrag stellt die Notwendigkeit von Kooperationen der verschiedenen Professionen und Expertisen im Kinderschutz heraus. Dabei liegt die Verantwortung zur Umsetzung einer hilfreichen Interaktionsgestaltung im Alltag der Adressat:innen bei den Fachkräften der Sozialen Arbeit. Wenn eher medizinisch-psychologische Verfahrensweisen bei der Einschätzung perspektivischer Gefährdungsrisiken auf objektivierbare Wahrscheinlichkeitsberechnungen setzen und durch eine Risikoepidemiologie sogenannte ‚Risikofamilien‘ etikettierbar machen, können die Folgen einer solchen Perspektive für die notwendigen sozialarbeiterisch-sozialpädagogischen Zugangsweisen und Interaktionsgestaltungen sowie der professionsspezifischen Hilfeerbringungen und lebensweltlichen Absicherungen gravierend beeinträchtigend sein. Ausgehend von dieser Problemanalyse wird der das Signs of Safety-Konzept als Ansatz partizipativ-lösungsfokussierter Sozialer Arbeit im Kinderschutz vorgestellt. Dabei wird auch auf das Problem eingegangen, dass die je familiäre Ausgangslage zumeist von den gesellschaftlichen und sozialpolitischen Einflussaspekten individualisierend entfremdet erscheint.

Abstract

The article highlights the necessity of cooperation between the different professions and areas of expertise in child protection. The responsibility for the implementation of a helpful interaction in the everyday life of the addressees lies with the social work professionals. If rather medical-psychological procedures rely on objectifiable probability calculations in the assessment of perspective risks of danger and make it possible to label so-called families at risk’ by means of a risk epidemiology, the consequences of such a perspective can be seriously detrimental to the necessary social work-social pedagogical approaches and interaction designs as well as the profession-specific provision of help and life-world safeguards. Based on this problem analysis, the Signs of Safety concept is presented as an approach to participatory solution-focused social work in child protection. It also addresses the problem that the family’s initial situation usually appears alienated from the societal and socio-political aspects of influence.

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